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Alt 13.10.2017, 22:03   #1
richmodis
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 17.09.2017
Ort: "Schäl Sick"
Beiträge: 31
Standard Telemann-Kantate ("Machet die Tore weit")

Herr Georg Philipp Telemann
ist tot, erfuhr ich, doch er kann
uns arme Sopranisten-Seelen
auch leblos mit Kantaten quälen.

Nun denn, ich mach die Tore weit,
Herr, starker, mächtiger (im Streit)
Und auch die Türen mach ich hoch.
Geh durch! Wie lange brauchst du noch?

Der Bass steuert die Frage bei,
Wer denn der selb´ge König sei
Der Alt setzt ein nach den Tenören
Es folgen Töne, die verstören.

Statt meinen Einsatz, sozusagen,
hör ich mich: "Wat wor dat dann?" fragen.
Schon spür ich (ich finds überzogen)
der Anne ihren Ellenbogen.

Der Dirigent: "Guckt nicht nur Noten!
Schaut zwischendurch auf meine Pfoten!"
Die Judith sagt: "Ich kann nicht beides.
Doch werd ich angesichts des Leides

zur Optimierung dieses Ganzen
Gucklöcher in die Noten stanzen."
Karl-Heinz, Tenor, lacht fast hysterisch,
ein Augenrollen kommt von Erich.

Der Chor beginnt jetzt in vier Stufen
Herrn Zebaoth laut auszurufen,
damit der durch die Tore schreitet
und Gläubigen das Herz erweitet.

Das Sela - sehnsüchtig erwartet -
ist heut tonal nur leicht entartet.
Derweil meint hoffnungsvoll der Jochen
"Nun denn, wir haben noch vier Wochen

zum Proben dieses Telemannes."
(Der hat gut reden, Jochen kann es!).
Die Probe endet heute zeitig.
Man lobt sich artig gegenseitig

und geht danach noch einen trinken,
dann ab nach Haus, ins Bettchen sinken.
Schon bald erscheint der Herr der Hehren
im Traum mir, um sich zu beschweren,

wir hätten heut so falsch gesungen.
Es hätt ganz fürchterlich geklungen.
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