Hi Thomas!
Danke für den Tipp - mit "nur" sagt es zwar nicht exakt das aus, was mir ursprünglich vorschwebte, aber im Sinne des Gesamtinhalts und der Aussage ist es sogar besser! Gern genommen!
Die umgekehrten Reime in den Quaretten mache ich öfter so, um die Form ein wenig aufzulockern. Ich denke, das ist sogar erlaubt - aber falls nicht, wär's mir egal ...

Enjambements habe ich öfter mal, auch in Sonetten. Ich lasse mir die Möglichkeiten der Sprache, Fluss und Eleganz nicht gern von in Stein gehauenen "Regeln" einschränken. Für mich geht eigenes sprachliches Geschmacksermessen immer vor sklavischer Befolgung einer Form, sogar vor Vermittlung eines bestimmten Inhalts, den ich eher einem besseren Wortklang unterordne, als um seinewillen die lyrische Anmutung der Sprache zu strapazieren!
Ich sehe es so: Dem Leser späterer Jahre wird es egal sein, welches Thema genau ich am sounssovielten Dings im Jahre Bums exakt bedichten wollte, weil ich es da so beschlossen hatte.
Ihm werden zeitlos schöne und elegante Sprache wichtiger sein als die Überlegung, welcher Gedanke genau den Dichter wohl an einem bestimmten Datum bewegte.
Wenn ich ein Hortensiengedicht von Rilke lese, sinniere ich sicher nicht darüber, ob er an jenem Tage nicht vielleicht eigentlich Tulpen bedichten wollte, doch das Werk geriet ihm dann doch anders ... - ich freue mich einfach nur an der wunderbaren und klingenden Sprache, die rund und harmonisch fließend beschreibt.
Viele Autoren, denen ich Vorschläge zur Verbesserung der Sprache machte, die den Inhalt auch nur geringfügig verschoben oder geändert hätten, ereiferten sich - für mich unbegreiflich - darüber, dass es unmöglich für sie sei, von der einmal gewählten Thematik abzuweichen - ja, sie schienen es gar als eine Art Verrat an ihren Intentionen zu betrachten!
Für sie stand immer der zu vermittelnde Inhalt im Vordergrund, das Gedicht war nur ein gewähltes Transportmittel dafür.
Ich sehe es anders herum: Mir geht es - meist - um das vollendet gelungene, in sich bündige Gedicht an sich, ein Feiern der Schönheit der Sprache - sozusagen um die Dichtkunst selbst. Inhalt und unreflektierte Formentreue sind da nachrangig.
Mal sehen, welcher Angang letztlich zu nachhaltigerer Lesertreue führt ...
LG, eKy