Gedanken zum Herbst
Gedanken zum Herbst
Auf dem Ast verbrüdern sich
Zwei Krähen und stecken die Köpfe zusammen.
Der Ahorn hat sich entblättert,
Schämt sich aber dafür und trägt die Reste stolz:
Wie so viele Bäume ein Verlierer,
Übt er sich in schwarzem Strich am Himmel.
Das Eichhörnchen verbuddelt
Hastig Walnüsse. Daneben Haselnüsse. Und
Daneben Kastanien. Ein Igel
Kiebitzt. Dann trollt er sich raschelnd. Die
Krähen mögen sich nicht mehr,
Und dem Ahorn ist piepegal, wer da krächzt.
Die Sonne hängt sich in den
Leeren Apfelbaum und stapelt tief. Ihr
Schlagschatten zerfasert sich
Ins Halbdunkel zweier Holzbeuge. Über
Allem tanzen Eintagsfliegen
Letzte Hochzeitspolkas, Hab mich lieb! flügelnd.
Ich lüge mir die Hände in die
Taschen und vergrabe meine Frühlings-
Hoffnungen. Ernüchtert schaue
Ich meiner Atemfahne hinterher und stelle die
Falschen Fragen auf die richtigen
Antworten. Denn ich bin so alt wie das Jahr.
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Dichtung zu vielen Gelegenheiten -
mit einem leichtem Anflug von melancholischer Ironie gewürzt
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Geändert von Walther (30.10.2014 um 10:00 Uhr)
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