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Alt 10.10.2026, 21:04   #7
Floris
Eiland-Dichter
 
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Lieber thommi,

vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich hab gemerkt, dass ich mich in einigen Punkten noch nicht deutlich ausgedrückt habe. Das ist auch sehr schwer, denn du machst eben mal einen Rundumschlag über Gott und die Welt! Ich finde das klasse, bitte nimm das nicht als Kritik!
Den Reflex, dass ein irgendwie geartetes Wesen/Entität/ Karma/ Irgendwas dazu da wäre, unser Leben und zwar das jedes Einzelnen zu beobachten, die Fehler auszubügeln und immer dann zu helfen, wenn wir es von ihm/ihr/es verlangen , das finde ich nach einem mittlerweile langen Leben schon irgendwie kindlich. Genau so kindlich (nicht kindisch!) ist es zu denken, irgendein Wesen würde sich darum kümmern, ob wir Freitags Fisch essen oder ob wir Käse oder Milch zu Fleisch essen. Warum sollte sich solch eine Entität in das Leben der Menschen einmischen? Wir lernen nur durch Fehler und Leid. Das würde ich postulieren wollen. Leid ist unvermeidlich. Es gehört zu diesem Leben und zum Wachsen dazu. Ohne Leid hätte ich nie mehr zu Schreiben angefangen. Das war mir Geschenk und auch Verhängnis.

Du hast natürlich absolut Recht mit deinem Ansatz dass der Mensch auch ohne Kirche in der Lage ist durch Mitleid bewegt zu werden. Aber du schreibst vom vernunftbegabten Menschen. Ich bin vielleicht zynisch, entschuldige, aber ich sehe sehr viele Menschen, die diesen Impuls zu Mitleid sehr schnell zur Seite wischen können. Leider immer mehr. Und ich sehe auch viele Menschen, denen es egal ist, wie es dem Nächsten geht. Vernunftbegabt ist toll, aber ich habe den Eindruck die Intelligenz ist angefressen und auf dem Rückzug.

Dein Nachsatz, dass du das Leben genießen willst "so lange es niemanden schadet" ist gut und richtig. Das meinte ich mit" du kannst das besser". Du hast das konsequent nachgeschärft. Ja das klingt furchtbar von oben herab. Ist aber absolut nicht so gemeint. Ich selbst bin sehr emotional und habe mir erst in den letzten Jahren eine eher rationale Sichtweise angewöhnt. Von daher hast du meine absolute Sympathie für deinen Ansatz.

Und ich bin absolut einverstanden damit, den Kirchen nicht das Monopol auf Liebe oder oder gar Inhalte zu überlassen. Blos nicht! Das setzt aber voraus, dass es außer uns beiden noch mehr und zwar viel viel mehr Menschen braucht, die sich unsere Gedanken machen. Die in der Lage sind, durch Nachdenken und Empathie zu den gleichen Schlüssen zu kommen wie es sämtliche Religionen und Philosophien in ihrem Regelwerk stehen haben. Und ehrlich? Ich schaue mich um und mir graust.

Ich habe selbst nie gedacht, dass ich einmal ein Verfechter der Kirche sein würde. Du hast natürlich absolut Recht dass sie noch niemals ein Bollwerk gegen Faschismus und Unterdrückung (besonders auch die von Frauen !) waren. Allerdings denke ich, je älter ich werde dass Menschen (nicht alle aber doch einige) Führung und einen Kompass brauchen. Nicht jeder hat die Zeit und den Luxus über Gott und die Welt nachzudenken. Und noch einmal, ich möchte keine Kirche promoten, aber ich glaube tief in uns drinnen wollen wir alle etwas glauben. Zumindest dass unser Leben so groß oder klein es ist, nicht umsonst ist. Wir brauchen ein Seil am Berg an dem wir uns entlang hangeln können. Manchmal reißt es wenn wir fallen. Trotzdem ist es oft das Einzige was manchen Menschen bleibt. Und das möchte ich und ich denke auch du niemand nehmen.

Dass es noch echtes empathisches Miteinander gibt, beweist mir dieser Austausch auf das Schönste! Und wenn du eine Idee hast, wie wir die Moral aus den Händen der Institutionen befreien können, dann schreib das bitte, ich bin dabei !

Liebe Grüße und noch einmal danke für die anregende Unterhaltung!
Floris
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