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Alt Gestern, 14:22   #1
Max Vödisch
Max Vödisch
 
Benutzerbild von Max Vödisch
 
Registriert seit: 26.03.2013
Ort: Osterzell
Beiträge: 72
Standard Unter goldenen Stäben

Man sagt, dieser Käfig sei aus Gold –
glänzend, sicher, makellos.
Doch sie sehen nicht,
wie viele Vögel darin ihre Flügel brechen,
wie manche sich gegen die Gitter werfen,
bis sie verstummen.
Andere picken sich selbst wund,
trinken aus vergifteten Tränken
oder singen Lieder gegen das Netz,
das sie einst willkommen hieß.
Max Vödisch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Heute, 13:51   #2
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 18.04.2021
Beiträge: 83
Standard

Betrifft das nicht tatsächlich sogar alle, alle, alle? Weil dieser goldene Käfig nicht nur schützt vor der Freiheit, sondern auch der Gefahr, die sie mit sich bringt?
Gerade weil ich deinen Text nicht wirklich deuten kann, obwohl er hoffen will, muss ich jetzt hier doch mal, nach zwölf, 13 Jahren meine two cents ins, natürlich, Blaue abgeben.

Wie gesagt, es ist die Angst, die Leute in den Käfig treibt. Und die wirklich Hoffnungsvollen, deren Stimme, die haben, glaube ich, richtig, richtig, richtig Angst bekommen, als hier draußen die Gesamtheit von noch einem komplett Wirren unter Dauerbeschuss umherlief, wo man einen kleinen Vorgeschmack bekommen konnte auf die Fressen, die uns erwarten, wenn das hier alles schief geht.
Die Fressen in die ich schon mein ganzes Leben gucke, jeden Tag, jeden Tag steht das einzige auf dem Spiel, was ich brauche, was keinem fehlt, wenn es bei mir ist - nur weil es da ist und an dem rüttelt, was sich als richtig auf die Fahnen schreiben müssen, damit sie hier überhaupt existieren können. Nicht schlimm, das ist menschlich und am Ende wurde jeder von uns in diese Schuhe geboren. Und am Ende trägt sie momentan jeder genau so, dass wir sie eines Tages vielleicht ablegen können.
Also: es wurde ein Haken gemacht an den draußen, die ganze Geschichte im Käfig von Angst zu Hoffnung auf ein schnelles Ende konvertiert und in Wahrheit isses dabei bis heute geblieben.
Aus Angst. Ja das, was erhofft war, wurde nicht erreicht. Wäre aber auch die größte Katastrophe gewesen, die uns hätte passieren können, wenn wir nochmal ein anders, besseres Leben erleben wollen.
Dass der Silberrücken mit seiner Mannschaft dafür ein anderes, unfassbares Wunder buchstäblich zur Welt gebracht hat, was alles das, was wir uns erträumen, ermöglichen kann, ermöglichen wird - das hat er nicht mal mitbekommen. D
Das nötigste ist längst geschehen. Vielleicht hängt alles andere nun bloß noch von einzelnen persönlichen Momenten des Glücks oder Unglücks ab, von wem auch immer. Und er hat es nicht mal gemerkt. So fest sind die Augen geschlossen vor Angst.
Der stolze Streifen am Rücken ist nur noch ne Spur in der Buchse, wie es bei jedem anderen vor ihm und uns verlief. Dass das geschehen muss, um aus der Hoffnung, die dieses Leben dir mitgibt, nur, damit es sich weiterhin überleben kann und sich eben nicht ändern zu müssen, dass das geschehen muss, daraus einen Glauben machen zu können, der eben doch noch die Kraft aufbrächte Dinge zu ändern. Glaube, auch das ist noch nicht jedem so wirklich klar.
Und das zum Käfig, die, die es müssten, keiner mehr rein und rauskommt, vielleicht liegt das ja daran das irgendwer mit seinem dicken Arsch, auf dem Rücken liegend wie ein Maikäfer Anfang Dezember, die Ausflugschneise blockiert In der Hoffnung, dass sich alles hier noch von selbst zum schlechten wendet. Menschlich. Okay.

