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Sonnenbegierde
Nun sieh, wie hinter dunkelblauem Tuche
verstohlen rotorange Lichter glühen. Wie Sonnenfunken sich versteckt bemühen, mit Wärme Menschen zu begleiten. Suche nach endlicher Erlösung, die die Morgen samt ausgeschlafnen Lichtern mit sich bringen, die leis dem Erdball Freiheitslieder singen, beendend mondesfinstrer Nächte Sorgen. Und schau, wie Farbenspiele uns begleiten, die Wolkenformen wie mit Feuer nähren, und unsre Fantasie mit Flammen wärmen. Wie uns die Strahlen auf den Wegen leiten und unser wärmedürstendes Begehren behüten und mit sanftem Griff umschwärmen. |
Hi, Jana!
Anderswo bereits - und gerne - gelobt!:D Ein schönes Sonett zum Einstand hier! LG, eKy |
Hi eKy,
du hier? Das ist toll. :D Ich freue mich, danke für Deinen Kommentar, Jana :) |
Hallo Jana,
das ist ein beeindruckendes Gedicht. Vor allem, wenn man dein Alter betrachtet, zu solch Glanztat wär ich damals wohl nicht im Stande gewesen. Respekt. Einzig mondesfinstrer sehe ich als ungünstig gewählt. Der Mond erhellt höchstens die Nacht. Da muss was andres her um das es finster wird. Schattenfinstrer, abgrunddunkler/abgrundfinstrer, grabesfinstrer, schlummerschwarzer oder oder oder Da fällt dir, wenn Du überhaupt ändern magst, bestimmt selbst noch einiges ein. Oder man ändert es anders rum, sprich: monddurchglänzter Nächte, mondesheller Nächte was aber nicht so recht passt das Du ja sicherlich die Nacht möglichst dunkel zu Bilde bringen willst. Mit großer Freude gelesen und kommentiert. Herzliche Grüße, Terrapin. |
Liebe Jana,
wenn ich dein Gedicht lese, kann ich kaum glauben, dass du erst14 Jahre bist und werde mit einfach dir so reden, als seist du schon ein alter Knacker wie ich. Das Sonett gefällt mir sehr gut, es zeugt von poetischer Denkweise und Sprachgefühl, man merkt auch, dass du Musik liebst. Es gibt zwei Zeilen, an denen man meiner Meinung nach vielleicht noch etwas verbessern kann. Eine ist die Zeile: "beendend mondesfinstrer Nächte Sorgen." Wobei es wahrscheinlich nicht an dem Wort "mondesfinster" liegt, welche Terrapin anmahnt, denn in Verbindung mit "Sorgen" ist mir schon klar, dass nicht dem Mond finster ist, sondern die Sorgen in der Mondnacht. Aber mit dem "beendend" zusammen passt der Stil dieser Zeile nicht ganz zur natürlichen Ausdrucksweise des Restes. Vielleich könnte man die aktive Handlung der Morgen (die ja Lichter mit sich bringen) fortführen, indem man sagt: "um zu beenden finstrer Nächte Sorgen." Die zweite Zeile, die ich meine, ist die Schlusszeile, wo mir das Bild des mit "Griff umschwärmen" etwas schief scheint. Jedenfalls verstehe ich nicht ganz, was du damit sagen willst. Die Strahlen leiten und behüten und umschwärmen unser nach Wärme dürstendes Begehren. Vielleicht könnte man andeuten, dass das Begehren erfüllt wird, bzw. eine Richtung gegeben wird (zu "leiten" passend), indem man sagt: "Behüten und verheißungsvoll umschwärmen." Das sind nur Vorschläge, um zu verdeutlichen, was ich meine. Vielleich sind sie ganz schlecht, weil ich nicht verstanden habe, was du genau sagen wolltest. Liebe Grüße Thomas P.S.: ich finde es gut, dass du dich in solchen "alten" Formen versuchst, denn der freie Vers ist, wenn man ihn gut machen will, schwer und setzt die Beherrschung dieser "alten" Formen voraus. |
Hallo Terrapin,
danke für Dein Lob. mondesfinstrer - diese Stelle bereitet jeglichen Kommentatoren Kopfzerbrechen, und mir, der Dichterin, ebenfalls.:D Bislang habe ich noch kein anderes Wort gefunden, ich suche weiter! Hallo Thomas, danke auch Dir.:) Wie schon gesagt, an dieser Zeile tüftle ich rum. Die zweite von Dir angesprochene Stelle ist auch ein kleines Manko, Sonnenstrahlen haben ja streng genommen keinen "Griff" - naja, schieben wir es, bis mir was besseres einfällt, mal auf die künstlerische Freiheit.:D P.S.: Ich hatte damals die Intention, Metrik zu lernen, um alle Regeln zu brechen. Mittlerweile ist sie mein engster Freund geworden. Liebe Grüße, Jana |
Liebe Jana,
wenn du wüsstes wie sehr mir deine Worte im P.S. zu Herzen gehen und mich erfreuen! (Und wie mich das Brechen von Metrik-"Regeln" nerv, wenn man merkt, dass nicht verstanden ist, was da gebrochen werden soll. Da wird für mich gebrochen zu gekotzt.:eek:) Liebe Grüße Thomas |
Lieber Thomas,
das ist schön.:) Ja, ich verstehe, was Du meinst, aber zu Anfang schrieb ich genauso. Sämtliche Regeln gebrochen, aber keine Ahnung von irgendwas.:D Mein Deutschlehrer findet zwar, dass mein Sonett hier holprig sei, ich bin aber einigermaßen zufrieden. Ob holprig oder nicht.:D Liebe Grüße, Jana |
Hallo Jana,
