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Ein neuer Morgen Fröhliches und Hoffnungen

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Alt 29.04.2017, 19:58   #1
Kokochanel
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Standard Was bleibt (Trippel-Triolet)

xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Geändert von Kokochanel (09.01.2018 um 20:48 Uhr)
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Alt 30.04.2017, 09:12   #2
Thomas
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Liebe Koko,

deine Tochter und das Enkelchen sind sicher stolz auf dich. Eine derart schwierige Form, welche für den Wunsch des "Verwoben"-seins so passend ist, welche das Wort "verwoben" auch noch als Reimwort enthält und trotzdem nicht konstruiert klingt, das ist eine erstaunliche Leistung. Chapeau!

Eine einzige Anmerkung habe ich, das "ins Herz geschoben" in der letzten Strophe klingt mir etwas technisch und erzeugt mir das unschöne Bild einer Schublade. Vielleicht könnte man statt "Sie ruhen, tief ins Herz geschoben," sagen "Sie sind im Herzen aufgehoben," oder ähnlich. Das aufgehoben würde meiner Meinung nach auch gut zu "enthoben" davor passen.


Liebe Grüße
Thomas
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© Ralf Schauerhammer

Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller
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Alt 30.04.2017, 10:08   #3
fee_reloaded
heimkehrerin
 
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Oh, das ist sehr schön, liebe Koko!

Schon die erste (wunderschöne!) Zeile macht neugierig und zieht beim Lesen in den Bann und durch die für das Triolett charakteristischen Wiederholungen wird die Botschaft immens verstärkt - wie Thomas schon so schön treffend gesagt hat: du verwebst Form und Inhalt zu einem tief wirkenden Ganzen. Das beeindruckt mich auch sehr!

Überhaupt ist die erste Strophe so voll Zauber (auch sprachlich), dass man schon merkt: es geht hier um verzauberte Zeit, die man halten und nie mehr loslassen möchte. Und das tun die Wiederholungen des Trioletts auch: sie halten ganz innig an dem fest, was in (viel zu) wenigen Tagen an Magischem, Unwiederbringlichem und Wertvollem ge- und erlebt wurde. Das finde ich sehr berührend!

Meine Lieblingszeilen (auch oder vor allem weil ich mich darin sehr wiederfinde):

Zitat:
Ein Innehalten, dass man sähe.
Ein Atemholen zu genesen.
Paar Tage fühlten wir die Nähe.
wie damals, als du Kind gewesen.
Danke dafür!

Sehr gerne gelesen!

Lieber Gruß,
fee
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mei inglisch, set is rihli bed, mei pronansjeeschn tuu,
end set is, wei it dreivs mi med tu reim se weh ei du.

schö parl ön pötti pöh frongsseh, meh sa nö süffih pah
a fehr ün poähm elöveh. sölmong komm si komm sa.
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Alt 30.04.2017, 11:04   #4
Kokochanel
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 28.07.2016
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Beiträge: 1.251
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Lieber Thomas, liebe Fee,

es freut mich sehr, dass dieses Gedichtensemble euch so anspricht, denn es war mir ein echtes Bedürfnis, es zu schreiben. Solche Glücksmomente muss man festalten..

Liebe Fee,

mir schien, wie du auch bemerktest, das Triolet hier eine angemessene Form zu sein, da es den Inhalt unterstützt. Es freut mich, dass du das bemerkt hast.
Es ist schön, dass du dich in den Zeilen wiederfinden kannst - wir hatten ja in deinem Werk auch das Thema "Abnabelung". Wenn man es richtig macht, dann kommen die Kinder "zurück", nachdem sie ihren Freiheitsdrang befriedigt haben
und als großes Glück wid alles wieder "wie vorher", nur auf gleichgeschalteter Ebene und nicht mehr als Mutter und Kind. Eher als beste Freundin. Der Weg dahin ist lang und gerade auch für die Mutter beschwerlich, da sie sich sehr zurücknehmen muss. Dafür aber wird man hinterher reich entlohnt. Ich denke, das wird es sein, was dich so sehr ansprach. Es schwingt ja im Werk mit.

