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Alt 12.08.2017, 10:41   #1
Kokochanel
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Standard Rosengarten

Geänderte Fassung:

Gepflegte Beete
vor sich duckenden Büschen,
verspießt mit Spritzen.
Kleindealer huschen,
vertuschen , verticken
vor Rosen ein Tütchen, ein Pillchen.
Sie wollen leben, sagt der Sozialarbeiter,
um Verständnis werbend.
Eine alte Frau stiehlt eine blaue Rose.
Ein Dunkelhäutiger lächelt und schweigt.


ursprüngliche Fassung:

Gepflegte Beete vor sich duckenden Büschen,
verspießt mit Spritzen.
Dunkelhäutige huschen,
vertuschen , verticken
vor Rosen ein Tütchen, ein Pillchen.
Sie wollen leben, sagt der Sozialarbeiter
Mitleid heischend.
Eine alte Frau stiehlt eine blaue Rose.
Ein Dunkelhäutiger lächelt und schweigt.

Anm. Aus meiner Serie: In der Stadt

Geändert von Kokochanel (13.08.2017 um 09:52 Uhr)
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Alt 12.08.2017, 14:00   #2
Erich Kykal
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Hi Koko!

Ein gutes Gedicht (für ein ungereimtes ... - du kennst mich ja!), allerdings vergisst es zu erwähnen, dass nicht nur "Dunkelhäutige" Rosen verkaufen und/oder Drogen. Dadurch bekommt es leider den Ruch, den Eindruck erwecken zu WOLLEN, dass nur Dunkelhäutige hier das Problem sind!

So ein Gedicht erwarte ich ein einer AfD-Zeitschrift zu finden, oder auf einem rechten Werbeplakat!
Ich unterstelle dir keine Absicht hier - zuweilen ist man ein wenig "betriebsblind" für die eigene Kreation, vor allem kurz nach dem Verfassen - ich denke eher, du meintest es als ganz realistische Augenblicksbeschreibung einer selbst erlebten Szene in einem Lokal oder so, die du dann etwas zu sehr verallgemeinert hast, aber wenn du es in aller Ruhe und unvoreingenommen liest, wirst du mir beipflichten, denke ich.

Sonstiges:

Z1 - entweder "vor sich duckenden Büschen" oder "vor geduckten Büschen". Was du schreibst bedeutet, dass die Büsche jemanden oder etwas ducken!
Z4 - Leerstelle zuviel vor dem Komma.

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.
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Alt 12.08.2017, 14:11   #3
Kokochanel
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"Dadurch bekommt es leider den Ruch, den Eindruck erwecken zu WOLLEN, dass nur Dunkelhäutige hier das Problem sind!" -Nein, Erich, genau das Gegenteil hatte ich im Sinn und das wird auch über die Bilder belegt.

Durch die alte Frau ( als Sinnbild des Ungefährlichen), die ebenso kriminell wird, wird das Bild nivelliert und durch das Schweigen des Dunkelhäutigen wird es sogar erhöht. In dem Sinne: Da ist kein Unterschied.
Durch sein Lächeln findet gar eine Solidarisierung statt.
Durch die Spritzen verspießten Büsche wird klar, dass auch Urdeutsche so ihre Probleme haben, denn so weit ich weiß, ist Drogen kaufen und konsumieren auch kriminell.

Das Bild des Farbigen brauchte ich aber, um genau das darzustellen.
Das sich ducken habe ich genommen. du hast recht. Danke.

Danke für deine Gedanken und lG von Koko
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Alt 12.08.2017, 14:38   #4
Erich Kykal
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Hi Koko!

Das Lächeln des Dunkelhäutigen habe ich so gedeutet, dass die Rosen ja nur die Fassade für sein wirklich einträgliches Geschäft darstellen, also kostet ihn der Diebstahl der Blume nur ein Lächeln - über einen Diebstahl seiner Pillen und Briefchen würde er sich sehr wohl aufregen.
Den Diebstahl der alten Frau habe ich keineswegs als kriminellen Akt in Sinne eines Gegengewichtes zum Drogendelikt des Farbigen verstanden, weil es sich im Vergleich um ein absolutes Bagatelldelikt handelt, also auch im relativen Sinne nicht vergleichbar ist.

