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#1 |
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Gelegenheitsdichter
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 3.210
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lb eKy,
deine schilderung ist schlüssig - und früher war erziehung durchaus "leibhaftig", auch die meine. bis ich 16 wurde und meinem vater mitteilte, daß der nächste schlag eine antwort haben würde, die sich gewaschen hat. danach war dieses kapitel abgeschlossen. ich habe diesen teil der erziehung meinem vater nie krummgenommen, selbst aber danach nie körperliche gewalt ausgeübt, weil ich sie als konfliktlösung prinzipiell ablehne (ausnahme: notwehr).ich habe deinen einwand zu meinem vorschlag durchaus gesehen und halte deine formulierung für zwar "fast richtig" aber nicht geschmeidig genug - damit fällt sie vom rest des texts ab, und das ist schade, aber nunmal deine sache. ein nachdenklicher kluger text - so oder so. lg W.
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Dichtung zu vielen Gelegenheiten -
mit einem leichtem Anflug von melancholischer Ironie gewürzt Alle Beiträge (c) Walther Abdruck von Werken ist erwünscht, bedarf jedoch der vorherigen Zustimmung und der Nennung von Autor und Urheberrechtsvorbehalt |
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#2 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 24.04.2011
Beiträge: 3.375
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Lieber Erich,
wieder ein schönes Sonett aus deiner Feder. In Hinblick auf den Schluss würde ich in der ersten Zeile statt: Wer hätte nicht das große Los gezogen sagen: Es scheint, als hätte ich das große Los gezogen Die Zeile: wer sagt, er wolle dies nicht, hat gelogen. hat leider eine starke Tonneugung, da ich nicht darum herum kommen das "nicht" zu betonen. Walters Einwand lässt sich leicht beheben z.B. durch: Zwar lernen wir, doch aus den alten Lügen Liebe Grüße Thomas
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© Ralf Schauerhammer Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller |
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#3 |
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TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi Walther!
So verschieden sind die Geschmäcker! Ich finde die Stelle lyrisch und als sprachtechnisches Schmankerl gelungen! Dennoch werde ich die Stelle ändern, um Missverständnissen vorzubeugen. Hi Thomas! Dein Vorschlag würde inhaltlich in eine Richtung lenken, in die ich nicht möchte, weil ich an dieser Stelle ein "doch" vermeiden möchte. Aber du hast mich auf eine andere, ähnliche Lösung gebracht, die meine ursprüngliche Intention nur wenig verfälscht. Was dich an der ersten Str. stört, weiß ich nicht - ich finde meine Version jedenfalls sprachlich flüssiger und eingängiger. Vielen Dank euch beiden für eure Tipps und Gedanken! ![]() LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (15.08.2017 um 09:49 Uhr) |
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#4 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 24.04.2011
Beiträge: 3.375
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Lieber Erich,
es stört mich nicht, ich denke nur, dass man den Schein der Terzine hier schon anklingen lassen könnte. Es muss aber nicht sein. Liebe Grüße Thomas
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© Ralf Schauerhammer Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller |
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#5 |
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Gast
Beiträge: n/a
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das ist wieder einmal ein sehr starkes Stück aus deiner Feder, lieber Erich. Besonders der Schluss gefällt mir ausgesprochen gut in der Formulierung.
"und aus den alten Lügen sind Kinder uns geworden, die wir kleiden. "- ganz stark! ![]() Die "Erdnüsse" sind benannt worden, ich hätte mich dem angeschlossen, aber du hast ja schon gefeilt. Respekt für dieses berührende und kluge Sonett! ![]() ![]() LG von Koko PS Dein erklärender und sehr persönlicher Kommentar dazu berührt mich sehr. |
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#6 |
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TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi Koko!
Ich habe da wohl ein wenig dramatisiert. Die Ohrfeigen waren gewiss nicht Legion, sie kamen eben damals zuweilen vor, und niemand hat sich was dabei gedacht - am wenigsten ich selber! Das gehörte damals auch in gebildeten Kreisen eben dazu, wenn man schlimm gewesen war ... Meine sozialen Defizite resultieren vielmehr aus dem Umstand, dass ich Einzelkind war und vor meiner Einschulung kaum mit Gleichaltrigen Kontakt hatte, verglichen mit anderen Kindern. Zu groß war die Sorge meines überängstlichen Vaters, ich könnte von einem Auto überfahren oder entführt werden! Also sah ich als Kleinkind nur vom Balkon zu, wie andere Kinder unten spielten - und gehörte nie dazu. Damals nahm ich das als gegeben hin, in dem Alter hinterfragt man die Eltern nicht. Als ich eingeschult wurde, war ich dann eigentlich schon eine Inselpersönlichkeit - und meine Mittelschulzeit als verachteter und gemobbter Sonderling entfernte mich anderen Menschen endgültig ... Vielen Dank für deine lobenden und verständigen Worte! ![]() LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (15.08.2017 um 10:05 Uhr) |
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#7 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Nein, ich denke durchaus nicht, lieber Erich, dass du zu dramatisch dargestellt hast.
