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Alt 14.08.2026, 11:02   #1
Taxi5013
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 253
Standard Wo das Moor den Himmel trägt

Wo das Moor den Himmel trägt

Es schweigt der Wald im Abendschein,
als wär er alt und ganz allein.
Kein Laut als nur des Windes Gang,
der trägt der Kiefern stillen Klang.

Die Heide blüht in zartem Rot,
vergisst den Lärm, vergisst die Not.
Ein Birkhuhn ruft im fernen Ried,
als sänge es ein Abschiedslied.

Das Moor liegt dunkel, tief und weit,
bewahrt so manches Kleid der Zeit.
Es kennt die Tränen, kennt den Mut,
verschweigt, was keinem Menschen gut.

Der Nebel zieht mit leisem Schritt,
nimmt alle hast'gen Stimmen mit.
Nur eine Eiche, grau und schwer,
erzählt vom Gestern immer mehr.

Ich geh den schmalen Heidepfad,
den niemand je vermessen hat.
Da fällt ein Blatt in meine Hand,
ein stiller Gruß vom Heimatland.

Und plötzlich seh ich, licht und sacht,
ein Antlitz in der Dämmernacht.
Als hätte Liebe, müd und fein,
gefunden diesen Weg allein.

Sie sprach kein Wort, sie lächelte nur,
so still wie Moos auf alter Flur.
Ihr Blick war mild wie Morgenwind,
der über Heideblüten rinnt.

Wir gingen schweigend Hand in Hand,
durch Moor und Wald, durchs weite Land.
Kein Schwur erklang, kein lautes Wort,
das Herz verstand den schönsten Ort.

Da wusste ich: Nicht Gold noch Macht,
nicht Ruhm, der Menschen glücklich macht.
Ein lieber Mensch, ein treuer Blick,
ist Gottes stillstes Meisterstück.

Nun, wenn die Heide wieder blüht
und überm Moor der Kranich zieht,
dann dank ich leis dem Abendlicht
fr Liebe, Wald und Zuversicht.
*
Denn Wälder lehren still zu sein,
und Moore tragen Schmerz allein.
Doch wer mit offnem Herzen geht,
findet die Liebe, die versteht.
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