ich kann mich der Begeisterung und dem Lob nur anschließen. :) Ein sehr, sehr schönes Sonett. Weil aber über "mondesfinstrer Nächte" mit deiner Zustimmung diskutiert wird, will ich nicht unbeteiligt daran vorbeilesen.;) Das Sonett soll und kann durchaus so stehen bleiben. Die Forumsarbeit und der Sinn eines Forums bestehen aber darin, sich auszutauschen. Mit dir macht es Freude. Zitat:
in ausgeschlafnen Lichtern mit sich bringen und leis dem Erdball Freiheitslieder singen; wie sie beenden Finsternis und Sorgen. Es ist aber "unfair" in eine Strophe "einzugreifen" ohne die anderen zu berücksichtigen. Plötzlich sieht man die vielen "wie" und ich habe ein weiteres eingefügt. Manchmal kann ein Gedicht bewusst daraus bestehen. Es schwärmt dahin und wünscht sich alles - wie - . Zitat:
unseren Durst nur stillen und begehren, aus sich heraus behüten und umschwärmen. Jana, ich wollte nicht verändern. Ich habe mich einzig auf deine Sonnenbegierde eingelassen und die meine eingefügt. Wie ich schon oben schrieb: Es soll und kann so stehen bleiben. Das Besprechen hat mir Spaß gemacht. Liebe Grüße Dana |
Liebe Dana,
ich danke Dir für Deinen Kommentar, ich habe mich sehr gefreut. Ich fühle mich geehrt, dass Du dich mit dem Gedicht beschäftigt hast..:) Einen schönen Sonntag! Jana |
Hallo Jana,
zum Inhalt hast du ja schon jede Menge Feedback erhalten und durch Thomas auch Hinweise auf die Stellen, die vielleicht noch einmal überarbeitet werden können. Nachdem ich mir hier alles durchgelesen habe, möchte ich jetzt darauf eingehen: Zitat:
Schauen wir uns das nun mal genauer an: Nun sieh, wie hinter dunkelblauem Tuche verstohlen rotorange Lichter glühen. Wie Sonnenfunken sich versteckt bemühen, mit Wärme Menschen zu begleiten. Suche xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx (alles ok) nach endlicher Erlösung, die die Morgen samt ausgeschlafnen Lichtern mit sich bringen, die leis dem Erdball Freiheitslieder singen, beendend mondesfinstrer Nächte Sorgen. xXxXxXxXxXx * xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx (alles ok) *Vielleicht meint er ja, dass "endlicher Erlösung" metrisch nicht ganz korrekt sei. So verhielte es sich auch, wenn z.B. "endlicher" allein dastünde, dann würde es nämlich Xxx betont. Aber da hier als nächstes Wort "Erlösung" folgt, also ein Begriff, der unbetont beginnt, haben wir hier drei unbetonte Silben hintereinander. Da die deutsche Sprache aber keine drei unbetonten Silben hintereinander kennt, wird in einem solchen Fall die mittlere Silbe in der Betonung etwas angehoben und schon bist du wieder im Jambus. So haben alle deutschen Dichter zu allen zeiten gearbeitet und die mussten es ja eigentlich wissen. Also: "endlicher Erlösung" eigentlich: Xx(x)xXx aber s.o.: XxXxXx Und schau, wie Farbenspiele uns begleiten, die Wolkenformen wie mit Feuer nähren, und unsre Fantasie mit Flammen wärmen. xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx (alles ok) Wie uns die Strahlen auf den Wegen leiten und unser wärmedürstendes Begehren behüten und mit sanftem Griff umschwärmen. xXxXxXxXxXx xXxXxXxXxXx * xXxXxXxXxXx (alles ok) *siehe oben. Hier ist der gleiche Fall gegeben: "wärmedürstendes Begehren" eigentlich: XxXx(x)xXx aber: XxXxXxXx In diesem Fall kann ich also deinem Deutschlehrer nicht zustimmen. Auch ich habe schon so gearbeitet, auch wenn ich möglichst versuche, es zu vermeiden und metrisch eindeutiger arbeite. Aber es geht. :) Ich finde dein Sonett auch sehr schön. :) Gern gelesen und kommentiert...:) Liebe Grüße Bis bald Falderwald |
Lieber Falderwald,
hab Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.:) Ich glaube, dass er den Übergang von S1 zu S2 meint: Suche Xx nach endlicher Erlösung xX.. Da es wegen dem Enjambement sehr eng verbunden ist kann es sein, dass es leicht holprig klingt an der Stelle..:) Liebe Grüße, Jana |
Liebe Jana,
sag deinem Lehrer schöne Grüße von mir, vielleicht kann er in dem folgenden Sonett das Enjambement vom ersten zum zweiten Quartett verbessern, und für die dritte Zeile hat er bestimmt auch Verbesserungsvorschläge, denn scheint sich ja gut auszukennen: Errichtet keinen Denkstein. Lasst die Rose nur jedes Jahr zu seinen Gunsten blühn. Denn Orpheus ist´s. Seine Metamorphose in dem und dem. Wir sollen uns nicht mühn um andre Namen. Ein für alle Male ist´s Orpheus, wenn es singt. Er kommt und geht. Ist´s nicht schon viel, wenn er die Rosenschale um ein paar Tage manchmal übersteht? O wie er schwinden muss, dass ihr´s begrifft! Und wenn ihm selbst auch bangte, dass er schwände. Indem sein Wort das Hiersein übertrifft, ist er schon dort, wohin ihr´s nicht begleitet. Der Leier Gitter zwingt ihm nicht die Hände. Und er gehorcht, indem er überschreitet. Liebe Grüße Thomas P.S.: Du darfst ihm aber nicht verraten, dass das Sonett von Rilke ist, dass verdirbt den Spaß. |
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