Lieber Thomas,

ich antowrte dir als Zweitem, weil du ja auch einen handwerklichen Vorschlag hattest. Ich denke, bei allen "Wiederholungsgenres" wie Sestine, Triolet, Pantun und Rondeau muss man als Dichtender höllisch aufpassen, dass man nicht in Banalität verfällt. Ich habe, als ich begann, Triolete zu schreiben, auch welche namhafter Dichter gelesen und empfand sie teilweise als sehr simpel.
Die Form gefiel mir aber, weil sie nicht so lang wie eine Sestine ist, bei der man schnell ins Gähnen kommt- auch als Schreiber.. Darum habe ich für mich, ähnlich wie bei der Ghasele damals, eine "Sonderform" kreiert, Doppel-oder Trippel-Triolette, wodurch man mehr Inhalt und Tiefe geben kann. Es freut mich, dass dir das so gut gefällt und ich danke dir fürs "Chapeau".

Deinen Vorschlag finde ich nicht schlecht. Gut aufgehoben wäre eine schöne Korrespondierung mit enthoben. Das stimmt. So ist es ja auch gedacht. Allerdings hätten wir dann zwei Mal hoben... was mich nicht so begeistert. Aber spielen wir es mal durch. Ds "sind" ist mir eigentlich zu einfach.

Sie ruhen, tief ins Herz geschoben,
auf dass der Alltag leichter werde.

Um in der Metrik zu bleiben, müsste ich ruhen verkürzen:
Sie ruhn, im Herzen aufgehoben

oder man verbindet es mit der Vorzeile, was mir nicht schlecht gefällt, da dieses dadurch nicht nur den Wiederholungcharakter bekäme, sondern auch noch zeilenübergreifend stehen würde. Dann müsste ich die Interpunktion ändern - ich könnte es auch mit Partizip machen, schau:


Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde,
als wären Dunklem sie enthoben.
Die Tage bleiben uns verwoben,
im Herzen ruhend aufgehoben,

auf dass der Alltag leichter werde.
Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde.


Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde,
als wären Dunklem sie enthoben.
Die Tage bleiben uns verwoben,
sie ruhn, im Herzen aufgehoben,


sind tief im Herzen aufgehoben

hier fehlt aber eigentlich dann das "gut aufgehoben", denn ansonsten könnte man auch das Gegenteil herauslesen, etwas aufheben, also nivellieren, zunichte machen.

auf dass der Alltag leichter werde.
Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde.


Ob mir das aber besser gefällt, hm... Vielleicht sagt ja noch jemand etwas dazu.
LG und danke für deine Gedanken dazu.

LG von Koko

Geändert von Kokochanel (30.04.2017 um 11:09 Uhr)
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Alt 30.04.2017, 11:36   #5
Thomas
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Benutzerbild von Thomas
 
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Liebe Koko,

ja, wenn man erst einmal anfängt...

Ich finde:

Die Tage bleiben uns verwoben,
im Herzen ruhend aufgehoben,

eigentlich recht gut.

Das doppelte "hoben" ist in einem Gedicht, welches sogar ganze Zeilen wiederholt, kein Problem.

Liebe Grüße
Thomas
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Alt 30.04.2017, 15:17   #6
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Koko!

Auch ich habe dies sehr gern gelesen! Die Wiederholungen sind phonetisch so harmomisch gesponnen, dass sie gar nicht unangenehm wirken, so als hätten sie jedes Recht, durch Wiederholung hervorgehoben zu werden.

S2Z7 - Der Punkt am Ende muss weg.

Die Satzzeichen in S3 würde ich so setzen:

Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde,
als wären Dunklem sie enthoben.
Die Tage bleiben uns verwoben,
sind gut im Herzen aufgehoben,
auf dass der Alltag leichter werde.
Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde.


Zudem möchte ich dir eine weitere - wie ich finde optimal auch inhaltlich angepasste - Option für die "Herzenszeile" vorschlagen, wie du oben lesen kannst. So wäre sie zugleich flüssig zu lesen und klar wie eindeutig verständlich.

