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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
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Auf den Hund gekommen …geänderte Version
Alfred war einunddreißig – nein, neununddreißig Jahre alt, was er für ein ausgesprochen gutes Alter hielt. Jung genug für allerlei Unsinn, aber alt genug, um ihn anschließend anderen in die Schuhe zu schieben. An diesem Nachmittag saß er im Park auf einer Bank und betrachtete die Welt. Die Welt betrachtete ihn nicht. Das änderte sich, als eine junge Frau mit einem kleinen Hund auftauchte. Der Hund war ein ausgesprochen hübsches Tier und offensichtlich davon überzeugt, dass der gesamte Park ihm gehörte. Er schnupperte an Bäumen, Laternen, Parkbänken und an allem, was irgendwie nach Hund roch. Die junge Frau redete ununterbrochen auf ihn ein. „Nein, Bruno! Lass das! Komm her! Bruno! Nicht schon wieder!“ Bruno hörte aufmerksam zu. Und tat anschließend genau das Gegenteil. Alfred fand das sympathisch. Die Frau kam näher und deutete auf die freie Stelle neben ihm. „Darf ich?“ „Aber selbstverständlich“, sagte Alfred galant. „Bitte nehmen Sie Platz.“ Sie setzte sich. Bruno sprang sofort auf Alfreds Seite der Bank. „Bruno! Runter!“ Bruno blieb sitzen. Alfred lächelte. „Er scheint mich zu mögen.“ „Das macht er bei jedem Mann.“ Alfred hob eine Augenbraue. „Bei jedem?“ „Ja.“ Bruno beschnupperte Alfreds Schuh. „Er hat eben Geschmack.“ Die Frau lachte. Sie nahm Bruno auf den Schoß und kraulte ihn hinter den Ohren. Alfred beobachtete die beiden. „Also, wenn ich sehe, wie liebevoll Sie mit Ihrem Hund umgehen, würde ich sehr gern mit ihm tauschen.“ Die Frau sah Alfred an. Dann Bruno. Dann wieder Alfred. „Das würden Sie besser nicht.“ „Warum?“ „Er hat in einer Stunde einen Termin beim Tierarzt.“ Alfred nickte verständnisvoll. „Ach so.“ Dann fiel ihm etwas auf. „Moment mal … Sie meinen doch nicht etwa …“ „Doch.“ „Sie lassen ihn untersuchen?“ „Nein.“ „Impfen?“ „Nein.“ Alfred wurde blass. „Sterilisieren?“ „Genau.“ Alfred sah Bruno an. Bruno sah Alfred an. Es war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen zwei Männer einander verstanden, ohne ein Wort zu sagen. Alfred legte Bruno eine Hand auf den Kopf. „Das können Sie ihm doch nicht antun!“ „Warum nicht?“ „Damit nehmen Sie ihm ja jede Lebensfreude!“ Die Frau seufzte. „Sie verstehen das nicht.“ „Ich verstehe das sehr gut!“ „Mein Mann hatte auch einmal sehr viel Lebensfreude.“ Alfred horchte auf. „Und?“ „Ich habe ihm unseren Hund als gutes Beispiel vorgehalten.“ „Na und?“ „Seitdem geht er fremd.“ Alfred war sprachlos. „Ihr Mann?“ „Ja.“ „Wegen des Hundes?“ „Indirekt.“ „Wie indirekt?“ „Der Hund springt auf alles, was Beine hat.“ Alfred schaute Bruno an. „Alles?“ „Alles.“ „Auch auf fremde Hunde?“ „Natürlich.“ „Katzen?“ „Ja.“ „Enten?“ „Wenn sie nicht schneller sind.“ Alfred wurde nachdenklich. „Das erinnert mich an jemanden.“ Die Frau sah ihn an. „An wen?“ „An meinen Nachbarn.“ Die Frau lächelte. „Natürlich.“ Alfred merkte nicht, dass sie dabei grinste. Er war inzwischen völlig auf Bruno konzentriert. „Der arme Kerl“, sagte er. „Er weiß ja gar nicht, was ihm bevorsteht.