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Das traurige Mädchen am Fenster
Durch feuchte Strassen treiben Blätter ohne Erben,
und aus den Ecken riecht es modernd nach Zement. Auf nassen Fensterrahmen gehen Tropfen sterben, die eben noch ein Bild aus kalten Scheiben weinten, von einem Fremden draußen, den dein Herz nicht kennt, und blinden Träumen drin, die einen andern meinten. Ein Augenblick der Wärme, in der Zeit verloren, die uns wie welke Blätter durch die Tage treibt. Ein kurzer Nachgedanke, schüchtern, totgeboren, dann will schon Oberflächlichkeit die Leere tasten, die stets nach der Verleugnung im Gedächtnis bleibt, um sie mit platten Dringlichkeiten auszulasten. Durch feuchte Strassen treiben viele fremde Seelen, einander wie sich selber seltsam unbekannt. Solange sie verstaubte Wichtigkeiten zählen, vermeiden sie, sich den Versäumnissen zu stellen, die wie Gefolterte im blassen Bußgewand aus jedem Knopfloch ihrer Regenmäntel quellen. |
hi meister erich,
nach zwei jahren lähmungsbedingter abstinenz empfinde ich es als wohltat, mal wieder deine sprache lesen zu können! lieber gruß norbert |
Hi, Meister Nobbi!
Es tut gut, wieder mal eine "alte" Stimme zu hören! Auch dir liebe Grüße und alles Gute im neuen Jahr!:) Lähmungsbedingt? Das hört sich schlimm an! Ich hoffe für dich, es war etwas Vorübergehendes, von dem du völlig genesen bist!:( Einen hab ich noch: wie nennt man einen Dichter, der sich ständig was borgt? - Schnorrbert!:D (Ist natürlich nur ein Wortspiel - ich würde dir nie derlei unterstellen!) LG, eKy |
Lieber eKy,
ich habe mehrmals gelesen, weil ich das traurige Mädchen sehen wollte. Sie war da, aber nicht ausschließlich. Mir taten sich Reigen von Oberflächlichkeiten, Wichtigkeiten und Vergänglichkeiten auf. Zitat:
Ein großes, ganz großes Gedicht. Liebe Grüße Dana |
Hi, Dana!
Mit diesen Zeilen wollte ich unser "Talent" beschreiben, unsere wahren Gefühle mit Belanglosigkeiten abzutöten, um gesellschaftlicher Konvention Genüge zu tun. Man ruft nicht einfach von der Strasse hinauf an ein fremdes Fenster, hinter dem ein fremdes Mädchen steht und traurig schaut - und weil man das eben nicht tut, verkneift man sich die intuitive Reaktion und alle damit verbundenen potentiellen Fettnäpfchen prophylaktisch und lenkt sich mit der Einkaufsliste ab, oder was man heute noch "dringend" zu erledigen hat... So halten wir uns selbst in Ketten, "zivilisieren" uns - was bis zu einem gewissen Grad nötig ist - und reden uns ein, dass das ohnehin "nichts geworden wäre". Letztendlich sogar froh, ein mögliches Scheitern mit öffentlicher Blamage geschickt umschifft zu haben, geht man weiter, fest davon überzeugt, dass einen dieses Mädchen einfach sowas von gar nichts angeht, und dass es so sicher für alle Beteiligten das Beste ist. Wirklich? Oder bemänteln wir nur unsere soziale Feigheit oder unser antrainiertes Misstrauen in die eigene spontane Intuition? Solche und andere Fragen wollte ich im Leser auslösen. Vielen Dank für dein begeistertes Echo! LG, eKy |
Servus Erich,
was willst du von der grauen Masse, die sich scheinbar emotionslos durch die Straßen drängt denn erwarten? Jeder ist mit sich und seinem Weg beschäftigt, jeder strebt irgendeinem Ziel zu. Da hat man auch keine Zeit, sich um die verschiedensten Dinge zu kümmern. Wirklich? Es gibt so viele Schicksale hinter den Fassaden; die einen zeigen sich, die anderen bleiben verborgen. Ich für meinen Teil habe es mir angewöhnt, auch fremden Menschen zu unterschiedlichsten Anlässen ein Lächeln zu schenken und sie sogar anzusprechen, wenn ich es für angebracht halte. Damit habe ich überhaupt keine Probleme und wenn es peinlich wird, machen das immer die anderen, weil sie nicht verstehen wollen oder können. So ist das Leben. Es gibt viele solcher Mädchen am fenster und noch mehr, die unbeteiligt daran vorbei gehen. Aber es gibt auch andere...;) Sehr nachdenklich machendes Gedicht, das mir gut gefallen hat. Gerne gelesen und kommentiert...:) Liebe Grüße Bis bald Falderwald |
HI, Faldi!
Schön auf den Punkt gebracht - dem ist nichts hinzuzufügen! Vielen Dank für das positive Echo!:) LG, eKy |
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Dana und Falderwald
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