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Gesperrt
Registriert seit: 20.11.2016
Ort: Hilden, NRW
Beiträge: 531
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Liebe Liara,
manchmal bin ich tagelang auf der Suche nach einem Gedicht, das in Form und Inhalt die zarten Tentakel meiner Synapsen berührt und ein paar Funken schlägt. Die zweite Fassung gefällt mir besser, sie ist (das ist mein Empfinden) "frecher", selbstbewusster und metrisch anspruchsvoller. greifbar II Ich schnappe mir den Mann im Mond und pack ihn unter meine Decke; solang der Typ am Himmel thront, vor Sehnsucht ich mich nach ihm strecke. Dann greif ich mir einen der Sterne und nagel ihn mir an die Wand; ich mags nicht, wenn einer von ferne durchs Fenster ins Schlafzimmer spannt. Und morgen, wenns hell wird, die Sonne - die greif ich mir auch noch mit Händen. Ich brauch für die Lust und die Wonne die Wärme in meinen vier Wänden! Du dummes Schicksal, hau nur zu! Am eignen Schopfe zieh ich mich mit Seelenkraft und Geistesruh aus deinem Griff und spuck auf dich. Die erste und letzte Strophe (das erklärst Du mMn ganz richtig) besteht aus Jamben und hat pro Vers vier Hebungen. Dass die Verse jeweils mit einem Auftakt beginnen, versteht sich von selbst - der Jambus beginnt mit einer Senkung und wird mit einer Hebung eben zum Jambus (xX). Dass die letzte Strophe durchweg mit männlichen Kadenzen endet, passt zum Inhalt wie die Faust aufs Auge. Jetzt zu den Daktylen der zweiten und dritten Strophe. Kann man so sehen (Daktyln mit Auftakt). Aber du darfst ruhig ein bisschen "höher" greifen: Ich lese daraus astreine Ambhibrachyes (xXx - xXx - xXx). Sauber von der Form her und der Inhalt spricht eigentlich für sich. Zur sprachlichen Gestaltung (abseits der Kadenzen) sind mir einige Alliterationen ins wohlgesonnene Auge gesprungen (ich habe sie in meiner Abschrift fett markiert). Um zusammen zu fassen. Der Rhythmuswechsel, die Alliterationen, die Reime und der Inhalt scheinen mir aus einem Guss und ich sage "Chapeau!" Liebe Grüße, Felix Geändert von Felix (21.07.2017 um 05:43 Uhr) |
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#2 |
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Melody of Time
Registriert seit: 12.02.2017
Beiträge: 364
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Wow, lieber Felix,
jetzt hat es sogar mir die Sprache verschlagen und das passiert selten. Dir gefällt also die 2. Version besser? Da bin ich ja schon ganz froh, dass ich doch noch ganz ordentlich den Hobby-Gedichte-Sachverständigen hab raushängen lassen können, zumindest ein kleines bisserl. ![]() Aber "astreine Amphibrachys" (Donnerwetter!?!) fallen bei mir dann doch eher unter Rhythmusgefühl und Väterchen Zufall. Für den Rest deiner Diagnose - DANKE - und ganz besonders für dein fettes Lob. Da werde ich noch lange davon zehren. Liebe Grüße Liara Geändert von Cheeny (24.07.2017 um 18:18 Uhr) |
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