Gedichte-Eiland

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Falderwald 27.11.2016 20:16

Nachspiel: 1. Akt
 


Die Luft schmeckt bittersüß nach Blut und Asche,
das Feld in Trümmern, allseits liegen Leichen,
es ist ein Bild des Grauens ohnegleichen,
ein Antileben nach Mephistos Masche.

Ich tränke mit dem Wasser meiner Flasche
ein Tuch, mir droht der Atem zu entweichen,
doch spüre ich des Schicksals Lebenszeichen
schon längst als Freifahrschein in meiner Tasche.

Es gibt die süßen Früchte und die herben
du hast die Qual der Wahl und das berührt dich,
ein falscher Schritt, schon stürzt du ins Verderben.

Ich kenne meine Muse, denn sie führt mich,
sie lässt mein Dichterleben niemals sterben,
und nur der Dichter, der das weiß, der spürt sich.


Falderwald 27.11.2016 20:17

Nachspiel: 2. Akt
 


Magie belebte diesen Totentanz
in einer virtuellen Dichterwelt,
hier steh ich nun als letzter Federheld
und bade mich allein in Ruhm und Glanz.

Es fällt mein Blick mit leichter Arroganz
herabgelassen auf das Trümmerfeld,
die Sterne flechten mir am Himmelszelt
aus goldnen Strahlen einen Ehrenkranz.

Die stolzen Flammen des Triumphes lohen
zu Ehren des Poeten und als Krieger
betrete ich die Halle der Heroen.

Sonette sind der Lyrik Königstiger,
die Kontrahenten sind aus Furcht entflohen,
und darum kröne ich mich nun zum Sieger.


Falderwald 27.11.2016 20:18

Nachspiel: 3. Akt
 


Um meinen Geist entsteht ein reger Reigen,
auf Engelsschwingen wirbeln goldne Zöpfe
beim Sphärentanz der göttlichen Geschöpfe
zum rhytmisch klagenden Gesang von Geigen.

Die Götter rufen mich, um aufzusteigen,
es warten schon die größten Dichterköpfe
auf mich, damit ich Ruhm und Ehre schöpfe,
sie wollen mir den Ort des Glückes zeigen.

Ich könne wählen und es frei entscheiden:
Man nähme auf mich im Poetenhimmel,
um geistig mit der Muse eins zu werden.

Doch bliebe ich beim körperlichen Leiden,
bekäm ich einen harten Lyrikfimmel.
So bleibe ich ein wenig noch auf Erden.


Erich Kykal 27.11.2016 20:39

So nicht! Halt inne, der du selbst in Weihe
dich setzt und mit dem Dichterlorbeer krönst,
denn die Statistik, die du frevelnd schönst,
war niemals eine wert- und meinungsfreie!

Stell brav nur wieder dich in unsre Reihe
der Wortgewaltigen, die du verpönst
mit krausen Worten, die du brünstig stöhnst
im Echo unverdienter Siegesschreie!

Gewetzt die Waffen, immer hoch die Schilde!
Die Arroganz, mit der du dich erhöhtest,
verdient ein klares Wort - und keine Milde!

Wer nicht bescheiden bleibt in seinen Siegen,
verdient sie nicht! Und was du auch erbötest,
für meine Gunst: So wirst du sie nicht kriegen!

Stachel 28.11.2016 14:08

<-- Will auch was Gras
 
Schon wieder wird der scharfe Stahl geschwungen.
Die Schilde recken sich dem Feind entgegen.
Zunächst schien sich das Schlachtgeheul zu legen,
doch keiner fühlt sich hier so recht bezwungen.

Wir hatten alle laut und schön gesungen,
mal listig, mal gekonnt und mal verwegen,
Mal hofften wir, ein Tiefschlag brächte Segen
und mancher hat auch mal mit sich gerungen,

bevor er seiner Formulierung traute
und wägte sie, bevor er damit haute
auf Aug und Ohren seines Kontrahenten.

Und plötzlich wird ein Engelschwingenritt
zum Traumbild des Arena-Absolventen.

Sag: Haste noch was über von dem „Shit“?

