Ja, das ist schon wirklich, wirklich gut. Man merkt einfach, wie sehr etwas um dich herum durch die Sprache in dir zu etwas in dir wird, und so etwas in dir wiederum zu etwas um dich herum - und genau das ist es doch, was ein Gedicht sein kann und einen Dichter ausmachen sollte, der jeder von uns sein könnte, wahrscheinlich sein müsste, um die Atmosphäre, die dein Gedicht ausatmet in eine solche zu wandeln, die wir einatmen könnten, ohne so ausatmen zu müssen.
Ja, es hat Ecken und Kanten, auch rhythmisch, aber gerade das müsste, sollte doch ein Gedicht auch enthalten (dürfen!), wenn es von Verdichtung kommen will und in einer Zeit leben muss in der einfach nichts, absolut nichts und rein gar nichts mehr rund läuft. Die ersten Zeilen gehen rein, als wären sie vorher schon dort gewesen und das Stolpern hintenraus, auch das ergibt irgendwie Sinn, weil es keinen sinnvollen Gedanken gibt in dieser Welt, an dessen Ende eben kein stolpern steht. Keinen. Kann ja nicht.
Weiterhin sind diese Ecken halt auch genau die Stellen, an denen du dich stoßen kannst, nur eben um noch mehr Landschaft zu stolpern, die du uns anbietest - so als Gedanke kam mir, dass in S2Z3
"wenn sie zum Schwingenschlag anhebt"
evtl. die bessere Formulierung sein könnte, was sie im naturalistischen Sinne wahrscheinlich wäre - dein Bild aber, dass irgendwie das Gefühl gibt, die Krähe sei das Lied und das Lied sei die Krähe hat diesen logischen Gedanken in ihrem Fluss irgendwie direkt wieder kassiert, ohne ihn sinnlos zu machen.
Vielleicht würde ich zwischen "treu" und "bekannt" ein Komma setzen und zwischen "klar" und "erkannt", auch wenn das wiederum wahrscheinlich ne inhaltliche Änderung wäre, auf die ich mich von deiner Seite aus vielleicht eher nicht einlassen würde.
Vielleicht noch eine Trennung zwischen "empor" und "schwingen", was der Duden zwar bemängeln würde, ich aber sowohl rhythmisch als auch inhaltlich für sinnvoll hielte.
Kurzum: Danke einfach, Danke, dass es dich gibt, liebes Gedicht