“ „Doch.“ „Woher wollen Sie das wissen?“ „Er war gestern schon beim Tierarzt.“ Alfred riss die Augen auf. „Was?“ „Nur zur Voruntersuchung.“ „Und?“ „Er hat den Tierarzt angeknurrt.“ Alfred nickte anerkennend. „Ein Charakterhund.“ Dann geschah etwas Seltsames. Bruno leckte Alfred über die Hand. Alfred war gerührt. „Sehen Sie? Er vertraut mir.“ Die Frau schmunzelte. „Das tut er bei jedem.“ „Das glaube ich nicht.“ „Doch.“ Bruno legte den Kopf auf Alfreds Knie. Alfred sah die junge Frau ernst an. „Ich kann es nicht übers Herz bringen.“ „Was?“ „Ihn diesem Schicksal zu überlassen.“ „Was schlagen Sie vor?“ Alfred zögerte. Dann sagte er: „Ich kaufe ihn Ihnen ab.“ Die Frau starrte ihn an. „Bitte?“ „Zweihundert Euro.“ „Sie wollen Bruno kaufen?“ „Ich will ihn retten!“ „Vor was?“ „Vor Ihnen!“ „Vor mir?“ „Vor Ihrer Mitleidlosigkeit!“ Die Frau musste sich auf die Lippen beißen. Alfred legte nach. „Sehen Sie ihn doch an! Dieses unschuldige Gesicht! Diese treuen Augen! Dieser Blick!“ Bruno gähnte. „Er weiß genau, was Sie vorhaben“, sagte Alfred. Die Frau nickte. „Davon bin ich überzeugt.“ „Also?“ „Nein.“ „Dreihundert.“ „Nein.“ „Vierhundert.“ „Nein.“ „Fünfhundert.“ Die Frau sah ihn verblüfft an. „Sie bieten fünfhundert Euro für einen Hund?“ „Es geht nicht ums Geld.“ „Offensichtlich.“ „Es geht um Prinzipien.“ „Welche?“ Alfred überlegte. „Männliche Solidarität.“ Die Frau brach in Gelächter aus. „Gut“, sagte sie schließlich. „Für zweihundert Euro können Sie ihn haben.“ Alfred zog sofort das Portemonnaie. „Abgemacht!“ Er bezahlte. Die Frau übergab ihm die Leine. „Viel Glück.“ „Danke.“ „Sie werden es brauchen.“ „Warum?“ Die Frau lächelte geheimnisvoll. „Das werden Sie schon sehen.“ Eine halbe Stunde später öffnete Alfred zu Hause die Wohnungstür. Seine Frau stand in der Küche. Sie sah Alfred an. Dann den Hund. Dann Alfred. Dann wieder den Hund. „Was ist das?“ „Ein Hund.“ „Das sehe ich!“ „Ich habe ihn gerettet.“ „Wovor?“ „Vor einer Amputation.“ Seine Frau wurde kreidebleich. „Alfred!“ „Was?“ „Du hast einen Hund gekauft?“ „Ja.“ „Warum?“ „Aus Nächstenliebe.“ „Du hasst Hunde.“ „Diesen nicht.“ Bruno setzte sich hin. Alfred zeigte stolz auf ihn. „Siehst du?“ „Was soll ich sehen?“ „Er hat Charakter.“ „Er hat Flöhe.“ „Das ist Charakter.“ Seine Frau verschränkte die Arme. „Und warum musste er gerettet werden?“ Alfred holte tief Luft. „Er sollte heute sterilisiert werden.“ Seine Frau sah ihn an. Dann Bruno. Dann wieder Alfred. „Und deshalb hast du ihn gekauft?“ „Ja.“ „Für zweihundert Euro?“ „Ja.“ „Du hast einem fremden Mann zweihundert Euro gegeben, damit du einen Hund bekommst, den du gar nicht wolltest?“ „Es war eine Frau.“ „Das macht es nicht besser.“ Alfred setzte sich. Bruno sprang neben ihn. Seine Frau betrachtete die beiden. „Na schön. Und was kann der Hund?“ „Er ist sehr treu.“ „Aha.“ „Er liebt Menschen.“ „Aha.“ „Und er springt auf alles, was Beine hat.“ Stille. Seine Frau sah Alfred an. Sehr lange. Dann sagte sie: „Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Alfred wurde rot. „Unsinn.“ In diesem Moment klingelte es an der Tür. Alfred öffnete. Draußen stand die junge Frau aus dem Park. „Entschuldigung“, sagte sie. „Ich glaube, ich habe etwas vergessen.