Servus Erich,
ich finde dieses Gedicht auch ausdrücklich gut gelungen, deshalb komme ich auch noch einmal zurück (Das kennst du ja schon

).
Ich kann deinen Gedankengang bezüglich "in Abendrot" durchaus nachvollziehen und verstehe, was du damit ausdrücken möchtest.
Aber ich finde es stilistisch äußerst ungewöhnlich und umständlich, in einem ansonst nachvollziehbaren Gedicht, das in eine schöne lyrische Sprache gekleidet ist.
Du schreibst:
Zitat:
So sehr vollkommen war kein Tag je wieder
als dieser eine, der uns doch entglitt.
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dann:
Zitat:
Schreibt man "im Abendrot", bezieht man sich auf ein bestimmtes, dem jeweiligen Tag zugeordnetes Abendrot.
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dazu:
Zitat:
Es war ein Tag der Herzen und der Lieder,
und unsre Seelen sangen freudig mit.
Doch ist auch er in Abendrot verglommen
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aber:
Zitat:
Schreibt man "in Abendrot", spezifiziert man nicht, sondern beschreibt nur die Art des "Verglimmens" an sich, quasi rein technisch.
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Das ist nämlich genau der Knackpunkt.
In welche
m undefinierbaren Abendrot ist dieser vorher genau spezifizierte Tag denn nun verglommen?
Mit Fantasie kann ich mich in Abendrot kleiden oder hüllen. Das besagt, ich bekleide mich mit Abendrot.
Doch ich kann nicht in Abendrot tanzen, singen, verschwinden oder sonstige Dinge tun.
Das Abendrot ist nämlich ein momentaner Zustand und ich kann in diese
m Zustand alles tun, also im Zustand des Abendrots.
Sogar verglimmen...
Zitat:
Man sagt ja zB. auch: "in Tagen gemessen", oder "in Meilen ausgedrückt",
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Das stimmt, aber Abendrot ist ein Singular.
Dann müsstest du schreiben: in Abendröten verglommen.
Solltest du noch mal drüber nachdenken...
Liebe Grüße
Bis bald
Falderwald