Liebe Floris,
das Gedicht arbeitet sehr direkt mit Trauer, ohne Ausweichbewegungen. Die Stärke liegt in der Offenheit: Du benennst Schmerz, Erschöpfung, Wut und die alltäglichen Rituale, die trotzdem weiterlaufen. Das „Nie mehr“‑Inventar ist der härteste Moment, weil es die Lücke konkret macht. Der Stausee als Bild funktioniert, weil er nicht überhöht ist, sondern ruhig und nachvollziehbar.
Handwerklich ist der Text weitgehend stabil. Die freie Form passt zum Thema, weil sie nicht versucht, Trauer in ein strenges Korsett zu pressen. Die Sprache bleibt klar, ohne Kitsch, und das ist wichtig bei einem Stoff, der leicht ins Sentimentale kippen könnte.
Ein ehrlicher, ungeschönter Text, der genau das tut, was er soll: Er zeigt, wie Trauer sich im Alltag festsetzt und trotzdem Wege findet, sich zu ordnen.
Liebe Grüße
Falderwald