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Arbeitsfaden: Silentium est aureum
Silentium est aureum
Vollmondnacht, im Hauchen erregter Winde kräuseln sich die Wellen zum Spiel, die Wolken sind zerfächert, golden erstrahlt im See ein Sternengefunkel. Zauberhaft erfüllt die Romantik jener Stunde alle Sehnsucht und Hoffnung, Träume streben auf, beseelen des Geistes freie Sommergedanken. Augenblicke voller Erotik knistern funkensprühend, alle geheimen Wünsche spiegeln vis-a-vis sich beim Blick in deine lustvollen Augen. Zärtlich schmiegt dein Leib sich verspielt in meine Arme, alles dreht sich im Kreis, entflammte Sinne tanzen taumelnd in einen Rausch der Körpergefühle. Hüllen gleiten lautlos zu Boden, pure Haut reibt sich an Haut, das Verschmelzen wilder Leidenschaften öffnet die Pforten unsrer Lustparadiese. Liebe ist Vertrauen und soll nicht sprechen über Dinge, die das Vertrauen brechen, also schweigen hier nun des Philosophen Sapphische Strophen. ------------------------- Überarbeitete Version: Vollmondnacht, im Hauchen erregter Winde kräuseln sich die Wellen zum Spiel, die Wolken sind zerfächert, golden erstrahlt im See ein Sternengefunkel. Zauberhaft erfüllt die Romantik jener Stunde alle Sehnsucht und Hoffnung, Träume streben auf, beseelen des Geistes freie Sommergedanken. Augenblicke voller Erotik knistern funkensprühend, alle geheimen Wünsche spiegeln vis-a-vis sich beim Blick in deine lustvollen Augen. Zärtlich schmiegt dein Leib sich verspielt in meine Arme, alles dreht sich im Kreis, entflammte Sinne tanzen taumelnd in einen Rausch der Körpergefühle. Hüllen gleiten lautlos herab, es reibt sich pure Haut an Haut, das Verschmelzen wilder Leidenschaften öffnet die Pforten unsrer Lustparadiese. Liebe ist Vertrauen und soll nicht reden über Dinge, die das Vertrauen brechen, also schweigen hier nun des weisen Dichters Sapphische Strophen. |
Hi Faldi,
als ich zum ersten Mal hier reinschaute und Deine Ode in ganz "normaler" Formatierung las, war ich sehr verblüfft. Ich dachte bei mir: Wie bin ich nur darauf gekommen, Dein Werk so falsch zu beurteilen? Ich versuchte mich zu erinnern, ob ich vielleicht in einer anderen Stimmung war, als beim Kommentieren der anderen Oden. Auf jeden Fall konnte ich mir nicht erklären, wieso ich diesem Werk den Odencharakter so vehement abgesprochen hatte. Auch die letzte Strophe fiel für mich hier auf einmal sehr aus dem Rahmen und war so gar nicht vereinbar mit den anderen Strophen. Dann dachte ich: Wie kommt es nur, dass ich Dir so einen Käse geschrieben habe? Ich schaute mir nochmal das Original an. Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich hatte wieder den gleichen Eindruck wie beim Kommentieren und empfand die Sprache als viel zu weich, melodisch und klangvoll für eine Ode. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich grundsätzlich nie aus dem ersten Blick heraus kommentiere. Ich hatte das Werk vorher schon einige Male gelesen. Inzwischen bin ich vom vielen Hin- und Herspringen einigermaßen resistent, aber es ist offenbar die Aufmachung in blauer Fettschrift, möglicherweise auch die Zentrierung, die mich dermaßen eingelullt hat, und mir den Text noch viel weicher erscheinen ließ, als er eigentlich ist. Das typische Faldi-Layout wirkt bei mir offenbar als optischer Weichmacher. Chavi bemerkte eine ähnliche Wirkung, wenn vielleicht auch nicht so extrem. Ich denke, das ist von Dir für Deine Sonette auch genau so beabsichtigt. Stimmt's? Bemerkenswert finde ich jetzt, dass gerade die beiden für das Weichmacherphänomen empfänglichen Personen Deinen Strophen in der Urfassung den Odencharakter abgesprochen hatten. ;) Dass die Erstfassung auf jeden Fall so erhalten bleiben sollte (ja, natürlich in Faldiblau!), steht für mich außer Frage. Würdest Du denn, nachdem sich das harte Urteil relativiert hat, trotzdem noch an einer zweiten kantigeren Version arbeiten wollen? Möglicherweise auch nur an einer umgereimten letzten Strophe? Ich lass jetzt erstmal Dich und die anderen zu Wort kommen und bin gespannt, was Ihr sagt. Liebe Grüße Claudi |
Moin Claudi,
