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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
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Die letzte Pointe
Ort ein kleines, altes Theater in einer kleinen alten Stadt. Das Knarren, wenn der alte Vorhang aufgezogen wurde, lies die Zuschauer verstummen, denn jetzt kam der Moment, auf den sie alle gewartet hatten. Der Grund dafür war ein alter Mann namens Emil. Er war weder berühmt noch reich. Seine Anzüge waren geschniegelt, aber längst aus der Mode. Sein grauer Schnurrbart zitterte jedes Mal ein wenig, wenn er lächelte. Und dennoch warteten die Menschen sehnsüchtig auf ihn. Denn Emil erzählte keine gewöhnlichen Witze. Er sprach über das Leben. Er begann jeden Abend mit ernster Miene. Das Publikum wurde still. Dann sagte er einen einzigen Satz und plötzlich lachte der ganze Saal. Nicht, weil der Satz besonders komisch war. Sondern weil jeder darin ein kleines Stück seines eigenen Lebens erkannte. Einmal sagte Emil: Das Leben ist wie ein Regenschirm. Man trägt ihn den ganzen Tag mit sich herum und wenn es endlich regnet, hat man ihn zu Hause vergessen." Der Saal tobte. Ein anderes Mal meinte er: Die meisten Menschen suchen das Glück überall auf der Welt. Dabei sitzt es oft schon seit Jahren zu Hause auf dem Sofa und wartet nur darauf, dass jemand es endlich bemerkt." Da lachten manche andere nickten nur nachdenklich. Nach einer Vorstellung fragte ihn ein junger Journalist: Herr Emil, warum erzählen Sie eigentlich Witze?" Der alte Mann lächelte. Weil ein Lächeln Türen öffnet, die kein Schlüssel der Welt öffnen kann." Und warum wirken manche Ihrer Geschichten so traurig?" Emil blickte einen Moment schweigend in den leeren Zuschauerraum. Weil jedes ehrliche Lachen einen kleinen Bruder hat. Der heißt Wehmut." Der Journalist verstand zunächst nicht. Erst viele Jahre später begriff er, was Emil gemeint hatte. Menschen lachen oft nicht über andere. Sie lachen über sich selbst. Über ihre kleinen Missgeschicke. Über die Dummheiten der Jugend. Über den Stolz, der sich später als Unsinn herausstellt. Über die Liebe, die sie einst verrückt machte. Und manchmal lachen sie sogar über ihr eigenes Alter, weil die Alternative wäre, nur noch über die Vergangenheit zu weinen. Eines Abends blieb Emil nach der Vorstellung allein auf der Bühne sitzen. Er schaute in die leeren Reihen und sagte leise: Wenn die Menschen heute fröhlicher nach Hause gehen als sie gekommen sind, dann war dies ein guter Tag." Der Hausmeister hatte diese Worte gehört. Sie müssen der glücklichste Mensch der Welt sein." Emil schüttelte den Kopf. Nein. Ich bin nur jemand, der gelernt hat, dass ein Lächeln kostbarer sein kann als Geld." Am nächsten Samstag blieb der Vorhang geschlossen. Ein kleines Schild hing an der Tür: Heute keine Vorstellung. Emil ist friedlich eingeschlafen. Viele Besucher standen schweigend davor. Niemand erzählte einen Witz. Niemand lachte. Da trat ein kleines Mädchen zu seiner Mutter und fragte: Warum weinen die Leute?" Die Mutter antwortete: Weil einer gegangen ist, der ihnen das Lachen geschenkt hat." Das Mädchen überlegte einen Augenblick. Dann lächelte sie und sagte: Dann sollten wir heute für ihn lachen." Und tatsächlich begann zuerst ein leises Kichern. Dann lächelten zwei Menschen. Dann zehn. Schließlich lachte der ganze Platz. Nicht laut. Nicht ausgelassen. Sondern voller Dankbarkeit. Denn sie hatten begriffen, was Emil ihnen sein ganzes Leben hatte sagen wollen: Ein guter Witz vergeht. Ein herzliches Lachen bleibt. Und wer einem Menschen ein Lächeln schenkt, hinterlässt mehr als Worte, er hinterlässt eine Erinnerung, die selbst die Zeit nicht auslöschen kann. Tage ohne ein Lachen, sind verlorene Tage. |
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