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Liebesträume Liebe und Romantik

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Alt 11.08.2017, 10:28   #1
Felix
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 20.11.2016
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 328
Standard Kurze Höllenfahrt

(Nachruf für eine liebe Freundin)

Chor

F ü n f u n d v i e r z i g, - Lack und Leder
Höllenbraut mit blauer Blume,
vom Barette schwankt die Feder;
in Mephistos Herzogstume
bist du Fürstin, dir zum Ruhme
tanzt der Teufel, summt die Muhme
extra ordinäre Weisen.

Freunde, lasst die Humpen kreisen
Shadowlady zum Gedenken!
Hat sie doch Geburtstag heute,
Ärsche hoch jetzt von den Bänken!
Ich sag 'Prosit!' zur Brigitte,
fass sie schamlos nah der Mitte,
ras mit ihr im Höllentänzchen.

"Fasst die Teufel an den Schwänzchen!",
kreischend alle Hexen schreien,
"Heinzi tanzt den Ringelreihen
mit der blonden Schattendame!"
Selbst der Satan, dieser Lahme,
schwingt den Pferdehuf im Takte,
Teufelsweiber, geile, nackte,

taumeln durch des Saales Mitte;
greller gellt der Chor: "Brigitte,
heb dein Glas vom Bauch zur Titte!"
Teuflisch gratuliert die Meute,
denn du hast Geburtstag heute.
Als Geschenk nach höllisch langen Jahren
darfst du `ne Nacht zum Heinzi fahren.

Brigitte (Shadowlady)

Hölle, Himmel, Arsch und Zwirn!
Wo war im letzten Jahr mein Hirn?
Im dunklen Dreieck, diesem engen
Tal, wo Oberschenkel sich begrüßen?
Wo sonst sich Männerhirnes Zellen drängen?

Heut noch muss ich all den süßen
Erdenwürmern mit gereimten Grüßen
danken für ihr Grand Valet;
ganz besonders, wie ich seh,
hat sich Heinz ins Zeug gelegt.

Das berührt, erschüttert und bewegt!
Unser Date in meinen Engelsarmen
steht im Kalender als "gefloppt".
Morgen winselt er "Erbarmen!",
wenn die Schattenlady ihn ganz höllisch poppt.


Heinzi

Brigitte, wie hab ich dein Fluchen vermisst!
In weichlichen Tönen beklagen so viele
die Mängel der Sprache und sind vollgepisst,
erfrecht sich nur einer und wagt neue Spiele
mit Wörtern, Metaphern und sonstigen Sachen,
sie gehn in den Keller, um einmal zu lachen.

Wie glücklich ich bin, du verteufeltes Weibchen,
das kann ich nicht sagen, ich schweige verlegen;
ich greife dir, Hexlein, viel lieber ans Leibchen,
von oben, sagt Stine, wird kommen der Segen.
Die Freude, Mylady, ist wirklich ne große!
Und glaubst du es nicht, reicht ein Griff in die Hose.

Und dann kamst du, vom Silberschein des Mondes
beglänzt; verdeckt von blondem Haar die Hörnchen,
das Schwänzchen auch, und prächtig prangen deine
geliebten, viel geküssten Zwillingsbeeren,
den Mond mit ihrem milden Glanz beschämend,
vor meinen lüstern aufgerissnen Augen.
Die Ohren, taub vom Singen der Synapsen,
vernahmen dennoch deine Donnerstimme:

MOND! Steh still, wie die Sonne in Josuahs Tagen!
Mit schwarzer und weißer Magie wollen wirs wagen,
dem Satan ein Schnippchen zu schlagen.

Brigitte

Statt einer Nacht gelüstets mich nach mindestens drei Tagen,
nach Stärkung aller müden Glieder
durch kulinarische Finessen
und säuisch leckres Fressen,
sollst du Barett, den Slip, BeHa und Mieder
mir von dem heißen Leibe zu reißen.
Mit weißem Schlangenarm werde ich den Weg dir weisen,
am Saturn vorbei zum Großen Bären,
der neben Venus Hügel lauert.
Mein Heinz, du brauchst dich nicht zu wehren
und, Heinz, du wirst auch nicht bedauert.


Chor

Und sie fordert Heinzis Künste,
um ein Festmahl zu bereiten.
Gern steht er in ihrem Dienste,
eilt und rackert, um beizeiten
mit orientalischen Genüssen,
Aprikosen, Cashew-Nüssen,
Liebesäpfeln, Maulbeern, Feigen,
schön geputzt den Tisch zu decken
und der Schattendame zeigen:
Außer Knabbern an den Nüssen
gibts durchaus auch was zum Lecken
und noch manchen süßen Bissen.

Heinzi

Lasst uns den König der Weine,
flüssiges Gold der Champagne,
Sonne in Flaschen, Geliebte,
trinken aus schönstem Gefäße!

Brigitte

Wo suchst du den Kelch für die Lippen,
du loser, du lieber Geselle?

Heinzi

Aus Nabels Mulde zu nippen
ist schöner als trinken aus ner Quelle
gebirgiger Bäche in schwindelnden Höhn!