“ Alfred erstarrte. Seine Frau sah ihn an. Die junge Frau sah ihn an. Bruno wedelte mit dem Schwanz. „Was haben Sie vergessen?“, fragte Alfred nervös. Die Frau lächelte. „Ihren Hund.“ „Meinen Hund?“ „Ja.“ „Aber ich habe ihn doch gekauft!“ „Nein.“ „Doch! Für zweihundert Euro!“ Die Frau lachte. „Die zweihundert Euro waren für meinen Mann.“ Alfred verstand gar nichts mehr. „Für Ihren Mann?“ „Ja.“ „Was hat Ihr Mann mit Bruno zu tun?“ „Sehr viel.“ Sie zeigte auf Alfred. „Bruno sollte heute gar nicht sterilisiert werden.“ Alfred schluckte. „Was sollte er dann?“ Die Frau grinste. „Nichts.“ „Nichts?“ „Ich habe Bruno nur benutzt, um meinen Mann eifersüchtig zu machen.“ Alfred sah seine Frau an. Seine Frau sah Alfred an. Die junge Frau fuhr fort: „Mein Mann sitzt nämlich gerade im Auto vor dem Park.“ Alfred wurde blass. „Und warum?“ „Weil er wissen wollte, wer zweihundert Euro für unseren Hund gibt.“ „Aber …“ „Er hat mich nämlich gebeten, Ihnen Bruno zu verkaufen.“ „Warum?“ „Weil er dachte, Sie seien der Mann, mit dem ich mich heimlich treffe.“ Alfred wurde kreidebleich. Seine Frau bekam plötzlich große Augen. „Moment mal …“ Die junge Frau nickte. „Ja.“ „Ihr Mann hat also Bruno benutzt, um mich zu testen?“ „Genau.“ Alfred setzte sich. Seine Frau setzte sich ebenfalls. Bruno sprang auf Alfreds Schoß. Die drei Menschen sahen sich an. Dann fragte Alfred vorsichtig: „Und was passiert jetzt?“ Die junge Frau zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“ „Und Bruno?“ „Den können Sie behalten.“ Alfred sah erleichtert aus. Seine Frau allerdings stand auf. „Nein.“ „Was?“ Sie nahm die Leine. „Den Hund behalten wir nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil er offensichtlich Ärger bringt.“ Sie öffnete die Wohnungstür. „Und du“, sagte sie zu Alfred, „gehst jetzt mit ihm spazieren.“ Alfred nahm die Leine. „Und wie lange?“ Seine Frau lächelte süß. „Bis du wieder vernünftig bist.“ Alfred ging. Bruno zog ihn hinter sich her. Am Gartentor blieb Bruno plötzlich stehen und sah zu einer vorbeikommenden Hundedame. Alfred seufzte. „Bruno … bitte nicht.“ Bruno zog. Alfred zog zurück. Bruno zog stärker. Alfred gab nach. „Na gut.“ Und während Bruno davonstürmte, murmelte Alfred: „Ich hätte im Park einfach sitzen bleiben sollen.“ Hinter ihm öffnete sich das Fenster. Seine Frau rief: „Alfred!“ Er drehte sich um. „Ja?“ „Vergiss nicht! Bruno ist nicht das Problem!“ Alfred lächelte erleichtert. „Was denn?“ „Du bist auf den Hund gekommen!“ Bruno bellte zustimmend. Und Alfred war sich plötzlich ziemlich sicher, dass der Hund in dieser Ehe künftig das letzte Wort haben wird. Geändert von Taxi5013 (Heute um 10:44 Uhr) |
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#2 |
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Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 27.08.2026
Ort: Bregenz
Beiträge: 10
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Geschätzte Literaturgemeinde,
