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#1 |
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Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 14.08.2026
Beiträge: 21
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Das Loch
Jetzt ist er wieder da, der schwarze, tiefe Schlund. Ich hab mich so bemüht nicht rein zu fallen. Ich hab mich abgelenkt, versuchte neue Wege, die mich nur wieder vor den gleichen Abgrund brachten. Der Schmerz ist wie erwartet, ich kenn ihn viel zu gut. Es fühlt sich immer noch so an ,als wär ich amputiert, ein halbes Herz, ein halbes Hirn, ein halber Mensch, wie soll das nachwachsen und wann ? Die Kluft, vor der ich stehe, flüstert, lass dich fallen, am besten spring mit Anlauf in mich rein, dann ist der Absturz schnell, du weißt doch schon, wie anstrengend der lange Aufstieg wird. Im Fallen rauschen all die gut verdrängten Bilder, an mir vorbei und reißen alles wieder auf, ein hundsgemeiner, miserabler Film, den ich nicht stoppen oder ändern kann. Am Ende dieses Streifens steht stets das gleiche Bild. Du bist gegangen und ich hatte keine Chance, etwas am Ausgang zu verbessern, zu verhindern, all meine Liebe konnte dich nicht retten. Das Schlimmste und das Beste ist das Aufstehen. Ich hab gelernt, wer im Loch sitzen bleibt, ist tot. Probate Steigeisen sind Freunde, Schreiben und Musik, aber vor allen Dingen, die Neugier, ob da noch was kommt. Wer ständig aus dem Krater kraxelt, entwickelt Muskeln. Und auch die Lust am Neuen kann beflügeln, Irgendwann werde ich die Schlucht von weitem sehen, mich kraftvoll abstoßen und lächelnd drüber segeln. |
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#2 |
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Lim-Fee
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 190
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Liebe Floris,
dein Text hat mich sehr bewegt. Du beschreibst dieses Loch so eindringlich, dass man beim Lesen fast selbst an der Kante steht und spürt, wie vertraut dir dieser Abgrund ist. Besonders stark finde ich, wie du den Schmerz nicht dramatisierst, sondern einfach zeigst, wie er ist — roh, altbekannt, unerbittlich. Die Bilder vom Fallen und den aufreißenden Erinnerungen sind hart, aber ehrlich. Und gerade deshalb wirkt es so kraftvoll, wenn du später vom Aufstehen sprichst. Dieser Satz über die Steigeisen — Freunde, Schreiben, Musik — der hat etwas unglaublich Wahres. Man merkt, dass du das nicht theoretisch sagst, sondern aus Erfahrung. Sehr schön ist auch, wie du am Ende die Perspektive drehst: Dass jemand, der immer wieder aus dem Krater klettert, Muskeln entwickelt. Das ist ein Bild, das bleibt. Und der Schluss, dieses kraftvolle Abstoßen und drüber Segeln — das hat eine stille Zuversicht, die ich dir von Herzen wünsche. Ein intensiver, ehrlicher Text. Ich habe ihn sehr gern gelesen. Herzliche Grüße Xenia
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