Brigitte

Es brächte mich, Lieber, von Sinnen
dein Kuss auf den Nabel von innen.

Heinzi

Ein wenig, Geliebte, hab ich übertrieben,
doch spreiz nur die Beine ein bisschen,
mit Züngeln und zärtlichen Küsschen,
du Göttliche, werd ich dich lieben.

Brigitte

Na, dann mal los, du stolzer Held,
bevor die Zeit vorbei, der Zeiger fällt!
Verwöhnst du mich, mein Prinz in Samt und Seide,
belohn ich dich, - und glücklich sind wir beide.

Heinzi

Bevor wir uns gepflegt vom Acker stehlen,
benötigst du den Höllenurlaubsschein.
-----
Wie schaffen wir’s, den Teufel auszutricksen,
damit aus einem einzgen Wochenend
die Ewigkeit im Licht für uns erblühe?
-----
Wir könnten seine Unterschrift mit List
und Tücke auf dem Urlaubszettel fälschen.

Brigitte

Der Teufel ist der Dümmsten einer nicht
und lässt so leicht sich nicht von uns betrügen,
ist er doch selber Kenner aller Ränke
und unterschreibt mit blutgetränktem Schwanz.
Das schaffst du nie, drum geb ich zu bedenken:
Auch Satan ist ein Mann mit seinen Schwächen,
er ist durch Weibes List allein zu schlagen.

Heinzi

Ich zweifle nicht an deinem Wort,
So geh zum Teufel, holdes Weib!
Du kennst den Weg, du weißt den Ort,
bezirze ihn, doch bitte bleib
nicht allzu lange dort.

Chor

Sie naht sich, die Tapfre, dem Herrn aller Fliegen,
dem schwarzen Gebieter der höllischen Flammen
und sinkt in gespielter Verehrung dem Gotte
der Hölle zu Füßen und küsst ihn an Stellen,
die niemals ein Dichter zu nennen sich wagt.

Teufel

Was führt dich zu mir, Höllenbraut,
gesenkten Blicks und tief gebeugt
der Rücken, der von Ängsten zeugt?
Erhebe dich, dem Teufel schaut
man forsch ins grinsende Gesicht!

Brigitte

Mein Orkusfürst, ich wag es nicht
auf gleicher Höhe dir ins Aug zu schauen.

Teufel

Mein Kind, du musst dich einfach trauen, -
zu gerne denke ich an gestern,
als du mit deinen scharfen Schwestern
Geburtstag prächtig zelebriertest
und, wie ich sah, dich gar nicht ziertest.

Brigitte

Nun gut, des Zögerns ist genug,
ich will dir deine Zeit nicht stehlen.
Um Urlaub wollt ich bitten für ein Wochenende,
jetzt steh ich hier, verlegen ring ich meine Hände.
Verstand gebot mir Lug und Trug,
mein banges Herz kanns nicht verhehlen:

Von heißem Verlangen nach Sonne und leuchtenden Farben,
nach Düften und zärtlichen Weisen und schauernder Kühle
beim Baden in schäumenden Wogen des brausenden Meeres
getrieben, betört durch die Liebe des einzigen Mannes,
der nimmer zu lösende, seidene Schlingen zu knüpfen
vermochte und unsere Herzen auf ewig verband,
erlag ich den Lockungen giftiger Schlangen, die lautlos
ihr Opfer beschleichen und mordend den tödlichen Zahn,
begierig des Blutes, in zuckende Lenden versenken.

Teufel

Versteh ich’s recht, dann hat die alte Natter,
geübt im Stiften übler Machenschaften,
versucht, auch dich auf schiefe Bahn zu lenken,
das Gift der Rebellion ins Blut zu träufeln? -
Jetzt sag mir deutlich, was die Muhme wollte!

Brigitte

Dann sag ichs frei heraus: Mit arger List,
so war der Plan im Herzen mir gereift,
beschloss ich kühn, den Urlaub durch geschickt
gefälschte Unterschrift auf Ewigkeit
zu längen - nie wollte ich zurück
zu dir und in das Dunkel deiner Nacht.

Teufel

Das gab dir meine Muhme ein! Wär nicht
das Aas seit Millionen Jahren hier,
dann müsste sie doch gleich der Teufel holen! –
Doch sprich, was kehrte um dein freches Sinnen?

Brigitte

Auch du warst vor Äonen
Als Lichtgestalt der Sonne ebenbürtig.
Gestürzt von Himmelsthronen,
des heilgen Engelsstandes nicht mehr würdig,
bist du’s, vor dem die Welt erzittert.
Dennoch, den Namen Luzifer umwittert
ein Hauch von Sonnenglast,
drum lass mich gehn, du hast ---

Teufel

Brigitte, selbst den Teufel rührt dein Flehen,
ein Irrtum wars, dich hierher zu beordern.
Mit Tränen lass ich dich für immer gehen,
doch etwas muss ich von dir fordern:

Ich möchte wie bei jedem irdschen Weibe
einen Platz in deinem Busen fest behalten,
dein künftges Leben sachte mitgestalten,
damit man spürt: Sie hat den Satan noch im Leibe.

Geändert von Felix (12.08.2017 um 09:41 Uhr)
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