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Alt 30.06.2017, 13:29   #1
Thomas
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Liebe Koko,

angesichts der hohen Scheidungsrate, fragt es sich, was heute unter "Ehe" überhaupt zu verstehen ist. Vielleicht halten ja die Ehen von gleichgeschlechtlich Partnern länger, dann könnten sie sogar wieder sinnstiftend wirken.

Praktisch wird sich durch die heutige Entscheidung wenig ändern.

Frau Merkel war im Zugzwang, was vielleicht jemanden erfreut, der sie nicht leiden kann, bedenklicher finde ich jedoch die Weise, mit der sie der Koalitions-"Partner" in Zugzwang gesetzt hat.

Übrigens, wäre es nicht passend statt von Ehe und Scheidung einfach von Koalition zu sprechen?

Liebe Grüße
Thomas
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Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller
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Alt 30.06.2017, 18:15   #2
Chavali
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Liebe Koko,

es ist nun mal so Usus: dem aktuellen Zeitgeist können wir nicht ausweichen.
Viele Neuerungen - gleich welcher Art - würden unseren Altvorderen auch seltsam anmuten,
wenn sie es denn sehen könnten.

Was mich eher verwundert:
Hatte Merkel nicht von Umdenken gesprochen?
Und sie meinte damit nicht sich selbst?

Denn sie stimmte mit NEIN...

Die Ehe als Begriff gelte für Mann und Frau nach dem Grundgesetz.
Wobei ich ihr da in der Frage der Begrifflichkeit zustimme.

Eine Frikadelle aus Tofu ist für mich auch keine Frikadelle.
Diese Begriff verbinde ich mit Hackfleisch.

Vielleicht sollte man eine andere Bezeichnung für die EHE für alle finden.

Dann lieber BIER für alle


Gern gelesen und darüber nachgedacht hat mit lieben Grüßen
Chavali
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Alt 01.07.2017, 11:35   #3
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Koko!

Das ist aber ein langer Kommentar geworden! Na, das Thema verdient es auch!

Erst mal: Ich stimme deinen Ausführungen rückhaltlos zu. Peinlich eher, dass die Mehrheit im Bundestag selbst heutzutage noch so dünn war!

Das mit den Schwulen sollte schon längst selbstverständlich sein, und Demokratie spielt sich in den Köpfen naiver Idealisten ab, die in der Schule etwas auswendig gelernt haben, um nie wieder darüber nachdenken zu müssen. (Allerdings: Diese korrupte Fassade ist mir zehnmal am Arsch lieber als eine einzige neue Diktatur der Recht(s)schaffenen von vorn!)

Was ich noch beitragen könnte: Was du erzählt hast davon, dass es in der Gesellschaft seit den Neunzigern "en vogue" wäre, schwul zu akzeptieren usw. - das gilt m-E. bestenfalls für eine eher dünne Schicht von Inelligenz- und Bildungsbürgertum, vielleicht noch die Schicki-Micki-Szene, die immer auf der Suche ist nach einem Ausweg aus ihrer dünkelhaften Langeweile, und einem marginalen Bevolkerungsanteil, der einfach Verständnis und Herzenswärme vor Verachtung, Klischee und Vorurteil stellt.

Ansonsten ... - Ich war 15 Jahre lang Rocker, wie du weißt. Ich habe die ganze Palette der Bevölkerung sozusagen hemmungslos und nautnah erlebt, bis runter zu den ganz und gar Gehirnlosen! Und dort, wo Bildungsferne, pure Blödheit und Machismo regieren, dort sind die Homophobie, bzw. die bodenlose Verachtung für anders Liebende nach wie vor zutiefst verankert, werden sogar hochgehalten wie eine Trophäe, mit Schimpfwörtern garniert, um sich gegenseitig immer wieder dessen zu verichern und sich darin zu bestärken, wie "mannhaft" und "straight" man selber doch sei. Dafür muss man dort gar nicht Nazi sein - es sind die "ganz normalen" Familienväter und Hackler (österr. für: manuell Arbeitende), die beim Bier über alles herziehen, was nicht ihren von den eigenen Eltern unbewusst übernommenen sog. "gesunden" Werten und Normen entspricht.
Dazu bedarf es auch gar nicht mal der Religion! (Obwohl ich bezügleich deiner Argumente und Ausfahrungen dazu natürlich ganz mit dir konform gehe!)