Sehr gern gelesen!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
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Alt 01.05.2017, 00:16   #7
mallarme
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Liebe Koko,
schön das Du wieder da bist und gleich etwas schönes mitgebracht hast.

War also schön das kurze Innehalten, außerhalb des Laufrads dieser Welt .

Mir hats Spaß gemach Dein neues Werk, merkt man doch gleich wie erholsam
es war. Für mich stimmt die Metrik .

Beste Grüße
mallarme
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Alt 02.05.2017, 10:30   #8
Kokochanel
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Liebe Mall,

ich danke dir für deine Anerkennung und freue mich darüber. Die Metrik hatte, denke ich, keiner bemängelt, GG, es gong nur um das Verb schieben oder heben...

Lieber Thomas, lieber Erich,

wie wäre es mit:

Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde,
als wären Dunklem sie enthoben
- die Tage bleiben uns verwoben,
im Herzen zärtlich aufgehoben,
auf dass der Alltag leichter werde.
Die Tage bleiben uns verwoben
im großen Laufrad dieser Erde.


So könnte ich es mir als Verbesserung vorstellen, mich stört das verb "sein", den ihr im Vorschlag bringt. Es ist mir an der Stelle zu einfach...

LG und danke von Koko
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Alt 03.05.2017, 05:06   #9
Lailany
Kiwifrüchtchen
 
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Liebe Koko,
jetzt komme ich auch noch angetrabt mit meinem Senf...
Gleich zur Sache:
Ich hatte es, kurz nachdem du gepostet hast, schon gelesen und am "geschoben" rieb ich mich sofort, hatte aber keine Zeit zum Kommentieren.
Mittlerweile war Thomas hier und hat meine Gedanken zu dieser Stelle fast wortgetreu ausgesprochen.
Drum meine ich, dass deine Verbesserung dem Text gut getan hat... allein das Wort "zärtlich" ist mM nach keine glückliche Wahl. Man kann etwas zärtlich in die Hand nehmen... beiseite legen... ansehen... liebkosen... aufheben (im Sinne von aufklauben) uvm.
Zärtlich aufgehoben im Sinne von aufbewahren jedoch geht sinngemäß für mich nicht zusammen.
Was hältst du von "im Herzen sorgsam aufgehoben" ? Auch klanglich fügt es sich angenehmer und weicher ein... zumindest meiner Empfindung nach.

Nach all der Erbsenrumrollerei darf ich nicht verabsäumen, ein großes Lob hierzulassen.
Ein sehr gelungener Text, der trefflich die beschaulich glückliche Stimmung wiedergibt.

Ein extra gibts fürs Handwerkliche. Du hast diese Strophenform überaus ansprechend präsentiert. Die Wiederholungen sind nicht überhaupt nicht dröge, ganz im Gegenteil... Eky hats trefflich formuliert: Sie sind so geschickt eingearbeitet, dass sie einfach sein müssen.


Fein gebastelt, Daumen hoch!

LG von Lai
__________________
.................................................. ...........................................
"Manchmal ist es so demütigend, ein Mensch sein zu müssen..." Erich Kykal

Geändert von Lailany (03.05.2017 um 05:55 Uhr)
Lailany ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2017, 14:16   #10
Kokochanel
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Ort: NRW
Beiträge: 1.251
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dein Senf kommt mir sehr gelegen, liebe Lai , paart er sich doch mit einem dicken Lob. Danke schön.
Genau das isses! "Sorgsam sagt mehr aus und passt besser.
Ich habe es schon abgeändert.
Klar kann man das alles als "Erbsenzählerei" sehen, ich aber freue mich darüber, man kann etwas, was gut ist, manchmal noch einen Tick besser machen.
Diese Zeile war eine Schwachstelle. Danke für euer Engagement, sie dem Niveau des restlichen Werkes anzupassen, Thomas, Erich, Lai.

Jetzt ist es perfekt.
LG an alle von Koko
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