Sorry, aber dein Ansinnen wird für mich hier nicht schlüssig und nachvollziehbar transportiert. Aber warten wir andere Stimmen dazu ab ...

LG, eKy
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Alt 12.08.2017, 17:45   #5
Kokochanel
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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er verkauft keine Rosen,es ist ein Rosengarten Titel), d.h.die Rosen wachsen in den Beeten. Oftmals nennen sich solche kleinen Parks mit Rosen in Innenstädten ja "Rosengarten". Bei uns in der Stadt damals, als ich jugendlich war, z.B. auch. Da gab es so einen kleinen Park neben dem Schwimmbad, wo immer mit Drogen gedealt wurde.
Das Lächeln ist anders zu interpretieren: So nach dem Motto von arm zu arm...
Danke für deine nochmalige Einlassung, Erich und lG von Koko
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Alt 12.08.2017, 18:58   #6
Felix
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Hallo Kokochanel,
ich will nicht päpstlicher sein als der Papst, aber die zweimalige Nennung von "Dunkelhäutigen" in Verbindung mit "Dunkelhäutige huschen, vertuschen, verticken vor Rosen ein Tütchen, ein Pillchen" und "Eine alte Frau stiehlt eine blaue Rose. Ein Dunkelhäutiger lächelt und schweigt" untermauert Erichs Bedenken (die ich teile). "Rassistisch" will ich es noch nicht nennen, aber das Gedicht ist nahe daran.
Felix
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Alt 12.08.2017, 19:04   #7
syranie
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Standard Liebe Koko,

Zitat:
Zitat von Kokochanel Beitrag anzeigen
Gepflegte Beete vor sich duckenden Büschen,
verspießt mit Spritzen. das ist realitätsnah.
Dunkelhäutige huschen,<< das dunkelhäutige bedient ein Klischee. Sicher gibt es viele Schwarze, die vor allem Kokain verkaufen, aber die Verkäufer haben alle Farbschattierungen die Menschen haben können.
vertuschen , vertickendas ist auch Realität
vor Rosen ein Tütchen, ein Pillchen.Ja alles wird verkauft, Das entspricht auch der Realität
Sie wollen leben, sagt der Sozialarbeiter Das Sozialarbeiter, sagen, der Verkäufer will auch leben, suggeriert, dass die Sozialarbeiter diese Geschäfte gutheißen. Alle Sozialarbeiter, die ich kenne, heißen Drogenkonsum, Drogenverkauf nicht gut. Ganz im Gegenteil sie wirken auf die Szene mit Präventivmaßnahmen, Polizeieinsatz und Aufklärung gegen das Gift ein.
Mitleid heischend.Mitleid haben Sozialarbeiter nicht, das ist nicht angebracht. Es geht auch um die Sicherheit Anderer und die die Abhängig sind. Da ist ein klarer Verstand vonnöten.. Ein Drogenabhängiger hat ein geringes Selbstwertgefühl und wird von Dealern bedient. Es ist ein knallhartes Geschäft. Sozialarbeiter sind sich ihrer Aufgabe bewußt, es gilt dem Handel den Garaus zumachen, und die Abhängigen dazu zu bringen sich entgiften zu lassen. Das ist manchmal gegen Windmühlen kämpfen, aber besser als Tote in Kauf zu nehmen. Und wie in Amerika, die einfach Dealer und Drogenabhängige einsperren, das kanns nicht sein, denn die Flut der Drogen läuft unvermindert weiter. es sind dann nur Gefängnisse voller, aber die Welt wird nicht sicherer. Es sterben mehr. Die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Sozialarbeitern ist eng. Alle handeln nach den gesetzlichen Grundlagen. In Deutschland darf niemand wenn er Alkohol trinkt oder Drogen nimmt gegen seinen Willen eingesperrt werden. Ich erwähne insbesondere Alkohol, weil Deutschland ein Bierland und Alkoholland ist, und die Todesrate bezüglich dieses Alkohols oft vergessen wird . Natürlich sind illegale Drogen bis auf Cannabis, sehr sehr schädlich und machen hochgradig süchtig. Der Zerfall des Körpers ist viel viel schneller. Aber man kann die Abhängigen nicht einsperren. Man kommt nur in den Entzug, wenn man es freiwillig will. Geschlossenheit auf einer Psychiatrischen Station bedarf es nur: Wenn man Suicidgefährdet ist, oder andere gefährden will. Kurzgesagt. Eigen - oder Fremdgefährdung. Jemanden gegen seinen Willen im Krankenhaus festhalten, geht nur mit einer richterlichen Begutachtung.
Eine alte Frau stiehlt eine blaue Rose.den meisten Dealern ist es egal, ob eine alte Frau stielt. Der Vergleich: Drogenverkauf und Rosenklau ist nicht gelungen, da das in keinem Verhältnis steht.
Ein Dunkelhäutiger lächelt und schweigt.Dealer sehen zu, dass sie Ware verkaufen. Sie wollen ihre illegale Ware an die Frau oder Mann bringen...

