PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [An diesen Rädern]


ginTon
09.10.2011, 16:19
[An diesen Rädern]

An diesen Rädern klebt der Teer der Straße,
ein hinter dir durchs Fenster dieser Welt,
wir wollen ungezügelt nicht mehr Bremsen
und Vorwärts finden mit dem stählernen Pferd.

Ich fliege, fange an den Flanken Feuer.
Es staubt und das Benzin fließt durch die Brust,
verschmolzen ist der Stahl mit meinem Körper:
der Geist lenkt das Gespann zu neuer Lust.

Stimme der Zeit
09.10.2011, 17:06
Hallo, gin,

An diesen Rädern klebt der Teer der Straße,
ein hinter dir durchs Fenster dieser Welt,
wir wollen ungezügelt nicht mehr Bremsen
und Vorwärts finden mit dem stählernen Pferd.

Ich vermute, da sich dieses Gedicht in der "Vollmond"-Rubrik befindet, dass es sich um einen Traum handelt (sag mir, wenn ich mich irre, aber ich glaube, du postest "Traumgedichte" meistens hier).

"Räder" und "Straße" sehe ich als Bewegung. (Oder besser: den Wunsch danach.) Wenn ich versuche, einer Traumsymbolik zu folgen, dann habe ich den Eindruck, dass der "klebende Teer" für etwas steht, was das LI "festhält" und ein "Vorwärtskommen" verhindert. Beruflich, privat, das kann ich natürlich nicht sagen. Das "Pferd" steht für Freiheit, hier dargestellt durch das "stählerne Pferd", also ein Auto. Ich schätze, dass in heutigen Zeiten das Automobil wohl auch für den "Freiheitswunsch" steht.

Das "Fenster der Welt" liegt "dahinter", das LI möchte also "nach vorn" fahren. "Ungezügelt und ungebremst" bestehende Einschränkungen überwinden, um sich "frei bewegen" zu können. Ein "Aufbruch" zu etwas Neuem.

In der ersten Strophe gibt es offenbar eine/n "Mit- oder Beifahrer/in" (Partner/in?), das LI möchte gemeinsam in die Freiheit "fahren".

Ich fliege, fange an den Flanken Feuer.
Es staubt und das Benzin fließt durch die Brust,
verschmolzen ist der Stahl mit meinem Körper:
der Geist, er lenkt dieses Gespann zu neuer Lust.

In Strophe 2 wechselt die Perspektive zum LI. (In Träumen finden ja häufig solche aprupten Wechsel statt.) Das LI "verschmilzt" hier mit dem Symbol von Bewegung und Freiheit, mit dem "stählernen Pferd". Das "Feuer fangen" und diese "Verschmelzung" sowie das "Fliegen" lassen mich vermuten, dass das LI diese "Bewegung" selbst steuern , also ein "Teil davon" werden möchte. Das sagt auch die letzte Zeile aus: Der Geist lenkt.
Neue "Lust" - am Leben, die Befreiung vom "alten Stillstand".

Außerdem befindet sich durch die "feuer fangenden Flanken", das "durch die Brust fließende Benzin" (die "Antriebskraft"), das "Verschmelzen" und die "Lust" noch ein "erotischer" Aspekt darin.

Für mich klingt das nach einem Wunschtraum, in dem das LI davon träumt, sich (vielleicht) von "eingetretenen Pfaden" und Langeweile befreien zu können, um sich statt dessen endlich mit etwas Neuem, Aufregenden zu befassen - und "Feuer zu fangen". Es heißt ja auch, jemand ist "Feuer und Flamme" für etwas. ;)

Übrigens enthält dein Gedicht einige sehr schöne Alliterationen, wobei ich von den "Feuer fangenden Flanken" besonders angetan bin. In Strophe zwei reimen sich auch "Brust" und "Lust", das passt sehr schön zum "Verschmelzen". :)

(Eine kurze Frage: Hast du "Bremsen" und "Vorwärts" absichtlich groß geschrieben?)

Ich kann mich mit meiner Interpretation natürlich auch total irren, denn ich träume selten bewusst, und surreal noch seltener. (Ich bin eben ein bisschen langweilig ... :o) Deshalb kann ich mir nicht sicher sein, inwieweit ich "daneben liege". Aber auf jeden Fall finde ich dein Gedicht sehr lebendig und aussagestark, mir gefällt es sehr, besonders das Feuer, das Pferd und das Fliegen - ich bin selbst sehr "freiheitsliebend". :)

In diesem Sinne ein dickes Lob, denn ich bin sehr gerne in den Traum "eingetaucht" und auch ein wenig "geflogen". :)

Sehr gerne gelesen und kommentiert.

Liebe Grüße :)

Stimme http://www.smilies.4-user.de/include/Teufel/smilie_devil_006.gif

ginTon
09.10.2011, 17:19
hallo stimme,

Ich vermute, da sich dieses Gedicht in der "Vollmond"-Rubrik befindet, dass es sich um einen Traum handelt (sag mir, wenn ich mich irre, aber ich glaube, du postest "Traumgedichte" meistens hier).

Das stimmt.

"Räder" und "Straße" sehe ich als Bewegung. (Oder besser: den Wunsch danach.) Wenn ich versuche, einer Traumsymbolik zu folgen, dann habe ich den Eindruck, dass der "klebende Teer" für etwas steht, was das LI "festhält" und ein "Vorwärtskommen" verhindert. Beruflich, privat, das kann ich natürlich nicht sagen. Das "Pferd" steht für Freiheit, hier dargestellt durch das "stählerne Pferd", also ein Auto. Ich schätze, dass in heutigen Zeiten das Automobil wohl auch für den "Freiheitswunsch" steht.
Na das ist ein wenig zu viel hineininterpretiert. Der klebende Teer als Beispiel, den gibt es da nicht, nur die Straße, welche nunmal fast immer aus Teer besteht. ;)

Ich kann mich mit meiner Interpretation natürlich auch total irren, denn ich träume selten bewusst, und surreal noch seltener. (Ich bin eben ein bisschen langweilig ... ) Deshalb kann ich mir nicht sicher sein, inwieweit ich "daneben liege". Aber auf jeden Fall finde ich dein Gedicht sehr lebendig und aussagestark, mir gefällt es sehr, besonders das Feuer, das Pferd und das Fliegen - ich bin selbst sehr "freiheitsliebend".
Wie gesagt denke ich, dass viele das Werk zu realitätsbezogen sehen und dies geht in diesen Fällen eben nicht. Somit ist eine Interpretation des Ganzen von vornherein schon fast immer zum Scheitern verurteilt, wenn man dieses Werk nicht aus traumanalytischer Sicht betrachtet. Es freut mich aber das es dir gefällt..Um "Freiheit" geht es dort nicht...

In diesem Sinne ein dickes Lob, denn ich bin sehr gerne in den Traum "eingetaucht" und auch ein wenig "geflogen".
Freut mich zu hören, danke dir...liebe Grüßen gin