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Der Tag beginnt mit Spaß Humor und Übermut

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Alt 07.05.2017, 15:13   #1
AAAAAZ
Wortgespielin
 
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Standard Auf ein Glaserl

Wir sind zwei Schwebeteilchen
in einem Glaserl Wein.
Ich frage mich ein Weilchen,
wie komm ich da nur rein?

Dann frage ich mich weiter,
wie komm ich wieder raus?
Doch du scheinst angeheitert
und trinkst das Glaserl aus.

Du schwebst auf Wolke sieben,
und ich bin stumm und still.
Willst mich dort ewig lieben,
fragst nicht mal, ob ich will.

Dann nehm ich noch ein Gläschen,
und denke grübelnd nach.
Beim Schlafen machst du Bläschen,
mich hält das lange wach.

Getier im Fischebecken,
eins silbrig, eins aus Gold,
du schnarchst und musst dich strecken,
das hab ich nie gewollt.

Wir sind die Schwebeteilchen
und träumen durch die Welt.
Du träumst vom Feld mit Veilchen,
und ich vom Minenfeld.

Geändert von AAAAAZ (11.05.2017 um 18:19 Uhr) Grund: Mondmanns und Erich Kykals Korrekturvorschläge
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Alt 07.05.2017, 18:02   #2
Falderwald
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Hallo AZ,

das ist kurz, knackig und süffig süffisant, lecker...

Das Problem solcher Schwebeteilchen ist, dass sie sehr leicht und somit den Wellenbewegungen in flüssigen oder gasförmigen Aggregatzuständen ziemlich machtlos ausgesetzt sind, es treibt sie mal hier hin und es treibt sie mal dort hin.
Das ist wie mit der Liebe, irgendwie unfassbar aber doch vorhanden oder auch nicht, je nachdem was einem so en passant entgegen geschwebt kommt.

Wer sich allerdings überreichlich des Weines bedient, lässt auch manche Gelegenheit vorüberrauschen.

Die Protagonistin jedenfalls konnte sich elegant und überlegen aus der Affäre ziehen, jedoch muss sie weiter träumen.

Mit mir wäre ihr das nicht passiert, denn ich gehöre nicht zu den Weingenießern und könnte mich somit immer auf das Wesentliche konzentrieren, wenn nötig auch Träume erfüllen...


Sehr schöner Text, habe mich gut amüsiert und dementsprechend gern gelesen und kommentiert...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald


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Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)


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Alt 08.05.2017, 17:23   #3
Erich Kykal
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Hi AAAAAZ! (Müssen das unbedingt 5 "A"s sein?)

Guter Text. Grundsätzlich. Aber:

S3Z3 und S6Z3 beginnen nach Punkt groß.


Zum Inhalt:

Seh ich das richtig? Eins der Schwebeteilchen in einem Glas Wein trinkt das Glas aus - und "schwebt" danach immer noch? Wenn - dann worin?

Rein volumensmäßig müsste das eine Teilchen dann das Glas ausfüllen wie eine extrem geschwollene Zecke und das andere Teilchen quasi an die Glaswand pinnen.

Gut - soll sein. Weiter:

Das andere Teilchen nimmt jetzt ein weiteres Glas Wein (ja was denn - "zur Hand"?). Und wie, wenn es doch an die Glaswand geklatscht ist?

Sind nun beide Teilchen wieder im Wein am Schweben, und das eine macht beim Schlafen Bläschen? Nebenbei gefragt: Was würde aus dem ersten Glas, in dem die Teilchen ursprünglich waren? Kam das mit ins zweite Glas Wein?


Anders gefragt:

Wann genau gehst du vom "Schwebeteilchen"-Bild zur den realen Personen über - und wann wieder zurück zum Schwebeteilchenvergleich?
Beim Lesen falle ich nämlich mehrmals aus dem roten Faden, weil die Protagonisten für ihre zuletzt behauptete Gestalt etwas völlig Unmögliches machen! Da solltest du exakter definieren, wo der Vergleich endet und das echte Leben tobt!

Oder du gestaltest die Vergleichsbilder so, dass sie logisch nachvollziehbar bleiben. Ein Schwebeteilchen KANN kein ganzes Glas austrinken, in dem es schwebt, und danach würde es nicht mehr schweben. Das kann nur die Person, die zuvor mit diesem Schwebeteilchen verglichen wurde. Diese Person wiederum kann nicht ohne Erklärung plötzlich wieder zum Schwebeteilchen in einem ANDEREN Glas werden.

