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#1 |
TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Und wieder wird ein Tagerheben,
das mein erneuertes Erleben wie ein Geschenk empfangen will. Ein Glühen sintert Himmelweiten, die Dunkelheit zu überbreiten, die darin flutet, ernst und still. Zart röten sich die Sterntapeten schon wie von lichter Zauberhand im kühlen Ost: Wie lang erbeten von allem Wachsenden im Land. Wie hell der Sonne frühes Licht durch grüne Kronensäume bricht, als wüchse aus der Seligkeit der jungen Welt ein Wunderblick zurück an fernes Kinderglück aus krausem Faltenwurf der Zeit und trüge es mit sich empor, den neuen Tag damit zu krönen, um wie mit tausenden davor sich freudestrahlend auszusöhnen. Ach, reichtest du doch immerzu mein Herz - erwachter Morgen du - an jedes unentdeckte Land, in dem nicht unverhoffter Tod es fände unter Schmerz und Not, bevor es voll ist - bis zum Rand!
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (17.05.2018 um 20:34 Uhr) |
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#2 |
gesperrte Senorissima
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Pfalz
Beiträge: 4.134
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Lieber Erich Kykal,
nach Zeit hätte ich das Komma weggelassen. Nach Ach in der letzten Strophe eins gesetzt. Du hast in der letzten Strophe mit den Ausrufezeichen gegeizt.... warum? Sie hätte es vertragen. Was soll ich sonst noch schreiben? Du bist ein Wortschöpfer vor dem Herrn. Leier-cyparis |
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#3 |
TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi, Leier!
Das Komma nach Zeit - ich hatte es gesetzt, weil ich befürchtete, der Satz könnte ohne weitere Strukturierung manchen zu lang werden - ist weg. Nach "ach" wollte ich erst keines - dort würde mich eine Pause eher stören, dachte ich - aber Dank deiner Anregung gefällt es mir nun sehr gut so. Mit Rufzeichen bin ich immer sehr geizig und vorsichtig. Allzuleicht nutzen sich solche Zeichen ab. Vielen Dank für deine Tipps. Und natürlich deine unverbrüchliche Lesertreue und dein Lob. LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (03.12.2009 um 12:17 Uhr) |
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#4 | |||
Gast
Beiträge: n/a
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Hallo eKy,
ein schönes Gedicht - aber einige fromelle Fragen verursachend. Falls ich mich nicht irre widersetzt du dich hier und da dem üblichen Sprachrhythmus: Zitat:
Zitat:
Zitat:
Wie gesagt, nur ne unsichere Frage. EKy ist ja ein Qualitätssigel. ![]() LG, Abraxas |
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#5 |
TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi, Abraxas!
Bis auf genau diesen Punkt! Ich muss es immer wieder betonen: Ich schere mich nicht um Metrikregeln - ich könnte Trochi, Jambi oder (Ptero)daktylus ![]() Ich bin ein reiner "Gespürdichter" ohne tieferes Wissen um Fachtermini und Handbuchparagraphen. Ich "dichte" einfach, und wenn es sich beim Vortrag für mich ausgeht und gut anhört, dann passt das auch so - und fertig! So macht's mir Spass: Eben Dichten, nicht altgriechische Begriffe lernen und X-e zählen. Mag sein, mancher nimmt mich darob nicht für voll (bin selber schon diesbezüglich kritisiert worden), aber das ist mir eben ganz einfach wurscht (österr. für "egal"). Diese Haltung kann ich dir nur ans Herz legen: Es befreit ungemein von der Abhängigkeit von den Meinungen anderer! Das heißt ja nicht, dass ich unwirsch oder unhöflich sein muss - ich bin eben nur "schwer zu überzeugen"... ![]() Im aktuellen Fall: Du magst durchaus recht haben mit diesem leichten Ungleichgewicht. Wie auch immer: MICH stört es nicht, und das zählt. Ich könnte auch gar nicht mitreden betreffs Richtigkeit solcher Aussagen - ich nehm's einfach so hin. Ist es eben "komisch". Für mich liest es sich gut, so wie es ist. Das ist keineswegs als Vorwurf gemeint! Ich achte Kompetenz und Fachwissen durchaus, aber MIR sind eben andere Dinge wichtig in der Lyrik. Sollen andere davon halten, was sie wollen... Mit selbstbewußtseinsfördernden Grüßen, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. |
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#6 |
Gast
Beiträge: n/a
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Okay, falls du wirklich nur für dich schreibst und deinen Werken nicht abverlangst, auch anderen zu geziemen, dann kannst auch drauf pfeiffen.
