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Alt 07.01.2010, 22:54   #12
Blaugold
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Hallo Medusa

Ich bin nicht so sehr gebildet, ich habe zwar von Herrn Erasmus v.R. gehört, doch kenne ich weder seine Bio, noch seine Schriften.
In deinem Hexameter las ich einiges davon. Ich kann keine Stellungnahme bezüglich seines Wirkens und seiner Erkenntnisse bezüglich des Christentums geben.
Mich interessiert in dem Zusammenhang aber auf jeden Fall die Frage der Erkenntnis, Erziehung und eine Beziehung zu allem, was den Mensch hinsichtlich Religionen oder Überzeugungen ausmacht. Ich halte es im Grunde diesbezüglich für absolut unwichtig, welche Person was dazu geäußert hat, sei diese nun Jesus, Buddha, Mohammed, Luther, der Papst oder sonstwer. Essenziell sind meiner Ansicht nach nur die (vielleicht relativen) Wahrheiten, die zu einem Verständnis des Menschen für sich selbst führen können. Nicht, um Gott oder was anderes "Jenseitiges" zu verstehen oder gar Thesen. Sind gewisse Gebote, die ein Zusammenleben gerecht reglementieren können, nützlich, sollen die Gebote "in Ehren" gelebt werden. Der Mensch entwickelt sich weiterhin. Es ist fatal, archaische Gesetze - die durchaus mal ein zeitgemäßes Regelwerk gewesen sein mögen - einfach "gläubig" weiterzuführen. Gläubig=hörig=dressiert? Oft!
Genausowenig, wie ein zu gewissen Erkenntnissen unfähiger Denkapparat auch nur die geringste Beziehung zu "geistigen" Inhalten, z.B. der Selbsterkenntnis hat, oder die Kompetenz für weitergehende Gedanken zum Sein, genausowenig kann ein "Lehrer", mehr und Weiteres herausfinden, als seine Kompetenz im Grunde reicht. Hat Luther z.B. die "Erkenntnis" oder These aufgestellt, der Mensch sei nur innerhalb von Gottes "Vorsehung" frei, dann liegt der Schluss nahe, er selbst, Luther, kann auch nicht anders frei sein.
Doch ich denke schon, dass der Mensch (nicht gegenwärtig alle) von mehr frei sein kann, als eben Luther, oder Erasmus, oder sonst ein "Gelehrter".
Eine Herangehensweise an die eigenen Beschränkungen des Geistes/Denkens/Überzeugungen/Illusionen etc. ist das Gewahrwerden derselben Strukturen im Denkapparat! Denn zuerst muss ein Mensch gewahr werden, dass er trotz aller Glaubensvorstellungen von Freiheit, Liebe, Individualismus u.drgl. mehr nur Ideen davon hat. Freiheit (im Geist) hat von nichts ein Ideal (das heißt nicht, dass sie sich nicht wie eins verhält), ebenso Liebe, die nicht anerzogen, gelehrt oder bestimmt werden darf, denn sonst ist sie ein Erziehungmassstab, eine verinnerlichte Lehre oder ein Gesetz, das den Geist dahingehend beschränkt, Liebe zu verwirklichen. Auch sämtliche konstruierte Religionen, Philosophien, kulturelle Einbindungen formen das Denken; es ist somit so nie frei!
Käme also einer auf die Hinweise, sich von all dem zu befreien, um zu "sehen", was dahinter ist, ob es was gibt, was Freiheit oder Liebe gerechtfertigt, wäre das eine neue Philosophie oder Religion? Eine These oder Lehre? Ein innovativer Glaube, der den Mensch von den Prägungen befreit?
Nein. Nur eine zusätzliche Prägung, wenn der Mensch darin diese "Erlösung" nicht selbst wahr macht, indem er alle Jahrtausende der Hirnentwicklung in seinem Schädel mitbedenkt.
Was könnte ein Mensch diesbezüglich mitteilen, hätte er solcherart "Freiheit von der eigenen Beschränktheit"?
Wie vermittelt er das anderen? Wo doch dann sofort der Überbringer dieser Erkenntnis zum Heiler erkoren wird, von dem dies in der Manier eines Messias durch Handauflegen oder sonstigen Voodoo gefordert wird?
Eine sogenannte "Innere Revolution", eine Aufgabe von ICH-Inhalten kann nur jeder in sich selbst bewerkstelligen. Wenn ich denn will. Und da beginnt das Loslassen von allem, was mir "heilig, lieb und teuer ist". Nichts davon kannst du mitnehmen in die geistige Freiheit, ins "Jenseits" des Denkens!


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