Fazit: Das Setup in diesem Gedicht wechselt so chaotisch, dass es dadurch leider sehr an Wirkung verliert. Die Conclusio allerdings ist gelungen!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.
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Alt 09.05.2017, 01:14   #4
AAAAAZ
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Lieber Falderwald,

Danke für die Kommentierung meines Textes, dem du bei nüchterner Betrachtung ein Stückchen Komik abgewinnen konntest. Lieben Gruß, AZ


Lieber Eky,

du kannst Fragen stellen, vermutlich sogar nüchtern! Ich z.B. war meinerseits sturztrunken, als ich diese Zeilen verfasst hatte. Wie um himmelswillen soll ich dir da genau den chronologischen Aggregatzustand einer geschwollenen Zecke erklären?

Anders gefragt:

Ist ein Logikhochleistungsgehirn für Sonette und wohlfeiles Wortgeschmiede für die Aufnahme derart trashigen und flachen Unsinns überhaupt geschaffen? Der Barockmalermeister hätte einem Piccasso vermutlich erst einmal die Kontinuität einer realen Form erklären, und die Flötentöne beibringen wollen. Eine reale Person sieht einfach anders aus, Punkt. Schön, dass ich dennoch in der Conclusio bei dir punkten konnte. ( Natürlich wollte ich mich damit nicht mit Piccasso vergleichen).

Danke für die orthographischen Korrekturen.

Lieben Gruß, AZ
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Alt 09.05.2017, 18:37   #5
Falderwald
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Hi AZ,

ja, ich habe das sicherlich nüchtern betrachtet, aber selbstverständlich kann ich aufgrund eigener Erfahrungen nachvollziehen, wie sich das anfühlt.

Ich hatte den Text auch als "Trash" eingestuft und somit nicht jede Einzelheit hinterfragt. Das muss man auch nicht, denn wenn man das im Gesamtzusammenhang betrachtet, kann man der eigenen Fantasie freien Lauf lassen und da muss nicht alles logisch sein.

Der Text hatte mich angesprochen, weil er eben locker und leicht bis zur Süffisanz reichte und auch bestimmte Grenzen nicht überschritten hat. Es sind teilweise nur Andeutungen vorhanden, bei denen sich jeder Leser eben eigene Gedanken machen kann.

Der Text ist m. E. sowohl eine kleine Sozialstudie, als auch ein "Gefühlsding" bis hin zur angedeuteten Erotik.

Mir hat er gefallen, schön durchgeknallt, aber eben gekonnt durchgeknallt...


Liebe Grüße

Falderwald


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Alt 09.05.2017, 20:52   #6
Erich Kykal
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Vielleicht wäre es angeraten, eine eigene Rubrik für und namens "Trash" einzuführen, damit man nicht versehentlich etwas liest und es mit ernst gemeinter Dichtkunst verwechselt ...

eKy (leicht säuerlich)
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Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.05.2017, 22:39   #7
AAAAAZ
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Lieber angesäuerter Eky,

eine ähnliches Positionierungsgeplänkel hatten wir hier zwar schon einmal, aber egal, nochmal.
Dein sicherlich hohes Empfinden für ernstgemeinte Poesie wollte ich nicht beleidigt haben oder in Abrede stellen. Dein Können spricht für sich. Und wenn ich deine Werke betrachte, so weiß ich auch zu schätzen, dass du eine recht konkrete und konservative Wertvorstellung von ernstgemeinter Poesie vertrittst und lebst. Was sich gut reimen tut ist gut, und wenns ein Rilke sein könnte ist's noch besser und Rilke ist am besten und was anderes magst du auch gar nicht so gerne lesen. Ich hoffe es damit auf den Punkt gebracht zu haben.
Ein leichter, verspielter Humor, Nonsence, Rap, Dada, freie Verse etc, finden in deiner Welt für ernstgemeinte Poesie wohl kaum Platz, noch nicht einmal in der Sparte für Humor. Da müsste also mal eine Rubrik für Trash eingerichtet werden, in welcher der Müll abgelegt werden kann, um ihn von der ernst gemeinten Poesie zu trennen, damit man es nicht versehentlich verwechselt, meinst du, nun denn.
Darin zu finden wären dann z.B. sicherlich auch die eindrucksvollen Gedichtskollagen der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, welche prägnante Wörter aus Zeitungen zu kleinen Trouvailles zusammengesetzt hatte. Für deren tiefere Bedeutung und Assoziationsanstöße jedoch andere Antennen ausgefahren werden müssten. Und um ernsthaft hinter ihre unerwarteten neuen Sprachfiguren und Bilderwelten zu gelangen, müsstest du deine Messlatte kurz mal in die Ecke stellen. Sie reicht allenfalls für ein ordentliches Unverständnis, einen verärgerten Verriss oder gar einen angesäuerten Nasenrunzler, warum auch immer. Es ist halt eine Ekys Messlatte, und aus deinen engen Vorstellungen machst du ja auch keinen hehl, und das sei dir auch unbenommen.
Paradoxerweise lassen deine Gedichte für mich oft Rückschlüsse auf eine weitaus offenere Les- und Denkart zu, als es deine Kommentare zuweilen zu erkennen geben.
Ich kenne auch keinen Poeten, der etwas versehentlich verwechselt. Und was wäre dann, wenn das verwechelt worden wäre? Ernstgemeinte Poesie verwechselt mit Trash? Oh Gott, oh Gott! , was für ein guter, gehaltvoller Trash muss das sein.
Danke für deine engagierte Rückmeldung und lieben Gruß in die Welt der Berge, Az