![]() Ich persönlich möcht das nicht, daher versuch ich auch auf sowas zu achten. ![]() Jedem das seine, Abraxas |
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#7 |
lebendig
Registriert seit: 28.10.2009
Beiträge: 350
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Hallo eKy,
wir hatten zum Thema Metrik bereits ein ähnliches Gespräch und ich kann dich dahingehend verstehen. Nach Jahren der gleichen Einstellung habe ich in der Metrik eine neue Herausforderung entdeckt. Vielleicht wird dies bei dir irgendwann auch der Fall sein ![]() Ich werde darob keinen verbalen Kniefall vollführen, aber dir großen Respekt vor diesen Versen darbieten. Schöne Bilder, eine erneut geschliffene Wortwahl und ein gutes Gespür für das Empfinden der naturverbundenen Seele. Gern gelesen. Grüße von Quicksilver |
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#8 |
TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi, Abraxas!
Meine etwas polare Sicht der Dinge sollte natürlich in keinster Weise ein Vorwurf oder eine Indieschrankenweisung irgendeiner Art gegen dich sein. Natürlich schreibe ich meine Werke auch unter dem Aspekt, dass sie anderen ebenfalls gefallen sollen, aber das ist eben sekundär, und wenn etwas mal nicht gefällt, tut's nicht weh. Früher war das anders bei mir: Allzu leicht fühlte ich mich persönlich angegriffen oder herabgesetzt, wenn man einem Gedicht eine in meinen Augen ungerechtfertigt abwertende Kritik gab - ich nahm es zu persönlich, weil ich mich selbst zu sehr über die Reaktion auf meine "Kunst" identifizierte. Solch ein fremdgekoppeltes Selbstbild ist ausgesprochen labil, fordert ständig "Nachschub an Bestätigung" und macht abhängig in vielerlei Form. Deshalb habe ich das entkoppelt: Wenn's anderen nicht behagt, sei's drum. Ich schreibe, damit es MIR besser geht, nicht ihnen. Und allen recht machen kann man es sowieso nie... Hi, Quicksilver! Danke für deinen freundlichen Zuspruch! Die naturverbundene Seele - da sagst du was! Mich hatte man zeitweise ja schon als "Naturdichter" in den Foren sozusagen "festgelegt", weil mir diese Thematik so nahe steht, und Menschen mir eher fern sind, mal abgesehen von den eigenen Problemchen. Allerdings erschöpfen sich irgendwann die Bilder: Nach dem 7. oder 8. "Waldgedicht" muss man sich schon Mühe geben, um sich nicht in Wortwahl und Ausdrucksbildern zu wiederholen. LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (04.12.2009 um 10:25 Uhr) |
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#9 |
der mit dem Reim tanzt
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: SpreeAthen
Beiträge: 565
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Liebe Erich, ich sehe es ähnlich mit den griechischen Begriffen, wie du. Ofmals ist es nur eine Frage, der Betonung einzelner Wörter, ob es ein Jambus oder Trochäus ist, und da gibt es im deutschsprachigen Raum manchmal gewaltige Unterschiede. Bei dir sehe ich den Schwerpunkt jeder Zeile (meist) auf der vierten Silbe als ein crecendo dorthin, wie die Musiker es bezeichnen würden.
Ein Glühen sintert Himmelsweiten, ( das ist ein himmelweiter Unterschied ) "Schöne Bilder, eine erneut geschliffene Wortwahl und ein gutes Gespür für das Empfinden der naturverbundenen Seele." da möchte ich mich vorbehaltlos der Meinung von Quicksilver anschließen Gruß Archimedes ...der mit den himmelweiten Kreisen
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gestörte Kreise |
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#10 |
Slawische Seele
Registriert seit: 07.02.2009
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Beiträge: 5.637
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Lieber eKy,
du hast es mit der "Metriknichtbeachtung" ![]() ![]() Meine Begeisterung liegt hier: Sterntapeten, Faltenwurf der Zeit, hell durch Kronensäume .. usw, usw. Eine erhebende Hymne an den Tag in seinem Werden. Aber, bei so viel wunderbaren Worten im Gedicht ein sehr bescheidener Titel. ![]() Tagwerdung ![]() ![]() Ein sehr schönes Gedicht. Liebe Grüße Dana
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Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben. (Frederike Frei) |
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