Anm. Aus meiner Serie: In der Stadt
Koko, sicherlich hast du eine Situation beschrieben, aber das Unrealistische finde ich nicht gut.

Liebe Grüße sy

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Erich Kykal Katzenmorgen --- Lailany Wilde Pferde

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syranie ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2017, 20:57   #8
Kokochanel
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Liebe Syranie,

dein Kommentar macht mich nachdenklich.Und interessiert daran, herauszubröseln, weshalb das Werk bei euch so ankommt, wie es das scheinbar tut. Als Autor kann mich das ja nicht zufriedenstellen. Gerade , weil ich bei der modernen Prosa ja sozusagen erst einsteige.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die Bilder einfach nicht verständlich genug für den Leser transportieren , was ich aussagen wollte, weil andere Konnotationen zuerst kommen, die nicht gewollt waren.

Ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar, warte mal ab, was andere noch dazu zu sagen haben. Wenn sie derselben Meinung sind wie Erich und du, dann kloppe ich das Gedicht in die Tonne. Wäre nicht das erste moderne Prosagedicht, das dort landen würde. ich probiere mich halt in dem neuen Stil aus, da kann auch mal was faillieren.

Was ich sagen wollte, ist mir klar, aber wenn es nicht beim Leser ankommt, bei dem ich von empathischem Lesen meiner Werke ausgehen muss, dann ist das Werk handwerklich einfach nicht gut gemacht.

Es ist natürlich nach euren Hinweisen nun schon schwer, sich als Leser noch auf eine andere "Denke" zum Werk einzulassen, aber mal sehen, was noch kommt.

Danke für eure ehrliche Meinung und LG von Koko
Kokochanel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.08.2017, 14:11   #9
Erich Kykal
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Hi Koko!

Die neue Fassung finde ich WESENTLICH gelungener! Auf der dunklen Haut wird nicht herumgeritten, das taucht nur einmal wie beiläufig auf und wirkt nicht penetrant oder gar rassistisch, denn jeder weiß, dass es Verbrechen in allen Hautfarben gibt, ebenso wie gute Menschen! Und jetzt wird auch klarer, dass auch das Verbrechen sich im sozialen Kontext relativiert - es kommt zwar immer noch für mich eher sozialkritisch als vergleichend/versöhnend rüber, aber jetzt ist man als Leser eher geneigt, dem staatlichen Versagen die Verantwortung zu unterstellen - wo sie ja hingehört: Denn wenn dieser ordentlich für Flüchtlinge und Arbeitslose auch unterster Schichten sorgen würde, müssten viele nicht auf diese Art Kriminalität ausweichen, was auch den mafiösen Strukturen internationaler Banden (derzeit aus dem Osten) abträglich wäre.

Detail am Rande: Zuerst dachte ich, diese Kleindealer hätten sich als Rosenverkäufer getarnt ("vor Rosen" - also vor deren Verkauf, meinte ich) - das war ein so starkes Bild für mich, der ich damals, als ich noch ausging, penetrant von solchen Rosendealern - bei uns damals meist Inder (siehe "dunkelhäutig") - belästigt wurde ("Wolle Rohse kaufe?"), dass ich an eine Situation im PARK gar nicht mehr dachte!

LG, eKy
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Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Geändert von Erich Kykal (14.08.2017 um 10:36 Uhr)
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.08.2017, 09:27   #10
Kokochanel
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ja, lieber Erich, mag sein, dass es nun klarer wird, aber ich denke, so richtig zufrieden bin ich nicht. Ich werde es, denke ich, in die Tonne kloppen.
Gehört nicht zu den Werken, an denen ich besonders hänge...
Dnake und lG von Koko
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