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Liebesträume Liebe und Romantik

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Alt 21.05.2011, 19:55   #1
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
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Standard Rosenstolz

Rosenstolz


Es spricht nichts gegen diese tiefe Liebe,
Die mich umfängt mit einem warmen Hauch.
Ich frage mich: Empfindest Du das auch?
Die Zeit verrinnt, verschwindet im Getriebe

Des Alltags. Worte altern durch Gebrauch:
Du würdest mir doch glauben, wenn ich schriebe,
Dass ich Dich immer liebe? Dass ich bliebe,
Wenn keiner bleibt? Der alte Rosenstrauch,

Mein Schatz, treibt neue schwere rote Blüten,
Schlägt aus dem schartig harten Wurzelholz -
Selbst wenn die Winterwinde eisig wüten,

Bleibt diese Rose kämpfend schön und stolz:
Ihr Laub ist kraftvoll und so scharf ihr Dorn!
Ich habe mich an sie, an Dich, verlorn!
__________________
Dichtung zu vielen Gelegenheiten -
mit einem leichtem Anflug von melancholischer Ironie gewürzt
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Geändert von Walther (23.06.2011 um 19:24 Uhr)
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Alt 23.06.2011, 14:16   #2
Stimme der Zeit
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Beiträge: 1.836
Standard

Hallo, Walther,

dieses Sonett gefällt mir gut, allerdings bin ich nicht sicher, ob ich den Inhalt richtig verstehe. Ich lege es einfach so dar, wie ich es "verstehe".

Meiner Meinung nach handelt es sich hier entweder um eine "einseitige" Liebe oder, was ich eher vermute, um ein LyrIch, das an der Wahrhaftigkeit der Gefühle des LyrDus große Zweifel hat. Beide scheinen seit längerer Zeit zusammen zu sein. Weshalb die "Betonung" auf: Es spricht nichts gegen diese tiefe Liebe?

Offenbar sieht das LyrIch keinen Grund bzw. kein Hindernis, weshalb diese Liebe nicht sein sollte. Stellt der "warme Hauch" nur das eigene Empfinden dar? Emittiert keine Wärme von Seiten des LyrDu?

Der "Alltag" lässt die "Worte altern", glaubt also das LyrIch, es hätte sie schon zu oft verwendet, und fürchtet, das LyrDu könnte ihnen mittlerweile keinen Glauben mehr schenken?

Zitat:
Du würdest mir doch glauben, wenn ich schriebe,
Dass ich Dich immer liebe? Dass ich bliebe,
Wenn keiner bleibt?
Hier "empfange" ich beim Lesen ein starkes Gefühl der Unsicherheit, ja, beinahe Ängstlichkeit.

Offensichtlich wird befürchtet, der Partner/die Partnerin könnte "verloren werden". Ein "Überzeugungsversuch", denke ich.


Zitat:
........................Der alte Rosenstrauch,
Mein Schatz, treibt neue schwere Blüten,
Schlägt aus dem schartig harten Wurzelholz -
Selbst wenn die Winterwinde eisig wüten,
Der "alte Rosenstrauch" symbolisiert m.E. nach den "Grundstock" der Liebe, die Liebe selbst ist der "Schatz", denn er treibt auch nach einem "eisigen Winter mit wütenden Winden" neue Blüten, selbst wenn das "Holz" im Laufe der Zeit "schartig und hart" geworden ist. Was mich wieder an das (vermutete) Verhalten des LyrDu denken lässt.

Zitat:
Bleibt diese Rose kämpfend schön und stolz:
Ihr Laub ist kraftvoll und so scharf ihr Dorn!
Ich habe mich an sie, an Dich, verlorn!
Für mich ist hier wieder die Rede vom LyrDu, symbolisiert durch die Rose. "kämpfend", "schön", "stolz", "kraftvoll"- und mit "scharfem Dorn" ausgestattet. Das scheint mir eine sehr starke und unabhängige Persönlichkeit zu sein, wahrscheinlich sind es diese "Eigenschaften", die im LyrIch Befürchtungen erwecken.

Gleichzeitig dient diese Metapher auch der Darstellung des Wesens der Liebe selbst, denn: Es scheint eine starke, aber auch verletzende Liebe zu sein. Diese Rose hat Dornen ...

Das LyrIch hat sich selbst "verloren", sowohl an die Liebe als auch an das LyrIch. Ist er/sie bereits so "abhängig", dass es den Verlust so fürchten muss? Kann er/sie nicht mehr "ohne" sein?

Ein emotional sehr komplexes, tiefsinniges Liebesgedicht, das du hier geschrieben hast. Aber mit Wörtern und Bedeutungsebenen kannst du ja sehr gut umgehen, wie ich im Laufe der Zeit bereits bemerkt habe.

