Gedichte-Eiland

Gedichte-Eiland (http://www.gedichte-eiland.de/index.php)
-   Liebesträume (http://www.gedichte-eiland.de/forumdisplay.php?f=10)
-   -   Glimmung (http://www.gedichte-eiland.de/showthread.php?t=4963)

Archimedes 13.01.2010 17:25

Glimmung
 
Als die Liebe so jung und so feurig noch war,
damals gab uns das Leben das Glück in den Schoß.
Die Hormone ersprossen zum Baume, der groß
auf dem Berg sich erhob, äußerst scharf und so klar.

Doch Gefühle, die schwanken und machen sich rar,
nur ein wenig erglimmen sie manchmal als Spross
der Gedanken, der niemals den andern verdross,
was gesagt und getan zeugte nicht von Gefahr.

Wenn die Sehnsucht verglüht sich in schwindendem Glanz,
weiß das Herz oft nicht mehr, ob es aussetzen soll,
da die Glut der Empfindung noch reichlich, noch voll

in der Seele verlangend geborgen, gedacht,
ist die Frage zu führen, ob wirklich nicht ganz
ohne Hoffnung ein neuer Beginn wird gemacht.

Walther 15.01.2010 17:20

Lb. Kreisezieher,

dieses Metrum erschließt sich mir nicht. Daher bitte ich um Hilfestellung.

LG W.

Archimedes 17.01.2010 00:33

Hallo Walther, das ist ja toll, dass du dich so um mich kümmerst. Schon wieder hat keiner außer dir geantwortet.

Dabei hat das Gedicht es in sich. Die äußere Form ist ein Sonett mit den Endungen abba abba cdd ece, allerdings in jeder Zeile sind vier Anapäst also xxXxxXxxXxxX also 12 Silben. Damit wird die klassische Sonett-Regel nicht erreicht, da dort 10 bzw. 11 Silben gefordert werden. Aber ich wollte diese Kombination einfach einmal ausprobieren.

Ich hoffe, du kannst dich mit dem Werk anfreunden
Gruß Archimedes ...der mit komplizierten Kreisen

a.c.larin 17.01.2010 07:43

hallo archimedes,
das metrum habe ich - nach eigenen experimeten damit - gleich erkannt:
daher erstmal ein bravo fürs durchhalten.( ich weiß, dass das gar nicht so einfach ist). den anapäst auch noch in einem sonett unterzubringen, halte ich für ganz besonders ausgefuchst.

ein wort irritiert mich aber.
Zitat:

nur ein wenig erglimmen sie manchmal als Spross
sollte das nicht "erklimmen heißen"?

in strophe 2, zeile 4 würde ich nach "gesagt und getan" einen beistrich setzen.

strophe drei wirkt auf mich wie ein widerspruch in sich:
einerseits "verglüht die sehnsucht" - andererseits ist "die glut der empfindung noch reichlich und voll". wie war das gemeint?

ich vesteh das gedicht so, dass in der jugend an die liebe mit mehr unbefangenheit herangegangen wird, im späteren leben ist man schon vorsichtiger, nachdenklicher geworden...
alles nützt sich halt mit der zeit ein wenig ab.....

gut, wenns wenigstens noch glimmt.
lg, larin

Klatschmohn 17.01.2010 10:20

Lieber Archi,
ja, so ist das. Langsam geht es mit einem bergab, so in jeder Hinsicht, aber es gibt Hoffnung - glaub mir. Vielleicht verändert sich die Form.:)
Ein feines Sonett, von dem ich mir so meine eigenen Gedanken mache.
Herzliche Grüße ins winterliche Berlin,
Klatschmohn

Archimedes 17.01.2010 17:49

Liebe Larin, erst mal danke für die Anerkennung:"ausgefuchst". Ja, es war nicht einfach, aber ungemein reizvoll. Dass das Wort "erglimmen" für dich nicht geläufig ist, wundert mich besonders, da in dieser Jahreszeit mit brennenden Kaminöfen das doch bildlich zu erleben ist: Man hat vergessen nachzulegen. Nun beim Pusten erglimmen die Reste vom Brennmaterial, sind aber zu schwach neue Glut zu entfachen. Wenn es aber Kohle oder Holzkohle war, dann ist noch reichlich Energie im Material dafür.
Deinen Vorschlag, nach "gesagt und getan" einen Beistrich zu setzen, habe ich nicht verstanden, es heißt dort soch: "was gesagt und getan zeugte nicht von Gefahr" (des sich Zerstreitens).

