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Genug
Genug
Wie viele Tränen sind genug geweint? Wann hört das auf, dass ich aus heiterem Himmel an dich denke und es tut einfach nur so weh ? Wann heilt die Zeit die Wunden? Das Weinen dauert jetzt nicht mehr so lange, mir wird viel schneller klar, dass es nichts nutzt. Außer geschwollenen Augen, zu vielen Zigaretten und zu viel Rotwein, keine Veränderung. Ich nehm mir immer vor, tapfer zu sein. Das Klageweib, hysterisch und am Rande, dieses Bild seh ich und ich mag es nicht. Das haben du und ich nicht zusätzlich verdient. Es wäre so viel einfacher, wenn ich an diesen Alten, den liebenden, den voller Güte, noch glauben könnte. Aber er hat dich einfach sterben lassen. Er wusste es ,genau wie ich, nicht besser, der Idiot. Fast jeder Tag hat irgendwo versteckt ein „Nie mehr“ Nie mehr ums kochen streiten, nie mehr küssen, nie mehr dir abends sagen: „ hab dich lieb“ nie mehr die Antwort hören: "ich dich auch“ In meinem Kopf sammeln sich alle Tränen, die ich um dich und andere geweint hab, in einem großen dunkelgrünen Stausee. Umrahmt von Trauerweiden, weil das passt. Und kämen Wanderer vorbei, sie würden denken:“ wie unergründlich tief dies Wasser ist! ist das jetzt kitschig oder mehr idyllisch? Es stimmt mich traurig aber es tröstet auch." Dann hätte alle Trauer, alle Verzweiflung nicht nur für mich ein Bild und einen Sinn. Und dass ich über meine Tränen schreibe, wär ein Gedicht und nicht vertane Zeit. |
Hallo Floris,
das Gedicht beschreibt sehr eindrücklich den Umgang mit Trauer und den Versuch, mit einem Verlust zu leben. Die ersten beiden Abschnitte zeigen, wie stark die Gedanken an die verstorbene Person den Alltag beeinflussen und wie schmerzhaft die Erinnerungen bleiben. Die Erwähnung von Tränen, Zigaretten und Rotwein unterstreicht die Belastung und die Suche nach kurzfristiger Erleichterung, die jedoch keine wirkliche Veränderung bringt. Im dritten und vierten Abschnitt wird deutlich, dass der Sprecher versucht, sich selbst anders zu sehen und nicht in einem Bild von Hilflosigkeit zu verharren. Gleichzeitig zeigt die Auseinandersetzung mit dem „Alten“ und dessen Versagen, die geliebte Person zu retten, eine Mischung aus Wut und Enttäuschung, die oft Teil eines Trauerprozesses ist. Die folgenden Zeilen über das „Nie mehr“ verdeutlichen die vielen kleinen Alltagsmomente, die fehlen und die den Verlust besonders spürbar machen. Das Bild des dunkelgrünen Stausees, umrahmt von Trauerweiden, schafft eine symbolische Darstellung der gesammelten Tränen und der Tiefe der Trauer. Die Überlegung, wie Wanderer diesen Ort wahrnehmen würden, verbindet persönliche Empfindungen mit einer äußeren Perspektive. Am Ende wird der Gedanke formuliert, dass das Schreiben über die eigenen Tränen nicht sinnlos ist, sondern eine Form der Verarbeitung und ein Weg, der Trauer Ausdruck zu geben. Das Gedicht betont insgesamt die Bedeutung von Trauerarbeit und die Suche nach einem Sinn in schmerzhaften Erfahrungen. Grüße Sunblower |
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