Im Atem der Morgenwiese
Im Atem der Morgenwiese
Ich gehe durch das frühe Licht,
und alles um mich scheint noch unentschieden –
die Gräser, die sich strecken,
die kleinen Wasserperlen,
die sich nicht entscheiden können,
ob sie fallen oder bleiben wollen.
Der Wind fährt mir durch das Haar,
als würde er mich kennen,
als hätte er mich schon einmal
an einem anderen Ort berührt.
Ich lasse ihn gewähren.
Manchmal braucht man nichts weiter
als eine Hand aus Luft.
Über mir öffnen sich die Kronen der Bäume,
so langsam,
als wollten sie sicher sein,
dass ich bereit bin für ihr Licht.
Ich bin es.
Ich war es immer,
ich hatte es nur vergessen.
Die Erde unter meinen Füßen
fühlt sich warm an,
als hätte sie die ganze Nacht
auf mich gewartet.
Ich gehe weiter,
und jeder Schritt
macht mich ein wenig leichter.
Ein Vogel ruft,
ein zweiter antwortet,
und plötzlich klingt es,
als würde der ganze Wald
eine Geschichte erzählen,
die nur für mich bestimmt ist.
Ich bleibe stehen,
schließe die Augen
und lasse die Welt
einmal durch mich hindurchgehen.
Sie tut es leise,
ohne Drängen,
ohne Anspruch.
Und für einen Moment
fühle ich mich wie eine Blüte,
die sich öffnet,
nicht weil jemand es erwartet,
sondern weil es Zeit ist.
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