Es ist diese stupide, alltägliche Kleingeitigkeit und gedankenlose Wesenskälte, die mir immer noch das Blut gefrieren lässt: wie die Täter in den Gaskammern, die "wussten, dass sie das Richtige taten" und nach dem "Dienst" an Sache und Vaterland als liebevolle Väter und Ehegatten heim zur eigenen geliebten Familie gingen!
Das Fremde, das Andere war das Böse, war entmenschlicht und wurde zurecht bekämpft und ausgerottet! - Die eigenen Kinder waren natürlich ganz selbstverständlich viel zu "normal", um je schwul oder lesbisch werden zu können! Undenkbar! Wunderbar einfach und wohlgeordnet, so eine kleine schwarz-weiße Welt!

Der denkende Mensch macht sich zuweilen kein objektives Bild davon, wie tief diese Stumpfheit selbst heute noch verbreitet ist und gepflegt wird! Wie die alten Nazis nach dem Kriege wissen diese Schichten, dass es im Augenblick nicht "angesagt" ist, diesen instinktiven Hass offen oder öffentlich an- oder auszusprechen, sie beugen sich der ungeliebten "modernen" Fassade eines aufgeklärten und toleranten Staates und schwimmen mit, um nicht anzuecken, machen nur heimlich böse Gesichter dazu, wenn gebildete und offene Menschen im Fernsehen über ihre Neigung sprechen, als wäre sie selbstverständlich, oder wenn sie in der Werbung neuerdings schwule Pärchen sehen müssen - nur bei Bier oder Schnaps im Wirtshaus oder eben auf Bikerfesten kommt es raus: Dann sind "Schwuchtel", "Arschficker" oder "Schwanzlutscher" die absoluten Schimpfwörter der Wahl, wenn jemand beleidigt oder gedemütigt werden soll. Immer noch. Weiterhin. Nach wie vor.

Traurig.

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (01.07.2017 um 11:41 Uhr)
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Alt 02.07.2017, 10:06   #4
Kokochanel
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Ihr Lieben,

da waren doch die Threads und Werke im Forum so interessant, dass ich total vergessen habe, meine eigenen Kommis zu beantworten.

@Thomas
ich halte, trotz hoher Scheidungsrate viel von der Ehe, sie ist und bleibt etwas Besonderes, eine besondere Bindung zweier Menschen, ein besonderes Versprechen. Ich habe ja auch zum zweiten Male geheiratet, obwohl weder ein moralischer, noch religiöser, noch materieller Grund dafür bestand.
Es ist eine rein emotionale Angelegenheit und darum finde ich es gut, dass dies nun auch Homosexuelle dürfen.

@ Diese Einstellung, liebe Chavali, hat eben dazu geführt, dass Homosexuellen die Ehe bisher verweigert wurde. Es geht genau darum: Es soll nicht dasselbe sein. Warum nicht.
Nein, ich denke nicht, dass man einen anderen Begriff dafür wählen sollte, denn genau darum geht es ja. Ein andere Begriff würde wieder eine Gleichstellung verhindern, es wäre eben nicht dasselbe.
Homosexuelle sind Menschen wie jeder andere auch, Homosexualität ist angeboren, nicht angeprägt oder angelernt. Auch diese Menschen haben das Recht darauf, sich dieses emotionale Versprechen zu geben und ihrer Liebe eine gesetztliche Absicherung zu geben ( Erbrecht, Sorgerecht, Kinder ect.).
Es nimmt uns Heteros nichts weg, gibt jenen aber viel.

@ Erich

Ich stimme dir völlig zu, liebe Erich
"Diese korrupte Fassade ist mir zehnmal am Arsch lieber als eine einzige neue Diktatur der Recht(s)schaffenen von vorn!)"- auch darin.. Dennoch darf man es ja mal anmucken...
Ja,mit dem en vogue und modern meinte ich diese Szenen, auch die Gutmenschen, die sich ja immer mal berufen fühlen, für das ein oder andere sich einzusetzen, um sich mal wieder selbst in Szene zu setzen.
Ich persönlich jedoch habe mit dem Thema schon lange zu tun, da ich einen schwulen Freund habe, den ich schon seit 38 Jahren kenne. Ich habe seinen Leidensweg mitgetragen, den seines Freundes und es hat mich immer sehr berührt. Lange bevor es modern wurde, diese Menschen als völlig gleichwertig zu akzeptieren.
Sie brauchen die Unterstützung der Heteros, denn die sind in der Mehrzahl und machen die Regeln.
Ich gebe dir völlig recht:
die gedankenlose Wesenskälte, die nicht nur Homosexuelle spüren, sondern auch Dicke, Behinderte, alle die eben, die nicht in die Norm passen. Als Rocker bekommt man sicherlich noch eine ganz andere Sicht auf den Alltag, aber man ist auch geschützt in der Gruppe. Vor einer Gruppe Rocker hat jeder Respekt und wird sich mit Beleidigungen zurückhalten. Vor einer Gruppe Schwuler nicht.