Deshalb heißt das Gedicht auch "Erglimmung". Und so ist auch die dritte Strophe zu verstehen: Die lodernde Glut der feurigen Empfindungen, das Schwelgen im Feuer der Gefühle ist verglüht. Das Herz weiß nicht, ob das als ein "es war einmal" verbuchen soll. Doch da gibt es noch Glimmung, die verborgenen kleine Glut in der Seele, ihre dauerhafte Nahrung befeuert von winzigen Erinnerungsereignissen. Da stellt sich die Frage, ob nicht ein wenig Nachlegen sie zum erneuten Lodern bringen kann.
Zitat:

ich vesteh das gedicht so, dass in der jugend an die liebe mit mehr unbefangenheit herangegangen wird, im späteren leben ist man schon vorsichtiger, nachdenklicher geworden...
alles nützt sich halt mit der zeit ein wenig ab.....
das trifft die Sache, außerdem ist aus dem lodernden Feuer der Liebe ein heimliches Glimmen ( vielleicht genauso intensiv geworden).

Liebe Klatschmohn, besonders schön finde ich dein Kommentieren, da du dich hier etwas rar gemacht hast. So wie in der glühenden Holzkohle eine höhere Hitze herrscht, als in einem lodernden Feuer, so kann eine Liebe, die äußerlich erloschen scheint, viel intensiver geworden sein, als ihr jugendlicher, feuriger Beginn.

Ich wünsche euch so heimlich glühende Beziehungen
Lieben Gruß wünscht euch Archimedes ...der mit den glimmenden Kreisen

a.c.larin 17.01.2010 21:33

hallo, glimmender archimedes,

also - nun hab ichs kapiert. so, wie du mir das wort erklärt hast, kannte ich es tatsächlich noch nicht. "glimmen" alleine schon.
mich hat wohl auch der in der gleichen zeile befindliche "Spross" ( oder Sprosse ?) irritiert, da wollte ich halt dran hochkraxeln....

schön, dann hätte ich ja jetzt mal wieder was neues gelernt! :)

auf den beistrich an der genannten stelle möchte ich keinen heiligen eid schwören müssen, aber ich hörte ihn halt dort...

beklommen glimmt klammheimlich und glamourös
larin

Walther 18.01.2010 13:40

Lb. Kreisender,

natürlich kann man das so machen, aber ich habe den Takt eben nicht auf Anhieb gefunden. :)

Wie ich bereits schrieb, hole ich gerne Gedichte hervor, derer sich bisher keiner annahm. Das macht zwar nicht so viele Freunde, aber es sorgt ein wenig dafür, daß nicht immer nur die gleichen Autoren bedacht werden.

LG W.

Archimedes 18.01.2010 16:23

Liebe Larin, ich habe immer noch nicht kapiert, wo genau der Beistrich hinsoll.

Lieber Walther, wie im richtigen Leben bilden sich auch hier Cliquen, die ständig im eigenen Saft rödeln. Daher gebührt dir hier großes Lob, dass du da gegensteuerst und das Forum belebst.

Liebe Grüße Archimedes ... der mit den lodernden Kreisen

Walther 18.01.2010 17:33

Lb. Archimedes,

das ist für mich selbst verständlich. Ein Forum lebt von der Bereitschaft seiner Mitglieder zur Textarbeit. Wenn jeder etwas dazu beiträgt, haben alle etwas davon.

LG W.


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 07:39 Uhr.

Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2024, Jelsoft Enterprises Ltd.

http://www.gedichte-eiland.de

Dana und Falderwald

Impressum: Ralf Dewald, Möllner Str. 14, 23909 Ratzeburg