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Max Vödisch 23.02.2026 20:11

Die Krähenkönigin
 
Sie kreist im weiten, grauen Rund,
ein Schatten über stillem Land.
Sie braucht nicht jenen bunten Prunk,
der nur im grellen Licht bestand.

Ihr Federkleid, aus Nacht gewebt,
trägt Glanz in tiefem Purpurschein.
Wenn sie den Schwingenschlag erhebt,
steht sie im Frost und Sturm allein.

Wo andre vor dem Winter fliehen,
bleibt sie der Heimat treu bekannt.
Ihr Ruf mag rau in uns erklingen,
doch spricht er ehrlich, klar erkannt.

Sie braucht kein Lied für sanfte Ohren,
kein Schmeicheln, das im Wind verweht.
Sie ist im Wintersturm geboren,
ein Geist, der einsam, standhaft steht.

Wie ein Gesang in dunklem Ton,
der tief in Herz und Seele dringt,
sitzt sie auf ihrem Felsenthron,
bevor sie sich emporschwingt.

Kein Spott, kein eitler Schein ist ihr eigen,
nur Klugheit und ein freier Blick
bricht das große Winterschweigen
und kehrt mit jedem Tag zurück.

Wellengang 25.03.2026 09:20

Hi Max,
gefällt mir gut, dein Loblied auf eines der intelligentesten Tiere, die es gibt.
Das ist in Experimenten hinlänglich bewiesen.
Ich mag diese schlauen Tiere auch.
Du hast eine ganz bestimmte Krähenlady beobachtet und ein lesenswertes
Gedicht daraus gemacht.

Gruß welle

Max Vödisch 26.03.2026 12:30

Die Krähenkönigin
 
Lieber Welle,

vielen Dank für deine schönen Worte. Es freut mich sehr, dass dich die Krähenkönigin ebenso fasziniert wie mich.

Diese Tiere tragen wirklich etwas Geheimnisvolles und Kluges in sich – schön, dass du diesen Geist darin gespürt hast.

Herzliche Grüße
Max

MakaVeli 05.04.2026 07:00

Ja, das ist schon wirklich, wirklich gut. Man merkt einfach, wie sehr etwas um dich herum durch die Sprache in dir zu etwas in dir wird, und so etwas in dir wiederum zu etwas um dich herum - und genau das ist es doch, was ein Gedicht sein kann und einen Dichter ausmachen sollte, der jeder von uns sein könnte, wahrscheinlich sein müsste, um die Atmosphäre, die dein Gedicht ausatmet in eine solche zu wandeln, die wir einatmen könnten, ohne so ausatmen zu müssen.

Ja, es hat Ecken und Kanten, auch rhythmisch, aber gerade das müsste, sollte doch ein Gedicht auch enthalten (dürfen!), wenn es von Verdichtung kommen will und in einer Zeit leben muss in der einfach nichts, absolut nichts und rein gar nichts mehr rund läuft. Die ersten Zeilen gehen rein, als wären sie vorher schon dort gewesen und das Stolpern hintenraus, auch das ergibt irgendwie Sinn, weil es keinen sinnvollen Gedanken gibt in dieser Welt, an dessen Ende eben kein stolpern steht. Keinen. Kann ja nicht.

Weiterhin sind diese Ecken halt auch genau die Stellen, an denen du dich stoßen kannst, nur eben um noch mehr Landschaft zu stolpern, die du uns anbietest - so als Gedanke kam mir, dass in S2Z3

"wenn sie zum Schwingenschlag anhebt"

evtl. die bessere Formulierung sein könnte, was sie im naturalistischen Sinne wahrscheinlich wäre - dein Bild aber, dass irgendwie das Gefühl gibt, die Krähe sei das Lied und das Lied sei die Krähe hat diesen logischen Gedanken in ihrem Fluss irgendwie direkt wieder kassiert, ohne ihn sinnlos zu machen.

Vielleicht würde ich zwischen "treu" und "bekannt" ein Komma setzen und zwischen "klar" und "erkannt", auch wenn das wiederum wahrscheinlich ne inhaltliche Änderung wäre, auf die ich mich von deiner Seite aus vielleicht eher nicht einlassen würde.
Vielleicht noch eine Trennung zwischen "empor" und "schwingen", was der Duden zwar bemängeln würde, ich aber sowohl rhythmisch als auch inhaltlich für sinnvoll hielte.

Kurzum: Danke einfach, Danke, dass es dich gibt, liebes Gedicht :)


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