Thema: Vollendet
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Alt 27.05.2016, 11:23   #5
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Thomas!

Zitat:
Zitat von Thomas Beitrag anzeigen
Der Inhalt dieser "Bilder" ist insofern wichtig, als sie eine Metapher erzeugen, man kann auch Symbol sagen, wenn man das Rechte darunter versteht. Die schöne Sprache und die poetischen Bilder bedingen und tragen sich gegenseitig. Schöner Klang alleine wäre leer, schöne Bilder allein nicht zu verstehen.
Du missverstehst: Ich gebe dir hierin Recht, denn das wollte ich gar nicht damit sagen - natürlich gehen Sprache und transportierter Inhalt Hand in Hand!
Nur WELCHE Inhalte dies letztlich sind, ist der lesenden Nachwelt egal, vor allem mit größerem Abstand zu aktuell bedichteten Tagesgeschehnissen/-erlebnissen.
Wenn ein Dichter die bestmögliche Form seiner lyrischen Sprache opfert, weil er so an seiner einmal gefassten Thematik klebt, dass er der Lyrik zuliebe nicht mit- oder umzudenken vermag, sollte sich diese Notwendigkeit erweisen, und er sein gedankliches Konzept partout nicht verlassen möchte, tut er der Poesie an sich oft nichts Gutes.
Es sind die Gedichte, die - vereinzelt - die Zeiten länger überdauern als ihre Schöpfer, nicht die darin vertretenen Standpunkte oder Ergüsse zum Zeitgeschehen. Es ist die Lyrik selbst, die überlebt.
Goethe schrieb viele sehr durchdache Gedichte - aber wieviele kann man nennen? Nur die paar, die so gut waren, dass es eine Leserschaft für wert befand, sie weiterzutragen! Der Inhalt dieser Werke ist dabei beliebig, es geht nur um die vollendete Sprache, die einen Inhalt vollendet beschreibt - welcher das auch sei.
Darum ist mir das Werk meist wichtiger als das, was es beschreibt, oder was ich mir beim Schreiben zu jenem Thema dachte, oder wie wichtig es mir gerade da war. Der Inhalt folgt dem Sprach- oder Gedankenfluss beim Dichten, nicht umgekehrt!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
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Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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