als mein erster kritischer Einstand in diesem Forum liegt mir nun dieser Text vor. Bevor ich mich dem eigentlichen Inhalt widme, gestatten Sie mir eine formale Vorbemerkung: Es ist literarisch nicht notwendig, einen Text in Schriftgröße 5 zu verfassen. Eine derart monumentale Typografie verleiht den Zeilen weder mehr Gewicht noch mehr Qualität – sie ermüdet lediglich das Auge des Lesers und wirkt visuell wie ein permanentes Schreien. Weniger ist hier handwerklich deutlich mehr. Nun zum Werk selbst. Es bewegt sich formal im Grenzbereich zwischen einer Kurzgeschichte und einem anekdotischen Dialog-Sketch. Da ich mich ausschließlich dem Textkörper widme, möchte ich das Werk in drei Kategorien zerlegen: Dramaturgie, Logik und sprachliches Handwerk. 1. Dramaturgie und Pointenführung Die Intention des Textes ist unverkennbar humoristischer Natur; er arbeitet mit dem klassischen Element der Verwechslung und der skurrilen Übersteigerung. Alfreds impulsiver Entschluss, einen fremden Hund spontan für zweihundert Euro zu erwerben, um dessen Männlichkeit zu retten, besitzt durchaus komödiantisches Potenzial. Leider leidet der Spannungsbogen unter einer verfrühten Pointen-Verpulverung. Das Missverständnis bezüglich des Ehemannes („Ab da ist er ständig fremdgegangen!“) wird bereits in der Mitte des Textes komplett aufgelöst. Die darauffolgende Diskussion um den Kauf des Tieres zieht die Szene künstlich in die Länge, ohne dem humoristischen Kern eine neue Facette hinzuzufügen. Der finale Satz der Ehefrau wiederum fungiert als zweite, fast identische Pointe, was dem Text die Dynamik nimmt. Der Kreisschluss am Ende („Alfred sitzt im Park auf einer Bank...“) bleibt atmosphärisch im Vakuum hängen. 2. Logische Brüche Ein literarisches Werk, und sei es noch so kurz, benötigt eine innere Logik. Hier stolpert der Text über zwei wesentliche Begriffe:
3. Sprachliches Handwerk und Interpunktion Hier liegt leider die größte Schwachstelle des Textes. Es finden sich zahlreiche handwerkliche Fehler, die den Lesefluss massiv stören. Ein paar Beispiele zur Veranschaulichung:
Fazit: Der Text basiert auf einer charmanten, fast schon klassischen Boulevard-Idee. Er scheitert im aktuellen Zustand jedoch an einer unentschlossenen Struktur und erheblichen handwerklichen Mängeln in der Grammatik und Zeichensetzung. Mein Rat an den Autor: Den Dialog straffen, die doppelten Pointen auf eine einzige, starke Pointe reduzieren, den Wohnungs-Ausflug streichen und den Text in einer augenschonenden Standardgröße noch einmal gründlich überarbeiten. Das Fundament ist da – nun gilt es, das Handwerk anzuwenden. Mit kritischem Gruß, Feder Zensor
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Kritisiert wird der Text, niemals der Mensch. |
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#3 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 264
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Hallo Feder Sensor,
ersteinmal danke, für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich gebe Dir natürlich Recht, es sind mir Fehler unterlaufen, die dem geschultem Auge des Lesers nicht entgangen sind, auch betr. der Schriftgröße. Ich werde erst einmal eine kleine Pause einlegen. nochmals DANKE: feundlichst Taxi... |
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