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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

 
 
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Alt Gestern, 16:10   #1
Taxi5013
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Standard Halloween

Die letzte Nacht von Halloween
Eine Geschichte zwischen Mitternacht und Ewigkeit

Es war die Nacht des 31. Oktober. Ein eisiger Wind fegte durch die schmalen Gassen des kleinen Dorfes Rosenfeld. Die Bäume warfen ihre knorrigen Schatten auf die alten Pflastersteine, und der Mond versteckte sich hinter schweren, schwarzen Wolken.
Halloween.
In den Fenstern standen ausgehöhlte Kürbisse mit flackernden Kerzen. Ihre schiefen Fratzen grinsten in die Dunkelheit, als wüssten sie etwas, das den Menschen verborgen blieb.
Doch in diesem Jahr war etwas anders.
Seit Tagen erzählten sich die Dorfbewohner eine alte Geschichte. Tief im Wald, so hieß es, stehe ein verlassenes Haus, das seit über hundert Jahren niemand mehr betreten habe. Sein letzter Bewohner sei ein sonderbarer Mann gewesen, der in einer Halloween-Nacht spurlos verschwunden war.
Manche behaupteten, er sei ermordet worden. Andere schworen, seine Seele müsse noch immer durch die dunklen Zimmer wandern.
Und jedes Jahr, genau um Mitternacht, brenne im obersten Fenster ein Licht.
Niemand wusste warum.
*
Der 72-jährige Jakob, ein Mann, der sich vor nichts und niemandem fürchtete, beschloss, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.
Mit einer alten Taschenlampe und seinem Spazierstock machte er sich auf den Weg.
Der Wald war still. Unnatürlich still.
Kein Vogel sang, kein Ast bewegte sich. Nur das Knacken seiner Schritte auf dem feuchten Laub begleitete ihn.
Als er endlich das Haus erreichte, schlug die Kirchturmuhr des Dorfes elf.
Das Gebäude ragte düster zwischen den Bäumen empor. Die Fenster waren blind vor Staub, die Haustür hing schief in ihren Angeln.
Jakob drückte sie vorsichtig auf.
Ein langes, klagendes Quietschen durchschnitt die Stille.
Drinnen roch es nach Moder, kalter Asche und etwas, das Jakob nicht beschreiben konnte.
Er leuchtete in den Flur.
An der Wand hing ein großes, verstaubtes Gemälde. Es zeigte einen Mann mit eingefallenen Wangen und tiefschwarzen Augen.
Jakob blieb stehen.
Der Mann auf dem Bild sah ihm verblüffend ähnlich.
Unsinn murmelte er und ging weiter.
Im Wohnzimmer stand eine alte Standuhr. Ihr Pendel bewegte sich, obwohl das Uhrwerk längst hätte stillstehen müssen.
Tick tack tick tack ;
Dann blieb sie plötzlich stehen.
Jakob blickte auf seine Armbanduhr.
Mitternacht.
Im selben Augenblick ertönte ein dumpfer Schlag aus dem oberen Stockwerk.
Dann noch einer.
Und noch einer.
Jakob nahm seinen Stock fester in die Hand und stieg die knarrende Treppe hinauf.
Oben stand eine Tür einen Spalt offen.
Dahinter flackerte Licht.
Er schob die Tür auf.
Ein alter Spiegel stand mitten im Raum. Daneben ein kleiner Tisch mit einer brennenden Kerze.
Und auf dem Tisch lag ein vergilbtes Tagebuch.
Jakob schlug es auf.
Die letzte Seite war mit zittriger Handschrift beschrieben:
„Wer diese Zeilen liest, hat mich geweckt. Doch hüte dich vor dem Spiegel. Er zeigt nicht dein Gesicht, sondern das, was dich erwartet!“,
Jakob hob langsam den Kopf.
Im Spiegel sah er sich selbst.
Doch irgendetwas stimmte nicht.
Sein Spiegelbild lächelte.
Jakob aber lächelte nicht.
Dann hob das Spiegelbild langsam die rechte Hand.
Jakob stand vollkommen regungslos.
Das Spiegelbild winkte ihm.
Und plötzlich hörte Jakob hinter sich eine Stimme.
Endlich bist du gekommen.;
Er wirbelte herum.
Niemand.
Als er wieder in den Spiegel blickte, war sein Spiegelbild verschwunden.
Stattdessen stand dort der Mann aus dem Gemälde.
Mit einem Gesicht, das vor Jahrhunderten gelebt haben musste.
Du hast mich befreit flüsterte die Gestalt.
Ein eiskalter Luftzug fuhr durch das Zimmer. Die Kerze erlosch.
Jakob rannte zur Tür.
Doch die Tür war verschwunden.
Er tastete die Wand ab, schlug mit seinem Stock dagegen und rief um Hilfe.
Dann hörte er ein leises Lachen.
Erst ganz nah.
Dann überall.
Und schließlich direkt aus seinem eigenen Mund.
*
Am nächsten Morgen fanden die Dorfbewohner Jakobs Spazierstock vor dem Haus.
Von Jakob selbst fehlte jede Spur.
Das Haus wurde noch am selben Tag verriegelt. Niemand wagte es, jemals wieder hineinzugehen.
Doch in den folgenden Jahren geschah etwas Merkwürdiges.
Jedes Halloween, wenn die Kirchturmuhr Mitternacht schlug, erschien im obersten Fenster eine Gestalt.
Ein alter Mann.
Er stand regungslos hinter der Scheibe und blickte hinaus in die Nacht.
Und manchmal, wenn der Mond besonders hell schien, konnte man erkennen, dass er einen Spazierstock in der Hand hielt.
*
Doch das wirklich Unheimliche geschah ein Jahr später.
Ein kleines Mädchen, das am Haus vorbeiging, blieb plötzlich stehen.
Sie blickte zum Fenster hinauf.
Der alte Mann dort oben hob langsam die Hand und winkte ihr.
Das Mädchen winkte zurück.
Dann hörte sie eine Stimme, die aus dem dunklen Haus zu kommen schien:
„Komm herein, mein Kind. Ich habe schon lange auf dich gewartet!“
Das Mädchen lächelte.
Und sagte mit einer Stimme, die unmöglich ihre eigene sein konnte:
„Ich weiß. Ich war schon einmal hier!“
In diesem Augenblick schlug die Kirchturmuhr dreizehn mal.
Und alle Kürbislaternen im Dorf erloschen gleichzeitig.
*
*
*
*
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