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Alt 11.12.2018, 21:01   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
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Standard Eiländische Prinzipien

Jeder sieht das, was er sieht, jeder besitzt seine subjektive Wahrnehmung und Weltanschauung.
Die Geister scheiden sich an Ideologien, die sich hauptsächlich in religiösen und politischen Überzeugungen nach außen wiederspiegeln.
Daraus entwickeln sich gesellschaftliche Moral- und Ethikvorstellungen, die zwar gemeinsame Schnittmengen bilden, jedoch außerhalb dieser oftmals zu Kontroversen und Konflikten führen, weil das Ganze ein sehr komplexes Spektrum ist.
Deshalb braucht das gesellschaftliche Zusammenleben Regeln, die im Allgemeinen durch Verfassung und Gesetze eines Landes festgelegt werden.
In Deutschland ist dies das Grundgesetz, auf dem auch alle anderen Gesetze beruhen.

Ich habe eine Mail im Namen einiger zum Teil langjähriger Mitglieder dieses Forums erhalten, die ihren Rückzug aus dem Eiland ankündigen.
Sie seien nicht länger bereit, ihre Texte neben rechtsradikalen und tendenziell fremdenfeindlichen Aussagen hier zu veröffentlichen.

Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, bestimmte Fäden und Beiträge der letzten Monate (noch) einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Es gab dort einiges zu lesen, was meine Zustimmung fand und anderes, mit dem ich meinungsmäßig nicht konform gehen konnte.
Aber keine der gesichteten Aussagen enthielt einen Gesetzesverstoß oder entsprach einem Straftatbestand, der ein Eingreifen und damit eine Zensur gerechtfertigt hätte.

Wer ein politisches Thema in einem Diskussionsforum startet, erwartet im Allgemeinen eine Reaktion darauf.
Nicht immer fallen solche Reaktionen positiv aus, es kann auch Widerspruch und Kritik geben, oftmals sogar sehr kontrovers, denn die Meinungen zu bestimmten aktuellen Themen gehen weit auseinander. Damit muss gerechnet werden.

In einer funktionierenden Demokratie müssen solche Diskussionen geführt und Meinungsäußerungen getätigt werden können.
Vor einer Demokratie, in der das nicht möglich ist, hätte ich Angst.

An dieser Stelle möchte ich einmal betonen, dass ich sehr stolz auf unser Land bin. Ich bin stolz darauf, dass wir hier so vielen Menschen wie kaum ein anderes Land auf dieser Welt geholfen haben, obwohl dies nachweislich zu vielen Problemen, auch gesellschaftlicher Art, geführt hat. Darüber muss man reden dürfen.

Weiterhin bin ich stolz auf unser tolerantes Grundgesetz, was dieses alles erst ermöglicht hat. Ich bin fast geneigt zu sagen, es findet sich auf dieser Welt kein Vergleichbares.

Und ich bin stolz darauf, dass die AfD zwar inzwischen in allen Parlamenten vertreten ist, aber eine Regierungsverantwortung bisher verhindert werden konnte, während in anderen Ländern ihre entsprechenden Pendants schon längst das politische und gesellschaftliche Geschehen mitbestimmen und -gestalten. Das würde meinem Gewissen arge Probleme bereiten.

Aber, um diese Freiheit zu erhalten und zu verteidigen, dürfen andere Meinungen nicht unterdrückt werden.

Also möchte ich den Beschwerdeführen mitteilen, dass ihre Abmeldung zwar einen herben Rückschlag im zehnten Jahr seines Bestehens für dieses Eiland bedeuten würde, und ich das auch sehr traurig fände, doch da ich fest zu unserem Grundgesetz stehe und mich diesem verpflichtet fühle, ist der Artikel 5 desselben nicht verhandelbar.


Ratzeburg, 11.12.2018

Falderwald


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Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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