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Falderwald 23.07.2026 01:06

Petrarcas Rache
 


Petrarcas Rache


Aus tiefstem Herzen hasse ich Sonette,
weil sie wie üble Flatulenzen klingen,
die förmchenweise aus dem Anus dringen
als Schwingung in des Dichters Lustrosette.

Warum soll man Geräusche mit der Kette
in vierzehn angepasste Zeilen zwingen,
die dann im Jambus wie Petrarca singen,
der sich ganz sicher auch geekelt hätte?

Na gut, ich will es auch nicht übertreiben,
es nützt ja nichts, sich ständig zu beklagen,
man kann sich ab und zu Sonette gönnen.

Doch lustig ist, wenn manche Dichter schreiben,
man könne im Sonett nicht alles sagen,
dann denk' ich nur, man muss es eben können.


Falderwald
. .. .



Xenia 12.08.2026 12:33

Lieber Falderwald,

dein Sonett hat mich zum Schmunzeln gebracht – dieser herrlich freche Ton ist wirklich unverwechselbar.
Man merkt, dass du hier mit viel Spaß an der Sache gegen die Form selbst anrennst, und gerade das macht den Text so lebendig. Ich kenne solche Momente gut, in denen man sich fragt, warum man sich überhaupt in ein festes Korsett zwängen soll, wenn die Gedanken eigentlich ganz anders fließen wollen.

Die Vergleiche sind natürlich sehr drastisch, aber gerade dadurch entsteht dieser humorvolle Überschlag, der das Ganze nicht böse wirken lässt, sondern eher wie ein augenzwinkernder Befreiungsschlag.
Ich musste an ein Gespräch denken, das ich einmal mit jemandem hatte, der meinte, Sonette seien „die Zwangsjacke der Lyrik“. Da habe ich auch leise gelacht – manchmal trifft es das ja wirklich.

Der Schluss gefällt mir besonders, weil er die Kurve kriegt:
Nach all dem liebevollen Gemecker kommt dann doch die Einsicht, dass man sich ab und zu ein Sonett gönnen kann. Und dieser letzte Gedanke, dass man im Sonett sehr wohl alles sagen kann, wenn man es eben kann – der sitzt.

Herzliche Grüße von Xenia :)

Falderwald 17.08.2026 13:26

Hallo liebe Xenia,

danke dir für deinen Kommentar.
Ich freue mich, dass der Text für dich funktioniert hat — gerade in seinem frechen Zugriff auf die Form. Für mich war es tatsächlich ein kleines Experiment: die Strenge des Sonetts gegen eine bewusst derbe Bildwelt zu setzen und zu sehen, wie weit man die Spannung tragen kann, ohne dass die Form bricht.

Die drastischen Vergleiche sind nicht Selbstzweck, sondern ein Versuch, die oft überhöhte Aura des Sonetts einmal komplett umzudrehen. Dass der Schluss dann wieder in die Form zurückführt, war mir wichtig — nicht als Versöhnung, sondern als Hinweis darauf, dass die Form selbst nicht das Problem ist, sondern der Umgang mit ihr.

Schön, dass du das so gelesen hast.

Liebe Grüße :)

Falderwald



Taxi5013 29.09.2026 11:50

Ich kann mich Xenia nicht anschließen.

Ich bin wirklich nicht -prüde-, Poesie ist für mich etwas ganz Besonderes,
etwas Feines, Behutsames. Poesie soll unser Herz berühren, unsere Seele treffen.

Falderwald, ich schätze Dich und Deine Poesie sehr, nur hier nicht.

lieben Gruß vom Taxi5013

thommi 09.10.2026 03:07

Hallo Taxi5013,

ich muss doch sehr bitten! Atme erst mal tief durch, nimm dir eine Rose, beobachte einen Schmetterling und lass dein zartes Herzchen wieder in den gewohnten „behutsamen“ Rhythmus kommen.