Geändert von AAAAAZ (09.05.2017 um 23:21 Uhr)
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Alt 11.05.2017, 18:12   #8
Mondmann
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Zitat:
Zitat von AAAAAZ Beitrag anzeigen
Wir sind zwei Schwebeteilchen
in einem Glaserl Wein.
Ich frage mich ein Weilchen,
wie komm ich da nur rein?

Dann frage ich mich weiter,
wie komm ich wieder raus?
Doch du scheinst angeheitert
und trinkst das Glaserl aus.

Schwebst nun auf Wolke sieben,
und ich bin stumm und still.
Willst mich dort ewig lieben,
fragst nicht mal, ob ich will.

Dann nehm ich noch ein Gläschen,
und denke grübelnd nach.
Beim Schlafen machst du Bläschen,
mich hält das lange wach.

Zwei Fisch' im Fischebecken,
eins silbrig, eins aus Gold,
du schnarchst und musst dich strecken,
das hab ich nie gewollt.

Wir sind die Schwebeteilchen
und träumen durch die Welt.
Du träumst vom Feld mit Veilchen,
und ich vom Minenfeld.


Liebe AAAAAZ,
die ersten beiden Strophen sind flüssig und da dachte ich noch, na ja, ist mal vom Inhalt her was anderes und gar nicht schlecht.

Schwebst nun auf Wolke sieben,
"Schwebst" hat 'ne starke Eigenbetonung.

Zwei Fisch ?
Getier im Fischebecken ?


Das Werk muss nicht in den Schredder!
Warum haste 5 A?
Vielleicht gibt es ja ein Forum, wo man statt einer gelben Strafkarte für Unsinn schreiben einen Buchstaben weggenommen bekommt?


LG MMMMMMMondmann!
Mondmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2017, 18:34   #9
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Lieber MMMMMondmann,

ich habe mal ganz groß mit 25 A's in einem Forum für Unsinn angefangen. Und als ich dort absolut nicht mehr tragbar war, habe mich systematisch auf diese Insel heruntergearbeitet und verkrochen. Für deinen blöden Kom kriegste natürlich gleich zwei M' s abgezogen.
Danke für dein Getier & lieben Gruß, AZ
AAAAAZ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2017, 20:58   #10
Falderwald
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Servus Erich,

wir werden hier sicherlich nicht noch eine Rubrik einführen.

Dieser Text steht hier schon ganz richtig, denn ich persönlich glaube, dass die Autorin diesen selbst nicht so ganz ernst gemeint hat.

Und wenn ich sehe, was hier andere teilweise in diese Rubrik eingestellt haben (es sind ja nicht nur Plotzns unterwegs), dann ist dieser hier ganz sicherlich noch Gold dagegen.

Und noch etwas. Ich versuche mich schon seit einiger Zeit ziemlich erfolglos an einem ordentlichen Trashgedicht. Es ist mir bis heute nicht gelungen, deswegen weiß ich auch, dass das gar nicht so einfach ist, wie man sich das im Allgemeinen vielleicht vorstellen mag.

Hier mal ein kleines Beispiel:
Zitat:
Mandelkerngedicht

Zwischen Akten, dunklen Wänden
bannt mich Freiheitbegehrenden
nun des Lebens strenge Pflicht,
und aus Schränken, Aktenschichten
lachen mir die beleidigten
Musen in das Amtsgesicht.

Als an Lenz und Morgenröte
noch das Herz sich erlabete,
o du stilles heitres Glück!
Wie ich auch nun heiß mich sehne.
Ach, aus dieser Sandebene
führt kein Weg dahin zurück.

Als der letzte Balkentreter
steh‘ ich armer Enterbeter
in des Staates Symphonie,
ach, in diesem Schwall von Tönen
wo fänd ich da des eigenen
Herzens süße Melodie?

Ein Gedicht soll ich euch spenden:
Nun, so geht mit dem Leidenden
nicht so strenge ins Gericht!
Nehmt den Willen für Gewährung.,
kühnen Reim für Begeisterung,
diesen Unsinn als Gedicht !
Jetzt darfst du mal raten, wer das geschrieben hat.
Denn das war kein Geringerer als Joseph von Eichendorff.

Und wenn ich mir Christian Morgenstern anschaue, dann finde ich da ebenfalls eine ganze Menge "Trashgedichte" und zwar sehr gekonnt und explizit.

Die haben also ihren festen Platz in der Lyrik...


Liebe Grüße

Falderwald


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