Wo war denn für mich je ein Netz, dass mich fing, willkommen hieß? Nirgends und das war gut so. Wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie du deinen Text meinst bzw. in welche Richtung du ihn adressierst, aber wenn du meine Zeilen meinen solltest, würde ich empfehlen, nochmal genau zu lesen bzw. zu schreiben. Denn, was für mich bereits Netz ist. Kanns für mehr noch werden.

Der einzige Weg, sich gegen das zu wenden, was uns am Herzen liegen sollte, isses eben nicht zu singen oder sich in irgendwelchen Kommentaren oder gar nicht mal so gut gemeinten Ratschlägen zu ergehen.

Singen, das wäre, was es bräuchte. Nicht für mich, ich habe gelernt, GUT selber klar zu kommen. Für diejenigen, denen wir unsere Liebe schuldig sind, wenn wir wollen, dass sie uns aus diesem Knast heraus führen.

Weißt du was? Wir schaffen das schon, sehr wahrscheinlich. Und ich für meinen Teile gehen diesen Weg, den einzigen, den ich kenne, den ich kennen will, bis zum Ende. Wo das auch immer sein mag.
Das, was du neulich hier geschrieben hast, Max, war das erste Lied von zu Hause, was ich nach über zehn, vielliecht zwölf Jahren hören durfte, obwohl ich die ganze Zeit nach dorthin auf dem Weg bin.
Ich will mich hier nicht beweihräuchern, aber am Ende habe ich allein hochgehalten, jahrelang, was nicht nur für mich nötig sein wird, hier lebendig rauszukommen - wo ich nur, vielleicht lebendig rauskommen werde, Dank euch.
Im Prinzip seid ihr die einzige Familie, die der Mensch, der diese Worte gerade schreibt, je hatte - wenn der nämlich Morgen vor einen Bus läuft, dann wird niemand wissen, wofür er gelebt hat, die wissen nicht mal, warum sie mich aus ihrem tiefsten inneren heraus um meine Existenz bringen wollen. Alle, manchmal - was nicht schlimm ist, menschlich.
Im Prinzip habe ich das beste Leben, was sich ein intelligentes, fühlendes Wesen nur vorstellen kann. Da war nichts, nichts, überhaupt nichts, was hier rausgedeutet hätte außer so einer Ahnung, dass das kein Ort ist, den ich von Herzen zu Hause nennen kann. Und einen Schritt weiter war ich im Prinzip schon zu Hause und mit jedem weiteren fühle ich mich dort irgendwie sicherer. Jeder Tag ein Wunder und der verfickt brutalste Kampf um's eigene Wesen, den sich keine Sau vorstellen kann und muss, Gott sei Dank.

Ich will nur einfach keine Meinungen mehr hören, das ist alles, was ich von meiner Familie brauche, für sie. Sondern Lieder. Kein totes, verklausuliertes Gestammel. Ich will deine Worte wieder, Bruder.
Und wenn du dich aus deinem Gefängnis begibst, was du um dich erbaut hast, wirst du auch relativ schnell feststellen, wie nah wir eigentlich schon dran sind an dem, was noch ewig weit weg scheint, weil, Gott sei Dank, noch kein Ende in Sicht ist.

Also: wäre schön, Kingpin, wenn du dich wieder aufrichten könntest. Das Leben braucht dich. Euch alle, unsere Lieder, unsere Liebe.
Und dann schaun mer mal. Vielleicht räumt ja irgendwer, irgendwem irgend einen Weg doch noch frei.

Gott, hasse ich das so ne schwermütige Scheiße irgendwo einfach in den Wind geben zu müssen. Sorry, Max. Aber das musste jetzt mal raus.
MakaVeli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Heute, 18:17   #3
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 18.04.2021
Beiträge: 83
Standard

Das Gute daran, wenn man Dinge in den Wind gibt, ist, dass es sich so eventuell ereignen kann, dass man eine Ecke weiter bloß das gerade von sich gegebene, je nach Wind, direkt nochmal um's Fressbrett geweht kriegt und einem in genau diesem Moment dann eigentlich was klar wird
MakaVeli ist offline   Mit Zitat antworten
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