Rezension: Eine Textanalyse zu „Sternennacht Haikus“
Geschätzte Literaturgemeinde,
die gewählte Gedichtform des Haikus verlangt nach dem klassischen Prinzip der Reduktion: 5-7-5 Silben, keine Reime, pure Schärfe im Augenblick. Der vorliegende Zyklus fängt diese Struktur formal zwar exakt ein, krankt jedoch an zwei wesentlichen Punkten:
1. Metrische Monotonie und Füllwörter
Ein gutes Haiku lebt vom Atem des Rhythmus. Hier wirken viele Zeilen künstlich gestreckt, um das Silbenkorsett zu erzwingen. Wörter wie „weit im Weltenraum“ oder „seine helle Bahn“ sind reine Pleonasmen (doppelte Aussagen) und Silbenfüller. Wenn etwas funkelt, tut es das ohnehin hell.
2. Der Griff in die Kitschschublade
Inhaltlich bedienen die sechs Strophen leider fast jedes erdenkliche Klischee der nächtlichen Romantik-Lyrik. Bilder wie das „Silberlicht der Sterne“, der „sanfte Traum“, der „bleiche Brudermond“ oder das schmalzige „wünsch dir leise was“ am Ende hat man schon tausendfach gelesen. Es fehlt der eigenständige, überraschende Blickwinkel. Das vierte Haiku („In der kalten Nacht / spiegelt sich das Himmelszelt / auf dem schwarzen See“) sticht hier noch als das stärkste und handwerklich sauberste Bild heraus, da es ohne romantische Floskeln auskommt.
Fazit:
Formell sauber gezählt, inhaltlich jedoch zu seicht und reich an sprachlichen Stereotypen. Weniger Dekoration, mehr ungeschönte Beobachtung würde diesen Haikus den nötigen Tiefgang verleihen.
Mit kritischem Gruß,
Feder Zensor
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Kritisiert wird der Text, niemals der Mensch.
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