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Alt 03.09.2016, 00:40   #4
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Dana, Sy!

Das Ganze hat etwas bildlich Märchenhaftes. Es ist der Mann, der Wilde, das Tier, das von Wärme, Geborgenheit und Liebe gezähmt sein will. Ein leicht verschlüsseltes Gleichnis.
Ich wollte es betont flüssig schreiben, mit langen, zeilenübergreifenden Sätzen.

Aus dem Dunkel, der Kälte, der Angst dieser Welt (stürmische Nacht) bittet ein Liebender/ein zu Rettender sein Mädchen, ihm ein Licht (Symbol für Geborgenheit, Rettung) ins Fenster zu stellen und die Tür unversperrt zu lassen, sei es ins Haus oder in ihr Herz, damit was an Eis aus Schuld, Reue und Weh sich um ihn angesammelt hat, in ihrer warmen Umarmung, sprich Liebe, schmelzen kann.

Früher war es geläufig, schöne junge Frauen als "schönes Kind" oder "mein Kind" anzusprechen, vor allem wenn die Adressanten oder Bewunderer, wie damals üblich, älter als die junge Frau waren.
Das hat mit dem früheren Frauenbild zutun, das ihnen lebenslange Naivität und beschränkte Intelligenz unterstellte. Da lag es nicht fern, ein junges Mädel auch noch mit Mitte Zwanzig "mein Kind" oder "gutes Kind" zu rufen. Das galt sogar als galant, teilte man der Adressatin damit doch mit, dass man sie noch als jung und faltenfrei erkannte, also wurden zuweilen auch ältere Frauen so gerufen, wenn man ihnen ein indirektes Kompliment machen wollte.
Ihr dürft nicht glauben, dass sich damals alle Kerls insgeheim boshaft die Hände rieben: "Immer schön demütig und gehorsam halten, die Weiber!" An dem damaligen Voksglauben, verursacht durch Jahrtausende männlicher Dominanz, war nichts Boshaftes. Man wollte die Frau nicht als solche herabwürdigen, man dachte aufrichtig, dass der Mann einfach klüger, begabter und willensstärker sei. Es war ebenso wenig kränkend gemeint, als wie wenn man zu einem Stein sagte: "Du bist ein Stein!" Es war anerkannte Ansicht, kaum jemand stellt es jahrhundertelang in Frage. Klar, aus heutiger Sicht unseres Kulturkreises ein Vorurteil, unbedacht - aber damals wusste man eben vieles noch nicht, was heute jeder Schüler lernt!
Ich bin sicher, in 200 Jahren wird man milde lächelnd auf unsere Zeit zurückblicken und sich wundern: Warum haben die so einen Schwachsinn voneinander geglaubt!? Das müssen die doch mit Absicht gemacht haben, weil sie nach einem Grund für Unterdrückung oder Ausgrenzung suchten!

Und natürlich brauchte ich einen brauchbaren Reim auf "sind" ...

Weil meine Zeilen an alte Texte solcher Art erinnern, bediente ich mich dieses Ausdrucks. Mit Sex mit Minderjährigen hat das nichts zu tun, und Mutter war natürlich auch keine gemeint.

LG, eKy
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