![]() |
Disco
Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett,
auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You, Baby“ – ein flirrendes Versprechen aus Klang, so sinnlich wie künstlich, ein Augenblick von Schönheit, der im nächsten Bassschlag verglüht. Doch hinter der Maske aus Schminke wohnt nicht die Seele, nur das Echo eines Marktes, der Körper wie Ware preist. Am Tresen verschluckt der Alkohol die letzten Reste von Wahrheit, verwandelt Sehnsucht in Münzen und Münzen in leere Gläser. So taumeln wir in einem Reich der Schatten, wo Nähe bloß Reflex ist und Liebe ein Tauschgeschäft. Die Disco – ein Mikrokosmos, der das Antlitz der Welt enthüllt: grell, laut, verführerisch und doch leer wie ein erkalteter Stern. Am Morgen bleibt nichts als die Asche des Rausches, ein beraubtes Portemonnaie und ein Körper, der fragt, wohin die Seele in der Nacht verschwunden ist. Und ich erkenne: Die Disco ist kein Ort, sondern ein Spiegel des Menschen – ein Tanz auf der Kante des Nichts, ein Ritual der Vergänglichkeit, bei dem wir uns selbst verlieren. |
| Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 23:16 Uhr. |
Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, Jelsoft Enterprises Ltd.
http://www.gedichte-eiland.de
Falderwald