Thema: Alabama Song
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Alt Heute, 14:01   #8
Xenia
Lim-Fee
 
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 222
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Hallo Taxi,

ich spreche jetzt klar, direkt und ohne jede Ausweichbewegung und gehe Satz für Satz durch das, was du geschrieben hast:

Zitat:
Zitat von Taxi
1. „mein Gedicht hat die Zeit beschrieben, in denen es stattfand.“
Du behauptest, dein Gedicht beschreibe „die Zeit“.
Tut es nicht. Es arbeitet mit Klischees, nicht mit Geschichte.
Keine historische Genauigkeit, keine Perspektive, keine Einordnung.
Und der Satz selbst ist sprachlich schief gebaut.

Zitat:
Zitat von Taxi
2. „dazu müssen dann auch Worte akzeptiert werden, die in der heutigen Zeit verpönt sind.“
Nein, diese Wörter müssen nicht „akzeptiert“ werden.
Wenn man sie benutzt, müssen sie markiert, kontextualisiert und reflektiert werden.
Du tust nichts davon.
Du verwendest einen historisch belasteten Personenbegriff, als wäre er ein alltägliches Wort ohne Geschichte und verlangst von den Lesenden, das zu tragen.
Das ist keine historische Darstellung, das ist Wiederholung.

Zitat:
Zitat von Taxi
3. „Ich erwarte nicht, dass es jeder versteht.“
Das klingt demütig, ist es aber nicht.
Es bedeutet:
„Wer den Text kritisiert, hat ihn nicht verstanden.“
Damit machst du Kritik zu einem Defizit der Lesenden, nicht zu einem Problem deines Textes.

Zitat:
Zitat von Taxi
4. „Der Text sei sprachlich -schwach-? Könntest Du mir das erklären?“
Die Frage wirkt offen, aber deine restliche Antwort zeigt, dass du die Kritik nicht wirklich annehmen willst.
Sprachlich schwach heißt:
holprige Formulierungen, unsaubere Grammatik, flache Bilder, klischeehafte Wendungen, fehlende Präzision.
Der Text arbeitet nicht mit Sprache, er stolpert durch sie.

Zitat:
Zitat von Taxi
5. „Inhaltlich heikel!, nur weil es Dir nicht möglich ist, sich in jene Zeit hinein zu versetzen?“
Hier drehst du die Verantwortung komplett um.
Du unterstellst mir mangelnde Vorstellungskraft, statt zu prüfen, ob dein Text problematisch ist.
Es geht nicht darum, sich „in jene Zeit hineinzuversetzen“.
Es geht darum, wie Sprache heute wirkt, wenn sie Gewaltgeschichte ungebrochen nachspricht.
Du verwechselst Empathie mit historischer Reflexion.

Zitat:
Zitat von Taxi
6. „Nun ja, jeder versteht ihn eben nicht“
Das ist die klassische Selbstimmunisierung.
„Wer ihn nicht gut findet, hat ihn nicht verstanden.“
Damit erklärst du jede Kritik für ein Missverständnis der anderen.
So macht man einen Text unangreifbar – aber nur im eigenen Kopf.

Zitat:
Zitat von Taxi
7. „Mein Alter, welches ich angeführt hatte, sollte keine Entschuldigung für eventuelle Fehler sein.“
Das klingt verantwortungsvoll, ist es aber nicht.
Denn du hast dein Alter vorher genau als Schutzschild benutzt:
als Erklärung dafür, warum du länger brauchst und anders schreibst.
Jetzt tust du so, als sei das gar nicht gemeint gewesen.
Das ist rhetorisch bequem, aber nicht ehrlich.

Zitat:
Zitat von Taxi
8. „Dieses Gedicht -Alabama- ist ein Zeugniss dieser schrecklichen Zeit.“
Nein, das ist es nicht.
Ein Zeugnis wäre historisch präzise, sprachlich reflektiert, perspektivisch bewusst.
Dein Text ist klischeehaft, sprachlich schwach, historisch unscharf und emotional platt.
Er benutzt Sklaverei als Kulisse, nicht als Gegenstand ernsthafter Auseinandersetzung.
Das ist kein Zeugnis, das ist ein Reimtext mit Gewaltdekor.

Zitat:
Zitat von Taxi
9. „Als solches sollte es auch verstanden werden(können)“
Du verlangst eine Lesart, die dein Text nicht hergibt.
Du willst, dass er als historisches Dokument gelesen wird, obwohl er handwerklich und inhaltlich weit davon entfernt ist.
Verstehen kann man ihn – aber nicht so, wie du es gern hättest.

Die Haltung hinter all dem
In deiner Antwort steckt durchgehend dieselbe Bewegung:
Du verteidigst den Text, indem du die Verantwortung verschiebst –
auf die Zeit, auf die Wörter, auf das Verständnis der Lesenden, auf dein Alter.
Was fehlt, ist der Moment, in dem du sagst:
„Vielleicht ist der Text sprachlich und inhaltlich nicht auf der Höhe dessen, worüber er sprechen will.“

Warum dein Gedicht missraten ist
Dein Gedicht scheitert auf mehreren Ebenen:
  • sprachlich — holprige Sätze, schwache Bilder, unsaubere Grammatik, flache Reime
  • inhaltlich — Klischees statt Einordnung, Kulisse statt Reflexion, Gewalt als Hintergrundrauschen
  • historisch — keine Perspektive, keine Distanz, keine Verantwortung im Umgang mit belasteter Sprache

Du schreibst über eine der brutalsten Formen von Gewalt, als würdest du eine alte Geschichte nacherzählen, ohne zu begreifen, was deine Worte heute auslösen.

Taxi, dein Text ist nicht einfach „umstritten“ oder „missverständlich“.
Er ist in seiner jetzigen Form verfehlt – sprachlich, inhaltlich und historisch.

Wer über Menschen schreibt, die entrechtet, erniedrigt und entmenschlicht wurden, trägt Verantwortung für jedes Wort.
Sprache ist kein Spielzeug — sie ist ein Ausdruck von Achtung und Menschenwürde, und genau daran misst man einen Text wie diesen.

Grüße von Xenia



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