Ich habe deine Kindheitsgeschichte noch gut im Kopf, dass deine Eltern aus falsch verstandener Fürsorge recht grobe Fehler gemacht haben. Mit Liebe kann man vieles entschuldigen. Das soll auch so sein. Ohrfeigen und Schläge jedoch sind keine Maßabe. Kindern Regeln beizubringen, denn sie hinterlassen immer seelische Spuren. Auch, wenn es damals so üblich war, ändert das nichts daran, dass es falsch war und bleibt. Ich war sicherlich kein pflegeleichtes Kind, hatte immer einen starken Willen, meiine Eltern waren blutjung, 20 und 21. Dennoch habe ich nie auch nur eine Ohrfeige von meinem Vater bekommen. Meiner Mutter ist schon mal die Hand ausgerutscht. Die Folgen davon habe ich bemerkt,ich konnte sie nie so tief lieben wie meinen Vater. LG von Koko |
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#8 |
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TENEBRAE
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Bei mir war es umgekehrt: Mein Vater hat mir nur ein einziges Mal eine runtergehauen, und das auch nur, weil er maßlos wütend und enttäuscht war (ich muss für ihn eine immer größere Enttäuschung gewesen sein, je älter ich wurde, weil ich mich guten schulischen Leistungen zunehmend verweigerte und er diesbezüglich großen Ehrgeiz hatte: Ein Professorensohn musste doch mindestens Doktor werden!), ansonsten fiel es ihm trotz aller tiefen Liebe zu seinem ersehnten Stammhalter schwer, mich auch nur anzufassen.
Meine Mutter war die Resolute und Handfeste bei meiner Erziehung. Dennoch liebte ich gerade sie abgöttisch und habe dagegen zu meinem Vater nie eine wirklich enge Bindung aufbauen können. Warum? Weil meine Mutter mir bei aller Strenge auch ihre Liebe offen, intensiv und ohne Hemmungen zeigen konnte - mein Vater konnte es nicht. Nun, es ist ohnehin Vergangenheit, und nur die meine, und sie wird mit mir vergessen und obsolet sein. Uns bleibt ohnehin nichts, als unser Päckchen zu tragen - und darin sind ja auch viele gute und schöne Erlebnisse mit meinen Eltern! ![]() LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen. Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen! Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind. Dummheit und Demut befreunden sich selten. Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt. Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit. Geändert von Erich Kykal (10.03.2018 um 18:17 Uhr) |
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#9 |
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Gast
Beiträge: n/a
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deine Geschichte hört sich an wie eine griechische Tragödie, wo es irgendwie "nicht anders kommen konnte".
Man weiß nie, was die ganz Alten früher erlebt haben; Krieg, Flucht, richtig gewalttätige Erziehung. Viele Männer hatten ein Trauma, Gefühle zeigen fiel ihnen schwer. Männer durften nicht weinen, sonst galten sie als Memme. Das alles mag solch tragischen Situationen herbeiführen, die doch niemand sicherlich bewusst so wollte. Zudem war früher der Standesdünkel noch hoch angesiedelt und "was die Leute sagen". Mein Vater war da sehr modern. Ihm war es grundsätzlich egal, was die Leute sagen. Ich habe niemals wieder einen Menschen kennengelernt, dem die Meinung der Menschen-Masse so unwichtig war und ihre Gesellschaft ebenso- ,es sei denn, sie waren Familie. Er war sanft und liebevoll, verantwortungsvoll,auch zu unserem Hund, konnte aber anderen gegenüber höchst ungemütllich werden. .Ist wohl eine Charaktersache.Lächeln. Ich wurde immer um meiner selbst geliebt ( auch von meiner Mutter), einfach, dass ich da war. Alle waren sehr stolz auf mich mit Abi und Studium. Niemand hat mir da je reingeredet. Mein Vater hat stundenlang mit mir Mathe geübt, als ich so in Kl. 7-10 war. Geduldig. ![]() Dazu fällt mir immer mein Aphorismus ein: (gilt auch für Ehepartner )" Du musst einen Menschen lieben als den, der er heute ist. Sonst verachtest du ihn morgen für das, was er nicht geworden ist.". Aus dieser Tradition kommend, habe ich auch nie Forderungen an meine Tochter gestellt. Sie geht ihren Weg und den sollte sie sich selbst aussuchen. Und bisher geht sie ihn vorbildlich und kämpferisch- stolzt bin ich auf sie! LG von Koko |
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#10 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Hi eKy,
![]() Schon der erste Satz weißt daraufhin, dass das Sonett persönlich ist. Es ist sehr tragisch, und man spürt ein wenig Distanz und doch Betroffenheit. Wohlstand ist nicht gerade das was Kinder brauchen, Leiden kann vielfältige Ursachen haben, es steht nicht genau da, was für Leiden, aber dem Leser bleibt genügend Spielraum sich ein eigenes Bild im Kopf zu machen. Kinder brauchen Liebe. Wir haben auch als Erwachsene immer noch unser „Kind“ in uns. Die Worte sind eindringlich und nachdenklich zugleich.![]() Sehr gerne gelesen Liebe Grüße sy Ich habe die anderen Kommentare gelesen, es ist immer erschütternd, wenn Kinder geschlagen werden. Früher war das Gang und Gebe, ich mag keine Gewalt, und schon gar nicht gegen sehr viel Schwächere.![]() ![]()
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