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TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Zitat:
Hi Mall! Du versuchst dich an der Sonettform! Schön geschrieben, aber kennst du alle Sonettregeln?1) Fünfhebige Zeilen mit 2) Unbetontem Auftakt (erste Silbe der Zeile unbetont) und 3) Weiblichen Kadenzen (Zeilenenden: letzte Silbe betont=männlich, unbetont=weiblich. Dieser Punkt wird heute aber nicht mehr ständig beachtet, aber ein Wechsel im selben Sonett sollte mit Regelmaß erfolgen) 4) Umarmende Reime in den Quartetten: ABBA (Früher Pflicht: Gleiche Reime in beiden Vierzeilern) 5) 2-3 Reime in den Terzetten (keine ungereimten Zeilen) Ältere Regeln, die nur noch selten beachtet werden: 6) Kein Paarreim in den beiden allerletzten Zeilen (Conclusio) 7) Gliederung des Textes in These (1. Quartett), Antithese (2. Quartett) und Synthese (Terzette), dh. du stellst in S1 eine Behauptung auf oder beschreibst etwas, gibst in S2 eine Gegendarstellung, andere Ansicht oder Widerlegung dazu an und versöhnst oder verbindest beide in den Terzetten, löst dort den Widerspruch auf oder hebst die Problematik auf eine philosophische Metaebene. Schauen wir uns dein Sonett an (Fehler fett unterlegt): Auftaktschema: uuub - uuuu - uuu - uuu Heberschema: 3444 - 5555 - 535 - 545 Kadenzenschema: wmwm - mmww - wmw - wmw Im ersten Quartett reimst du ABAB, im zweiten gar AABB - beides falsch im Sonett. Somit ist die Kadenzenfolge dort auch nicht regelmäßig. S1 hat keine korrekte Zeile (5 Heber), und die Mittelzeilen der Terzette sind auch zu kurz. (Man kann zwar heute auch mehr- oder wenigerhebige Sonette schreiben, aber die bleiben dann eben bei EINER Zeilenlänge!) Stilistisch: S2Z4 - Das "da" wirkt sprachlich unelegant. S4Z1 - Das "rum" ist gemeinsprachlich und passt nicht ins Sonett mit gehobener Sprachhabung. Ein paar Kommata wären auch noch nachzutragen oder zu entfernen. Schauen wir mal, ob uns eine korrekte Form hier gelingt: Der Sturm vor meiner Tür lässt mich erahnen Du bist heut viel zu wild, geliebtes Meer. Das Laufen ist mir ungewohnt und schwer, zieh ich am Strande fleißig meine Bahnen. Heut hatte ich gehofft in Dir zu sein, stattdessen schaue ich nach Kormoranen - ganz nah dem Gischten ziehn sie ihre Bahnen - und gehe weder halb noch ganz hinein. Ein nasser, trüber Tag, und doch so spannend, der Wind greift mir ins ungeraffte Haar - das tosend feuchte Schauspiel ist so bannend! Kein Mensch, jedoch um mich ein wildes Treiben, ich träum von Kaffeeduft, so wunderbar, und geh zu Tisch: Heut gibt es Toast in Scheiben. In dieser Version finden alle (wichtigen) Sonettregeln Beachtung. Gern gelesen und bearbeitet! Ich hoffe, es hilft dir weiter.LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. |
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