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Mein Baum
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. Das letzte Blatt ist längst schon in den Wind geschlagen, die nackte Krone schützt nur tiefes Himmelsgrau; wie im Versprechen jedem Treiben zu entsagen, stellt er im Filigrangeäst sich jetzt zur Schau. Des Sturmes Gärtner werden ihn noch neu frisieren, Verdorrtes, Schwaches brechen, wie im Jahr zuvor, und er wird stehen bleiben, trotzend dem Erfrieren, geduldig ruhen, harren, bis der Lenz ihm Tor und Türen öffnet, ohne Anspruch und Verlangen. Wie selbstverständlich werden Kräfte freigesetzt und weder Baum noch Jahreszeiten müssen bangen, ob man einander über- oder unterschätzt. Nur Gertrud, losgelöst von Freude und von Trauer, setzt täglich einen taubenblauen Punkt und schaut; dazwischen gurrt sie ein paar Töne, die genauer nicht zu bestimmen sind - mal leise und mal laut. . . |
Liebe Dana, |
Liebe Chavali,
vielen Dank.:) Ja, es ist mein Baum. Er ist groß, schön und ich sehe ihn aus meinem Fenster - eine alte Linde. Die Taube gibt es auch. Nicht in der Regelmäßigkeit, wie im Gedicht "übertrieben" (täglich) - jedoch faszinierend im Gleichmut.;) Sie hockt da nach Landung und fliegt ebenso unaufgeregt weg. Ganz im Gegenteil zu allen anderen Vögeln. (Sie ist immer allein - wer weiß schon, welches Schicksal sie trägt.:confused:) Der Baum aber lebt, blüht und ruht - ich kann es sehen.:) (Vielen Dank noch für den Hinweis auf den Tippelfehler.:o) Liebe Grüße Dana |
Liebe Dana,
das ist wirklich ein wunderschönes Naturgedicht und die Beschreibung eines Baumes im Wandel der Zeiten. Die schon kahle Baumkrone wird in der ersten Strophe wunderschön in Bilder umgesetzt. Ausgezeichnet auch: "Filigrangeäst". In der zweiten Strophe werden Herbstwinde avisiert, die das lose und trockene Geäst herausbrechen und der Winter mit seinem langen kalten Schlaf, der dann übergreifend zur dritten Strophe im Frühling mündet. Und alles das geschieht in friedlicher Koexistenz in einem Zyklus, der sich noch lange fortsetzen kann. Und über den Dingen steht das Täubchen Gertrud im Baum, weil es sie nicht schert und sie für ihr eigenes Überleben sorgen muss. Und das unverständliche Gegurre der kleinen Gertrud klingt mal leise und mal laut, wie eben all das unverständliche Gegurre dieser Welt und der dort vorhandenen Sorgen eigentlich immer so klingt: Mal leiser und mal lauter. Diese betrachtende Beschreibung ist ein wunderbares Naturgedicht und wird in einer sehr lyrischen Sprache vorgetragen. Dazu klingt auch der 6-hebige Jambus ganz edel, bei dem man oft in Gefahr gerät, "lückenbüßende Silben" einzusetzen, was hier jedoch nicht der Fall ist. Jedoch eines ist mir aufgefallen. Du schreibst: Zitat:
Das klingt bei der ansonst wirklich schönen lyrischen Sprache ein wenig umständlich, denn ich kann zwar an ihm frisieren, doch eigentlich eigentlich heißt es, ich frisiere ihn, also direkt mit Akkusativobjekt ohne an und Dativobjekt. Vorschlag: Des Sturmes Gärtner werden ihn noch neu frisieren oder Des Sturmes Gärtner werden ihn noch umfrisieren Was meinst du dazu? Das hat mir gut gefallen. Gerne gelesen und kommentiert. .. .:) Liebe Grüße Bis bald Falderwald |
Lieber Faldi,
nach deinem Kommentar sind mir Baum und Taube noch näher.:) Du hast genau hingesehen und schön wieder gegeben. Hab ganz lieben Dank dafür und ganz besonders für den guten Vorschlag, den ich gern und überzeugt übernommen habe. Liebe Grüße Dana |
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