Quicksilver |
19.01.2010 07:18 |
Hallo chavali,
die Thematik spricht mich hier an. Ich lese für mich nicht nur die Naturbeschreibung und den Akt des Bergsteigens an sich, sondern allegorisch auch einen Menschen, der seinen eigenen Berg von Gefühlen und Ängsten in Angriff nimmt, dabei aber scheitert. Ich habe diese Metapher in einem sehr alten Gedicht von mir ebenfalls einmal verarbeitet. Natürlich kann ich mit der Interpretation falsch liegen.
Die Umsetzung trifft fast genau meinen Geschmack. Kleine Dinge möchte ich dir dennoch zeigen, auch wenn ich mir bald wie ein Querulant vorkomme;) :
Zitat:
Wie viele tausend Kilometer
wird es noch bis zum Gipfel sein?
Durch Schnee und Wind ist noch verwehter <<< dieses Enjambement würde ich durch ein Komma trennen. Die Satzkonstruktion will mir dennoch nicht gut über die Zunge flutschen.
der Weg zum Ziel - der Nordwand Stein.
Die Luft wird dünn und schwer das Beil,
wie Nadeln dringt der Sturm jetzt ein,
die Hände greifen kaum das Seil,
schon kann ein Mensch verloren sein. <<< durch die vielen einsilbigen Wörter entsteht quasi ein Stakkato, was hier inhaltlich m.E. gut passt, da es die Spannung hebt.
Doch ihre dicken Schuhe haken
sich in die Rillen tief hinein, <<< Hier möchte mir die Satzkonstruktion wieder nicht ganz gefallen.
bis sich die Männer schwer erschraken,
die feste Platte war nur Schein. <<< Zeitlich gibt es hier m.E. Probleme. Du hast die Zeiten zum Reim hin gebeugt, jedenfalls wirkt es so. Vers 1 und 2 Präsens, Vers 3 und 4 Vergangenheit und dies alles in einem langen Satz.
Und einer stürzte in die Spalte
begraben von Lawinenschnee.
Der Abgangsdonner, er verhallte
und um ihn schloss sich das Karree. <<< Das Karree? Ich stelle mir darunter etwas zwingend viereckiges, in sich geschlossenes vor (normalerweise Gebäude mit Innenhof z.B.) Dies bildlich auf diesen Absturz zu übertragen, schaffe ich nicht. Es kann sich nur entweder um Lawinenschnee, der dem Fallenden in die Spalte folgt, oder aber den Grund der Spalte und der umgebenden Mauern aus Berggestein handeln. Beides ist für mich nicht viereckig. Daher wirkt dieses Ende auf mich zu sehr dem Reim geschuldet.
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Ich kann diesem Gedicht wortwörtlich eine Tiefe entnehmen. Es gefällt mir und ich habe mich gern damit auseinander gesetzt.
Grüße
von
Quicksilver
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