Cocktail der Gefühle
Man nehme eine Prise Widerwillen
und füge etwas Abscheu noch hinzu,
das Ganze lasse man ein wenig quillen,
dies passt dann ganz vorzüglich zum Degout.
Dann filtert man den Bodensatz,
für Mitgefühl ist hier kein Platz.
Nun rühre man noch Hass geduldig unter,
und würze scharf mit einer Prise Groll,
auch Neid macht jede fade Mischung munter,
bis dann das Maß an Bitterkeit wird voll.
Jetzt kühle man den dunklen Trank,
macht er auch Geist und Körper krank.
Man mische das mit einem Löffel Galle,
bis jeder Funke Hoffnung jäh erfriert,
das zähe Gift wird nun zur schwarzen Falle,
weil sich der Zorn im Becher konzentriert.
Damit man das auch richtig spürt,
geschüttelt bitte, nicht gerührt.
Garniert wird die Coupette noch mit Verhöhnung,
Zynismus wird zu Salz auf ihrem Rand,
der Stoff entfaltet nun die herbe Krönung,
gebraut wird dieser Drink mit kalter Hand.
Und oben schwimmt dann noch zum Spaß
ein Würfel Träneneis im Glas.
Man reicht den Kelch nun seinem Erzrivalen,
der ahnungslos und lächelnd vor dir steht,
der Cocktail mit den freien Radikalen
ist ein Produkt von bester Qualität.
Ihm nahm’s beim ersten Schluck die Luft,
jetzt liegt er friedlich in der Gruft.
Falderwald
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