Ebenso gefallen mir die gut platzierten Enjambements, die Alliterationen, die Assonanzen und, vor allen Dingen, dein gekonnter Umgang mit Vokalen. In Strophe 1 hast du in Vers 1 und 3 nur die Vokale e, i, und ie. "Diese tiefe Liebe" () umarmt den "Zweifel", meine Hochachtung vor deinem Können, wahrscheinlich erkenne ich nicht alles. Von einigen stilistischen Mitteln weiß ich wohl auch den Namen (noch) nicht. In diesem Bereich gibt es für mich noch viel zu lernen, aber das Lesen deiner Gedichte ist ein guter "Unterricht".

Da ich, bei dir mittlerweile leseerprobt, nicht mehr von Fehlern ausgehe:

Weshalb geraten in den Terzetten sowohl die Silbenzahl als auch Reimschema und Kadenzen "aus dem Takt"?

1. Strophe: abba - 11/10/10/11 Silben, Kadenzen: wmmw
2. Strophe: baab - 10/11/11/10 Silben, Kadenzen: mwwm
3. Strophe: cdc - 9/10/11, Kadenzen: wmw
4. Strophe: dee - 10/10/10, Kadenzen: mmm

Ich vermute, das steht im inhaltlichen Zusammenhang, dennoch komme ich nicht ganz hinter deine Intention.

Es wirkt ein wenig "unharmonisch", obwohl mmm in der letzten Strophe doch eher auf "Harmonie" hindeutet.

Möchtest du die Widersprüchlichkeit unterstreichen? Vor allem die Bedeutung der 9 Silben erschließt sich mir nicht, denn dort sind es auch nur 4 Hebungen - das "empfinde" ich als, nun ja, irgendwie "störend", da die Struktur ansonsten einwandfrei ist. Andererseits kannst du damit auch genau diese Reaktion beabsichtigt haben, das weiß ich natürlich nicht. Erklärst du es mir?

Eine kleine "Anmerkung" habe ich aber doch: "verlorn" und "Dorn".

Auf jeden Fall: Sehr gerne gelesen und durchdacht.

Dämonisch liebe Grüße

Stimme
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Stimme der Zeit ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.06.2011, 14:38   #3
wolo von thurland
Gast
 
Beiträge: n/a
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hallo walther
die "stimme" macht ihre arbeit,
und das ist wohl in ordnung.
hab leider nicht so viel zeit
nur grad für die bemerkung:
das sollte man so lassen
denn hier zeigt sich der meister
in den so netten klassen
dies ist kein scheibenkleister!
brauchst gar nichts neu zu fassen.
die unregelmässigkeiten unterstreichen nur den souveränen umgang mit form, sprache und inhalt.
gruss von wolo
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Alt 24.06.2011, 20:50   #4
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 3.210
Standard

Liebe Sitmme der Zeit,

in der Tat hast Du einen Stockfehler gefunden, den bisher keiner entdeckt hat. Danke dafür. Der Vers 9 ist repariert.

Die beiden Terzette sind etwas unrund. Hier hat die Inhalt die Form besiegt und der Autor akzeptiert, daß er dieses Gedicht hinten raus nicht ganz rund bekommt. Soviel Ehrlichkeit muß sein! Ich dachte in meiner gelegentlich aufkommenden Überheblichkeit - hatten wir das nicht andernorts gerade -, daß das Gedicht sonst gut genug sei, daß es diese Schwäche mit Würde (durch)trüge. Nun gut, der Dichter gesteht ein: Bei der Ansprochenen hat das Gedicht zum Geburtstag sogar in der fehlerhaften Form wenigstens etwas Freude ausgelöst, ist es schließlich eben doch ein selbstgemachtes Geschenk (und ein einmaliges dazu, denn dieses etwas vergeratene Sonett ist ja eben doch eigenhändig ausgedacht und mit gewissen Mühen gefertigt, die beiden Terzette waren schweißtreibend und sind eben immer noch nicht ganz "fertig").

Nun denn. Das Gedicht ist wie ein alter Rosenstock. Nicht so richtig symmetrisch, ein bißchen stachelig. Und von weitem doch ganz ansehnlich. So verstehe ich Deinen Eintrag. Und dafür habe vielen herzlichen Dank!

Danke auch für Deine ausführliche Ausarbeitung und Deine Betrachtungen zum Text im Einzenlen! Es ist immer wieder erstaunlich, was für Gedanken und Interpretationen die eigenen Texte bei Lesern auslösen, und es ist wichtig zu verstehen, wie die eigene Sprache wirkt, weil man nur so vorankommt.

Frohes Dichten und Werken!

LG W.

Lb. wolo,

lieben Dank für Deinen Zuspruch! Es gibt nichts, was nicht besser werden könnte; und hier ist in der Tat noch einiger Raum dazu.

LG W.
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