Schlingensiepe und die Halbwertzeit
Schlingensiepe und die Halbwertzeit
Schlingensiepe, ganz ernüchtert,
Von der Diskussion verschüchtert,
Hat die Hose richtig voll.
Himmel, es steht nicht so toll
Um den Euro und das Alter.
Um das Haus weht schon ein kalter
Wind von Schicksal und von Angst.
Wenn Du um Dein Sparbuch bangst,
Um das, was zurückgelegt,
Wenn sich nichts mehr schmerzlos regt,
Was an Körper ist geblieben,
Bist Du durch die Zeit getrieben,
Hast das Leben recht genossen
Und Dein Pulver fast verschossen,
Sehnst nach Stille Dich und Ruh,
Machst bald Deine Augen zu:
Dann wird’s Zeit, um sich zu sorgen,
Weiß er, ernsthaft um das Morgen.
Halber Schein ist ganzer Schein,
Ist der Schein auch noch so klein.
Lieber als den blöden Euro,
Den man tituliert als Teuro,
Möchte er die D-Mark haben,
Die mit ihren milden Gaben,
Die hat Omma schon gespart.
Sie war sicher, sie war hart.
Das gab damals richtig Zinsen,
Denkt er und muss dabei grinsen.
Heute aber gibt’s nur Steuern,
Die das Leben stets verteuern.
Und die Nachbarn schlemmen heftig,
Finanzieren dieses kräftig
Stapelweis mit neuen Schulden.
Er muss sich jedoch gedulden,
Bis nach jenen ollen Griechen
Auch noch andre furchtbar siechen.
Schluss mit dieser Halbwertzeit!
Er ist die Debatten leid.
Mögen sie auch noch so lästern,
Er will schnell zurück ins Gestern,
So als wär mit den Chinesen
Und den Indern nichts gewesen,
Als wär alles wie vor Jahren,
Wo wir die Weltmeister waren
In Export und Produktion.
Ist vorbei, wen juckt das schon:
Ihm ist das doch schnurz wie Piepe,
Denkt vernagelt Schlingensiepe.
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Dichtung zu vielen Gelegenheiten -
mit einem leichtem Anflug von melancholischer Ironie gewürzt
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Geändert von Walther (27.12.2011 um 14:27 Uhr)
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