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Taxi5013 30.09.2026 11:32

Der Zahnarzttermin bei der KI
 
Der Zahnarzttermin bei Dr. KI

Herr Müller hatte Zahnschmerzen.
Nicht ein bisschen.
Nicht so ein harmloses Ach, das geht schon wieder weg.
Nein.
Es war die Sorte Zahnschmerz, bei der man nachts senkrecht im Bett sitzt und sich ernsthaft überlegt, ob man vielleicht auf der falschen Seite des Kopfes schlafen könnte.
Also rief er beim Zahnarzt an. Guten Morgen, Zahnarztpraxis Dr. Schneider.
Ich brauche dringend einen Termin! stöhnte Herr Müller.
Kein Problem. Heute um 14 Uhr.
Das ist ja wunderbar. Und ist der Doktor gut?
Selbstverständlich.
Herr Müller atmete erleichtert auf.
Und wie gut?
Am anderen Ende entstand eine kleine Pause.
Sehr.
Na, das beruhigt mich.
Um 14 Uhr betrat Herr Müller die Praxis. Im Wartezimmer saßen drei Patienten. Einer hielt sich die Backe, die zweite Frau sah nervös auf die Uhr und ein kleiner Junge spielte mit einem Tablett.
Herr Müller?;
Er blickte auf.
Eine freundliche junge Arzthelferin stand vor ihm.
Bitte kommen Sie mit.
Sie führte ihn in das Behandlungszimmer.
Herr Müller setzte sich auf den Zahnarztstuhl.
Dann ging plötzlich ein großer Bildschirm an.
Darauf erschien ein freundlich lächelndes Gesicht.
Guten Tag, Herr Müller! Ich bin Dr. Dental 4.7, Ihre künstliche Intelligenz für Zahnmedizin.
Herr Müller starrte auf den Bildschirm.
Wie bitte?
Ich bin Ihr Zahnarzt.
Sie?
Ja.
Aber Sie haben ja gar keinen Körper!
Das ist korrekt. Dadurch habe ich auch keine Rückenschmerzen.
Herr Müller wusste nicht, ob er lachen oder wieder nach Hause gehen sollte.
Na schön sagte er schließlich. Dann schauen Sie sich mal meinen Zahn an.
Selbstverständlich. Bitte öffnen Sie den Mund.
Herr Müller öffnete den Mund.
Der Computer machte:
Piep.
Dann:
Piep. Piep.
Dann:
Piep-Piep-Piep-Piep.
Was machen Sie denn da?, fragte Müller.
Ich analysiere Ihre Mundhöhle.
Und?
Interessant.
Was ist interessant?
Sie sollten 32 Zähne haben.
Das weiß ich.
Momentan nur 31.
Herr Müller erstarrte.
Was?
Einer fehlt.
Das kann nicht sein!
Doch.
Welcher?
Der linke obere Backenzahn.
Herr Müller tastete hektisch mit der Zunge herum.
Stimmt!
Das ist bedauerlich.
Können Sie wieder einen einsetzen?
Natürlich.
Herr Müller strahlte.
Wirklich?
Nein.
Warum sagen Sie dann natürlich?
Ich wollte höflich sein.
Herr Müller sah zur Arzthelferin.
Ist das wirklich ein Zahnarzt?
Sie nickte.
Der Beste.
Aber er kann doch gar nicht bohren!
Das macht der Roboter.
In diesem Augenblick rollte ein kleiner Roboterarm aus der Wand.
Herr Müller sprang beinahe aus dem Stuhl.
Moment mal!
Der Roboterarm schwenkte elegant hin und her.
Keine Angst, sagte Dr. Dental. Ich habe alles unter Kontrolle.
Das sagen die Leute immer kurz bevor etwas schiefgeht!
Ihre Angst ist statistisch nachvollziehbar.
Danke! Das beruhigt mich ungemein.
Der Bildschirm zeigte plötzlich:
SCHMERZEMPFINDEN DES PATIENTEN: 87 %
Woher wissen Sie das? fragte Müller.
Sie schwitzen.
Ich schwitze nicht!
Doch.
Das ist kein Schwitzen! Das ist Feuchtigkeit.
Interessante Definition.
Herr Müller schloss die Augen.
Na gut. Machen Sie.
Der Roboter setzte vorsichtig an.
Herr Müller zuckte zusammen.
AUA!
Der Bildschirm wurde rot.
PATIENT SAGT: AUA
Das weiß ich selbst!, brüllte Müller.
Ich muss es dokumentieren.
Dann schreiben Sie: AUA! SEHR AUA!
Wird ergänzt.
Nach zehn Minuten war die Behandlung vorbei.
Der Roboterarm verschwand.
Dr. Dental lächelte.
Fertig.
Herr Müller setzte sich auf.
Das wars?
Ja.
Und was habe ich jetzt?
Eine Rechnung.
Herr Müller schluckte.
Wie viel?
Sie haben die Wahl.
Welche Wahl?
Möchten Sie die Rechnung in Papierform oder als PDF?
Nein, ich meine: Wie viel muss ich bezahlen?
Das hängt davon ab.
Wovon?
Davon, ob Sie die Behandlung als medizinische Notwendigkeit oder als Premium-Erlebnis betrachten.
Herr Müller wurde blass.
Was kostet das Premium-Erlebnis?
1.899 Euro.
Und die medizinische Notwendigkeit?
120€
Dann nehme ich die medizinische Notwendigkeit!
Ausgezeichnete Entscheidung.
Herr Müller stand auf und wollte gehen.
Da sagte Dr. Dental:
Herr Müller?
Ja?
Eine Frage hätte ich noch..
Welche?
Möchten Sie die Behandlung bewerten?
Wie bitte?
Nach jedem Besuch bitten wir um eine Bewertung von eins bis fünf Sternen.
Herr Müller grinste.
Natürlich.
Er nahm sein Handy heraus.
Ich gebe Ihnen fünf Sterne.
Der Bildschirm strahlte.
Vielen Dank!
Herr Müller setzte noch hinzu:
Àber nur, weil ich heute erfahren habe, dass ich 31 Zähne habe.
Das ist korrekt.
Und morgen komme ich wieder.
Wegen des fehlenden Zahnes?
Nein.
Herr Müller grinste.
Ich möchte sehen, ob Sie inzwischen einen Körper bekommen haben.
Dr. Dental antwortete:
Ich habe bereits einen bestellt.
Und?
Lieferzeit sechs Wochen.
Herr Müller nickte zufrieden.
Na dann bis Weihnachten, Herr Doktor.
Bis Weihnachten, Herr Müller.
Als Müller die Praxis verließ, hörte er hinter sich die Arzthelferin sagen:
Dr. Dental, der nächste Patient ist da.
Gut. Wer ist es?
Ein Herr Meier.
Diagnose?
Noch unbekannt.
Dann lassen Sie ihn herein.
Kurze Pause.
Und schalten Sie den Saugrobotter ein.
Warum?
Herr Müller hat beim Lachen gerade seinen Zahn verloren.
Und diesmal war es nicht der, den wir behandelt hatten, es war der Zahn, weswegen er zu uns kam.



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