Erich Kykal 28.11.2016 20:47

Gar leicht fällt es, den anderen zu richten
im Rudelstechen forscher Kombattanten!
Vielleicht, dass wir zu wenig Gutes sandten -
zum Beispiel: Mal einander beizupflichten!

Wenn hier nur zählt, verbal sich zu vernichten,
und blind für die uns allen anverwandten
Gemeinsamkeiten, die wir nicht bekannten,
auf Seitenhiebe niemals zu verzichten,

die, jeder gegen jeden, ohne Gnade
wir derb verteilen nach Gelegenheiten,
dann bleibt das Fechten eitel - und Scharade!

Wie Gockel auf dem Mist: Gekräh zuhauf,
um als der Größte stolz einherzuschreiten -
vergessend dabei ganz und gar: Worauf!

Stachel 28.11.2016 21:18

Das Spinnentier war nett zu dir. -> Erich #106
 
Du hast ja recht, versuchst du nun zu schlichten,
denn auch mit einer Haut des Elefanten
zermürben uns die eher ungalanten
Gefechte und kein Nebel wird sich lichten,

wenn dauerhaft wir Vers auf Verse schichten,
mit 14 Don Quijotes nebst Rosinanten
und Sancho Panzas als Duell-Garanten
die andern attackieren in Gedichten.

Wer immer einen beißt in dessen Wade,
beweist nur - neben Kleinwuchs - Eitelkeiten.
Für ihn ist grün der Neid und nicht die Jade.

Ein Widerspruch jedoch: Ich leg darauf
viel Wert, ließ einst durch Lobe euch begleiten. (#94, #95)
So sagte ich bereits: Ihr habt es drauf!

Erich Kykal 28.11.2016 22:36

Ein Thema sollte vielmehr her, darüber
wir reüssieren können, debattieren,
anstatt in niederm Streit uns zu verlieren -
die platten Wortgefechte sind mir über!

Sei's Politik, Gesellschaft, was auch immer -
an Meinung Gleiche finden sich gar selten!
Man disputiert, doch lässt einander gelten -
kein Schmollen, Zetern, bockiges Gewimmer!

Was soll es sein, daran wir uns versuchen?
Worüber soll die Runde sich ereifern,
sich streiten oder gar gemeinsam geifern?

Wie wäre es, wenn ich als erster wähle:
Erst teilten Hitler, Stalin sich den Kuchen,
doch dann ... - und heute diese Parallele:

Trump und Putin - Kumpel für immer? Zwei narzisstische Egomanen - kann das auf Dauer gut gehen?

Falderwald 29.11.2016 19:01



Was soll mir das Geplänkel denn noch bringen,
wenn wir uns nicht mehr in die Moppe hauen,
stattdessen nun auf Trump und Putin bauen
und sie in einen Topf mit Hitler zwingen?

Bei Erdowahn und andren Widerlingen
verwandelt sich mein lyrisches Vertrauen
am Abend vorher schon in Morgengrauen,
von Merkel will ich hier erst gar nicht singen.

Die Politik der Welt bringt mich zum Spucken,
ein Bumsverein von finstersten Gestalten,
ich will mich doch nicht an mir selbst verschlucken.

In diesem Faden sollen Schlachten walten,
anstatt nur blöde labernd rumzugucken,
wer hier nicht kämpft, der soll die Klappe halten.


Erich Kykal 29.11.2016 20:08

@ Faldi
 
Das war ja klar: Sobald vernünftig walte
der Menschengeist, sich sinnvoll zu verwenden,
kommt so ein Streithahn her, es zu beenden!
Und wenn ich mich nicht an die Regeln halte,

bin ich der Böse und bin ausgeschlossen!
Wir sollen nur uns auf die Rübe hauen
mit Arrogantem und mit Spottvertrauen,
bis wieder einer geht, der nur verdrossen

von diesem Reigen ist, da ohne Ziele
sein Kreisen währt und ohne ein Entwachsen.
Für Kinder gut sind würdelose Spiele -

der reife Geist verschließt sich ihrem Weben,
denn lange schon entsagt er solchem Flachsen,
um höhere Erfüllung zu erleben!


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