Darum gerade ist es wichtig, eine gesellschaftliche Gleichstellung zu erwirken, wozu die Ehe nun ein Schritt ist. Auch weiterhin wird es an Stammtischen Hetzerei geben, Schimfwörter werden kursieren, aber mit der Zeit könnte es sich ändern. Das baucht Zeit. Die MASSE, die konforme , fühlt sich immer stark. Steter Tropfen aber höhlt den Stein, wissen wir ja alle

Ich danke euch für eure nachhaltigen Gedanken und eure Zeit, sich meinem Kommentar zu widmen.

LG an euch drei von Koko
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Alt 02.07.2017, 11:09   #5
Chavali
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Liebe Koko,
Zitat:
Diese Einstellung, liebe Chavali, hat eben dazu geführt, dass Homosexuellen die Ehe bisher verweigert wurde.
Es geht genau darum: Es soll nicht dasselbe sein. Warum nicht.
Das habe ich mit dem Frikadellenbeispiel versucht zu erklären.
Die Sache an sich ist doch soweit in Ordnung.

Ich finde es aber nach wie vor erstaunlich, dass unsere Bundeskanzlerin (!!)
- die ja doch die Mehrheit des Volkes vertreten soll - mit NEIN gestimmt hat.

Hat sie den Trend, die Entwicklung, verschlafen oder ist es Kalkül...?
Die Frage ist rhetorisch - die Antwort mag für jeden anders ausfallen.

Lieben Sonntagsgruß
Chavali
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Alt 02.07.2017, 20:48   #6
Kokochanel
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Ich verstehe dein Bild schon, liebe Chavi, das mit der Frikadelle. Eine Frikadelle besteht aus Fleisch, Ei, Brötchen, Gewürzen. Ist die Zutat anders, ist es keine klassische Frikadelle mehr. Nur noch so was Ähnliches.
Wäre also die Ehe für Homos nicht genauso definiert wie die von Mann und Frau, wäre es eben auch keine völlige Gleichstellung.
Darum aber eben geht es ja den Homosexuellen, um das Gleichwertige.
Die Ehe definiert sich für die meisten ( durch die Kirchen hochgehalten, ja, sogar gefordert) als Kinderproduktions-Koalition, um mal bei Thomas zu bleiben. Das ist sie aber nicht mehr, denn diese Definition ist schräg und geprägt durch das antiquierteGesellschaftsbild, dass Kinder nur in Ehene gezeugt werden, wenn die Frau keine Schlampe ist.
Tausende von Kindern kommen heute ohne Ehe auf die Welt, viele Mütter, manchmal auch Väter sind allein erziehend.
Die Ehe sollte den Kindern die ewige Basis garantieren. Tut sie nicht, denn auch mit Kindern lassen sich viele scheiden. Der ursprüngliche Defnitionssinn, wenn es nicht ums Emotionale geht, hat sich also längst überlaufen.
Um die Kinder aber geht es den Homos auch. Adoptieren sie ein Kind, kann dies ohne Ehe nur einer von ihnen tun. der andere hat kein Sorgerecht..
Ließe sich eine Lesbe künstlich befruchten, gälte dasselbe.

Viele Leute vertreten nun die Ansicht: Warum sollten ausgerechnet Homos ein Kind adoptieren. Erst mal gibt es ja genug Heteropaare, die schon keines bekommen. Gegenfrage, warum nicht?
Könnte ein Kind weltoffener und liberaler, toleranter groß werden als in einer Homo-Ehe? Und NEIN- Homosexualität ist nicht ansteckend oder prägend. Ein ind, das bei Homos aufwächst, wird nicht zwangsläufig auch homo.Für Kinder ist Liebe, Zuwendung wichtig, weniger wichtig ist, ob sie von Mann, Frau oder Frau im Mann oder Mann in Frau kommt.
Soweit ich las,will De Maiziere klagen gegen den Beschluss. Merkel hat sich verzockt, ihre Neinstimme war zuwenig. Jetzt sollen die Gerichte sprechen? Die spinnen doch alle da oben. Post-Demokratie. Wird Zeit, dass wir mal eine andere Regierung bekommen...

LG von Koko
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