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Die Sommervögel Arbeitsgruppe (Chavali, Falderwald, Lailany, Nachteule und Sidgrani)

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Alt 30.08.2015, 13:11   #1
Die Sommervögel
Arbeitsgruppe
 
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Standard Sestinen

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Falderwald: Der letzte Traum

Nachteule: Lottoscheinwelt




Die neuste Aufgabe der Sommervögel ist diesmal die Sestine.
Die Sestine besteht aus 6 Strophen a 6 Verse, gefolgt von einer 3-versigen Strophe. Hierbei ist zu beachten, dass an Stelle der Endreime sich wiederholdende Worte stehen, weswegen die Gedichtform reimlos ist. Die 6 am Ende stehenden Wörter werden nach einem bestimmten Schema wiederholt. (s.u.) In der Schlussstrophe werden je Vers 2 Wörter wiederholt. Da sich aber im Laufe der Zeit diverse Formen für die Schlussstrophe entwickelt haben, wurden die genaue Aufteilung bei der Aufgabenstellung freigelassen. Die Darstellung der Schlussstrophen sind lediglich als Beispiele zu verstehen.
Das Versmaß ist der 5-hebige Jambus.
Das Gedicht wird spannender, wenn die Worte am Ende des Verses mit diversen Vorsilben kombiniert werden. Dies ist aber nicht unbedingt notwendig.
Die Tauschschemata, die sich in der Vergangenheit herausgebildet haben, sehen aus wie folgt:

Das Endwort des letzten Verses bildet das Endwort des ersten Verses der nächsten Strophe. Der Rest folgt wie zuvor, die Schlussstrophe besteht aus den abwechselnd aus dem ersten und letzten, noch nicht verwendeten Endwort der ersten Strophe:
1.Strophe:
1 2 3 4 5 6
2. Strophe
6 1 2 3 4 5
3. Strophe
5 6 1 2 3 4
4. Strophe
4 5 6 1 2 3
5. Strophe
3 4 5 6 1 2
6. Strophe
2 3 4 5 6 1

Schlussstrophe
1, 6/5, 4/3, 2

Das zweite Schema sieht vor, dass das letzte Endwort der Vorstrophe das erste wird, das erste das zweite, das zweitletzte an die dritte Stelle tritt, das zweite an die vierte, das drittletzte an die fünfte und das dritte an die letzte Stelle. Hier sind die Endwörter in der Schlussstrophe in der Reihenfolge der ersten Strophe angeordnet. Die Veränderung der Endwörter sieht wie folgt aus:

letzte
erste
zweitletzte
zweite
drittletzte
dritte

Das Schema der gesamten Vertauschung wie folgt:

1. Strophe:
1 2 3 4 5 6
2. Strophe:
6 1 5 2 4 3
3. Strophe:
3 6 4 1 2 5
4. Strophe:
5 3 2 6 1 4
5. Strophe:
4 5 1 3 6 2
6. Strophe:
2 4 6 5 3 1

Schlussstrophe:
1, 2/3, 4/5, 6

Beispiel:

Georg Rudolf Weckherlin (1599-1653)

Sestine (Sechster oder Stände)
über den Tod von Myrta, Weckherlins erster Frau

1 Ach weh! so überschwer ist numehr mein verdruß
2 so gar ohn liecht und trost ist meines herzens nacht,
3 und mit so stetem lauf vergieß ich meine thränen,
4 daß sinkend tiefer stets in meinem zeherfluß
5 durch meines schweren leids und finstern leidens macht
6 nichts dan der tod allein kan und muß alles krönen.

6 Demnach der schnöde tod mich leider kont entkrönen,
1 so lieb ich nichts dan leid und will nichts dan verdruß:
5 ja daß die ganze welt seh meines schmerzens macht,
2 so haß ich alle ruh und lauf um tag und nacht,
4 dan in den dicken wald und dan zu einem fluß,
3 welchen ich bald vermehr mit regenreichen thränen.

3 Befind ich mich dan schier erdrunken in den thränen,
6 und daß ein kurzer schlaf will meine augen krönen,
4 dazu dan ihr getös verleihen wald und fluß,
1 so stillet er doch nicht mein elend und verdruß,
2 sondern durch den betrug der thränen und der nacht
5 verbittert er noch mehr stracks meines schmerzens macht.

5 Daher empfindlicher wird meiner trübsal macht,
3 die zwar befürdern wolt durch den sturm meiner thränen
2 mein unentfliehlichen schifbruch in finstrer nacht
6 doch kan mich mein unglück noch mit dem tod nicht krönen,
1 weil ein und andrer freind geflissen, ohn verdruß
4 mit aller kunst und gunst wolt drücknen des leids fluß.

4 Wan ich alsdan bedenk der freuden überfluß,
5 wan ich zu herzen führ der schönsten schönheit macht,
1 den lieblichen lusts zwang, süßsauren liebverdruß
3 und den saursüßen glimpf der lächelnd schönen thränen,
6 wan prächtig Amor mich mit Myrten pflag zu krönen,
2 daß ich, ach daß ich war glückselig tag und nacht:

2 Ach, daß ich (sprich ich dan) in ewiger traurnacht
4 noch mehr auch drinken möcht aus der vergessung fluß
6 und meiner lieb verlust mit mehrerm verlust krönen!
5 ach, wär doch numehr gleich des leids kraft der lieb macht!
3 ach, wär doch numehr voll das wilde meer der thränen,
1 die unerschöpflich nu vergießet mein verdruß!

1+2 Alsdan solt mein verdruß mich bald nach dieser nacht
4+3 aus der lieb überfluß widrum mit freudenthränen
5+6 durch des tods kurze macht mit Myrten ewig krönen.
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