Thema: fotoalbum
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Alt 30.12.2011, 16:34   #9
Thomas
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Liebe fee

ich möchte gerne zu deinen Mutterhänden etwas sagen, obwohl ich sicherlich nicht prädestiniert dazu bin, diese Zeilen zu kommentieren. Aber die berühren und interessiert mich.

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es ein Gedicht ist, aber das macht nichts. Der Text vermittelt einen sehr ruhigen und statischen Eindruck, was ja zu der Situation passt. Du betrachtest ein Fotoalbum und stößt auf ein Bild, wo du als kleines Kind der Mutter die Hände hältst. Diese Situation insgesamt könnte schon selbst wieder ein Bild (Symbol) für das Andenken an die Mutter sein (d.h. solch ein Foto muss es gar nicht geben). Ausgelüst durch das (fikitve) Bild entspringt eine Reihe von Bildern, welche die Mutter durch ihre Hände sehen, nur nach und nach tauchen ihre Hüfte, ihre Lippen und ihre Stimme auf und das, was die Mutterhände berühren, erzeugen einen Raum der Geborgenheit, zu dem du als Kind hinzugehörst, nichts Besonderes, das ist es gerade. Indem wir erwachsen werden, fehlt uns diese Geborgenheit und schließlich auch die Mutter/Hände. Die Bilder der Handlungen der Mutterhände zeigen eine Entwicklung vom Pflegen und Erhalten zum Wiederherstellen und Reparieren. Was mich wundert, ist dass die Augen der Mutter nicht vorkommen, nach Hüfte du Lippen in der ersten Strophe warte ich in der Zweiten nach der Stimme geradezu auf die Augen. Ich weiß nicht, ob die Sehnsucht zum Abschluss des Gedichts das entschuldigen kann.

Nun noch ein paar Kleinigkeiten.
Warum 'aufschütteln / und ordnen' und nicht 'aufschütteln und ordnen /'
Warum 'zu einem lächeln - zu leisen liedern - zum weichen klang' und nicht 'mit einem lächeln - mit leisen liedern - mit weichem klang?'

Zu Form wage ich mich nichts zu sagen, außer dass die Sprechphrasen (bis auf die angemerkte Stelle) und die Prosodie schön und ebenmäßig sind.

Liebe Grüße
Thomas

Geändert von Thomas (30.12.2011 um 16:38 Uhr)
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