an anderer Stelle hatte ich ja schon etwas angedeutet und weiß nun, dass ich richtig lag. Ich kann auch erklären, warum der Text hier ganz anders wirkt: Es findet sich hier die "Arbeitsansicht" und nicht das formatierte äußere Gewand in meinem üblichen Stil. So entsteht der Text auch, so ist er in meinem Kopf und deshalb lese ich ihn nach der Formatierung auch ebenso, wie beim Schreiben. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass es auch abträglich für eine bestimmte Strophenform sein könnte. Für die Sonette passt es, das sehe ich auch so. ;) Wir können gern noch daran feilen, um es "kantiger" zu machen, ich wäre äußerst interessiert daran, deine Ansatzpunkte zu erfahren. Eine ungreimte Version der letzten Strophe steht zur Verfügung. Da ich wusste, dass Einwände bezüglich der gereimten Strophe kommen würden, hatte ich eine ungereimte parat. Sie steht in meiner Antwort an Nachteule im Originalfaden und gleich auch hier oben drunter. :) Also, leg los, ich bin gespannnt...:) Liebe Grüße Falderwald |
Hi Faldi,
fein, dann lass uns loslegen. Ich beginne einfach mal bei einer Sache, die mir am stärksten ins Auge sticht und versuche gleichzeitig Anregungen im Sinn einer markanteren Versführung zu geben. Du hast zwei auffällige Wortwiederholungen drin, von denen die erste m.E. ein treffliches Stilmittel ist. "Haut reibt sich an Haut", wunderbar, aber da geht noch was. Ich bringe mal direkt "Haut an Haut" und gebe V2 eine weitere Zäsur vor der m.E. sehr guten doppelt unbetonten Weiterführung. Dies ist Dein Vers geixt: Hüllen gleiten lautlos zu Boden, pure Xx Xx XxxXx | Xx Haut reibt sich an Haut, das Verschmelzen wilder X xX xX | xxXx Xx Leidenschaften öffnet die Pforten unsrer XxXx XxxXx Xx Lustparadiese. XxxXx Und hier mein Vorschlag: Hüllen gleiten lautlos herab, es reibt sich Xx Xx XxxXx | Xx Haut an Haut, ich spür, das Verschmelzen wilder XxX | xX | xxXx Xx Leidenschaften öffnet die Pforten unsrer XxXx XxxXx Xx Lustparadiese. XxxXx Das "sich" am Versende bringt eine ganz leichte Anrauung und nimmt ein bisschen Klang heraus. Wenn Du auf "pur" nicht gerne verzichten magst, hier noch ein Kompromiss: Hüllen gleiten lautlos herab, es reibt sich Xx Xx XxxXx | Xx pure Haut an Haut, das Verschmelzen wilder ... Xx XxX | xxXx Xx Die andere Wiederholung ist "Vertrauen". Dieses Wort passt m.E. nicht gut für die Schlussstrophe, weil es zu weit vom gezeigten Szenario abschweift. Diese letzte Strophe ist ja die wichtigste in Bezug auf den Titel. Dramaturgisch sehe ich im Moment zwei Möglichkeiten, hier nur sinngemäß angerissen: 1. Die Protagonisten schweigen und genießen 2. Der Rest ist Privatsache, daher schweigt jetzt der Dichter - Vorhang. Du liegst ja schon nah bei 2., da würde sich anbieten, das Vertrauen rauszunehmen und vielleicht eine kleine freche Bemerkung über Intimsphäre anzubringen. So weit erstmal. Kannst ja in Ruhe drüber nachdenken. Ich muss dieses WE arbeiten und werde wohl nur kurz reinschauen. LG Claudi |
Moin Claudi,
prima, ich freue mich. :) Ich kann mich mit deinen Vorschlägen anfreunden, wobei ich den zweiten bevorzuge. Allerdings nicht, weil ich auf "pur" nicht verzichten möchte, sondern weil mir im ersten Vorschlag der Einschub "ich spür" nicht so zusagt. Hiermit könnte ich besser leben: Hüllen gleiten lautlos herab, es reibt sich pure Haut an Haut, das Verschmelzen wilder Leidenschaften öffnet die Pforten unsrer Lustparadiese. In der letzten Strophe kommt "Vertrauen" ja als Wortwiederholung daher. Meinst du jetzt, wir sollten beide ersetzen oder nur eine davon? Ich befürchte, dann müssen wir die ersten beiden Zeilen komplett umschreiben, dafür bräuchte ich eine Weile, um über eine Alternative nachzudenken. Vorschlag: Ich stelle oben unter den Originaltext eine zweite Textversion ein, in der ich alle Veränderungen zum Original fett markiere. Als letzte Strophe nehme ich die ungereimte Version. :) Liebe Grüße Falderwald |
Hi Faldi,
Zitat:
Überhaupt ist mir die letzte Strophe zu moralisierend. Nein, ich sag es ehrlich, ich mag sie nicht. Vielleicht könntest Du dazu weitere Meinungen einholen? Ich würde sowas wie "Liebe ist Vertrauen und soll nicht ..." einfach nicht schreiben. Aber der Hauptgrund für meine Abneigung gegen V6 ist der identische und damit langweilige Bauplan der Verse 1-3, der sich natürlich durch bloßes Ersetzen der Reimwörter nicht ändert. Die Archtitektur der Strophe bleibt die gleiche. Damit machst Du m.E. das Gedicht kaputt. Für die Aussage "Schweigen ist Gold" eine ganze Strophe zu brauchen, ist ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich. ;) Ich würde, glaube ich, eher über einen anderen Titel nachdenken und die Lustparadiese als krönenden Abschluss wählen. Aber das sind jetzt Dinge, die mit dem Strophenbau nichts zu tun haben. Vielleicht äußern sich die anderen auch nochmal dazu. Liebe Grüße Claudi |
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