Es ist wirklich rührend, wie du hier als moralischer Sittenwächter der „feinen Poesie“ auftrittst. Aber dir ist vor lauter Schock über das Wort „Lustrosette“ ein winziges, klitzekleines Detail entgangen: Falderwalds Text ist kein lyrischer Unfall wie deine Eulen-Prosa oder das Gämse-Aas-Epos – es ist ein handwerklich absolut makelloses Sonett. Exakt vierzehn Zeilen, astreiner Jambus, perfektes Reimschema. Falderwald tut im Text genau das, worüber er schimpft, und liefert im letzten Satz die absolute Punchline, die offenbar ungebremst über deinen Horizont hinweggesegelt ist: „Man muss es eben können.“

Dass du diese geniale literarische Ironie nicht verstehst und stattdessen forderst, dass Poesie gefälligst immer nur „unsere Seele treffen“ muss, sagt leider viel mehr über deine beschränkte Definition von Kunst aus als über Falderwalds grandioses Gedicht. Kunst darf anecken, Kunst darf parodieren, und Kunst darf vor allem witzig sein.

Aber hey, ich verstehe, dass dir diese rhythmische Perfektion Angst macht. Wenn man es selbst gewohnt ist, „Laternen“ auf „Morgenstern“ zu reimen und Texte durch bloßes Drücken der Enter-Taste zu „Gedichten“ zu erklären, wirkt echte, formvollendete Dichtkunst natürlich wie ein fieser Angriff aus dem Hinterhalt.

Ich gehe dann mal meine Seele berühren lassen – und zwar von Falderwalds grandiosem Humor!

Freundliche Grüße
thommi


Taxi5013 09.10.2026 09:39

ich bin noch ganz außer Atem....ha,ha,ha,...

Du arbeitest Dich hier an mich ab, als würde es keinen Morgen mehr geben.

Mein Kommentar hat nichts damit zu tun, dass Falderwald ein großartiger Poet ist
den ich sehr schätze, den ich auch in Zukunft immer wieder gern mein Ohr schenke.

Du bist scheinbar einer der wenigen, der, etwa wie ein Chirurg, mit einer feinen Nadel den Nerv finden wiil, wo der Patient aufjault
.
Suhl Dich weiter in Deinen Ausführungen,....ich habe noch viel mehr geschrieben, da hast Du noch lange dran zu tun.

LG vom Taxi5013

thommi 09.10.2026 11:06

Hallo Taxi5013,

keine Sorge, nimm erst mal einen tiefen Schluck aus der Sauerstoffflasche. Wir wollen ja nicht, dass du uns vor lauter Schnappatmung noch vom Mofa kippst, während du im Universum-Sonnensystem-Parallelkosmos deine Runden drehst.

Dass du jetzt versuchst, deine literarische Ahnungslosigkeit mit einem gequälten „ha, ha, ha“ zu überspielen, ist die klassische Kapitulation. Aber dein Vergleich mit dem Chirurgen ist wirklich der absolute Brüller: Ein Chirurg, der mit einer feinen Nadel den Nerv sucht, damit der Patient aufjault? Taxi, ein Chirurg betäubt den Patienten, bevor er schneidet. Was du meinst, ist ein sadistischer Zahnarzt oder schlicht ein schlechter Akupunkteur. Aber hey, nach der Astrophysik schmeißen wir jetzt eben auch noch die Medizin in den Mixer der absoluten Ahnungslosigkeit. Passt ins Bild!

Dass du Falderwalds Poesie gern „dein Ohr schenkst“, ist ja löblich – schöner wäre es nur, wenn du beim Zuhören auch mal das Gehirn einschaltest, um die Ironie eines Textes zu begreifen, statt geschockt nach „Behutsamkeit“ zu winseln.

Und danke für die Einladung! Keine Sorge, ich suhle mich nicht, ich seziere nur. Da du mir ja drohst, dass du noch „viel mehr geschrieben“ hast, freue ich mich schon auf die nächsten literarischen Unfälle aus deiner Feder. Mein Sezierbesteck liegt bereit. Schreib schnell was Neues, mir wird sonst langweilig!

Freundliche Grüße
thommi



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