Gedichte-Eiland  

Zurück   Gedichte-Eiland > Gedichte > Denkerklause

Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 07.04.2014, 14:41   #1
juli
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Hallo eKy

Ich habe mir Dein Gedicht nach deinem Kommentar nochmals durchgelesen, und staune. Heutzutage fehlen solche Nischen, die trotz allem mit Leben gefüllt sind.


Wie gesagt ich lese und staune
sy
  Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2014, 19:26   #2
Dana
Slawische Seele
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 5.637
Standard

Lieber eKy,

Zitat von Erich Kykal
Die gilbende Gardine auf der Leine
bewegt ein Wind, und wie enttäuschtes Sehnen
scheint sich die faltige Gestalt zu dehnen
in eine Stille, die nichts kennt und achtet,
und nur das karge Bildnis überfrachtet,
das sie beschließt, so wie der Tod das Seine.

ich meinte den Bezug innerhalb der Strophe, die Sinnhaftigkeit. Das ist mir aufgefallen und hat mir imponiert.
a) Zur gilbenden Gardine passt ein einsamer alter Mensch, dessen faltige Gestalt sich sehnend zu dehnen scheint.
b) der Tod beschließt das Sein (e) - und mit ihm geht eine ehemalige Heimeligkeit verloren. Es gibt nur noch luxuriös Schönes und karge Betonbauten für den "Rest".

Ein wirklich berührendes Gedicht.

Liebe Grüße
Dana
Dana ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2014, 19:37   #3
Chavali
ADäquat
 
Benutzerbild von Chavali
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Mitteldeutschland
Beiträge: 13.023
Standard

Servus Erich,

vor Tagen las ich schon dein wortgewaltiges und inhaltsschweres Gedicht.
Nun kam auch noch dein Kommentar dazu und wirkt dadurch von der Aussage her noch intensiver.

Hinterhöfe, wie du sie beschreibst, gab es wohl nur in den Großstädten.
Und ich kann mir das Eigenleben jener gut vorstellen.
Vorstellen deshalb, weil ich persönlich so einen Ort nur aus Beschreibungen, Filmen und Bildern kenne.

Wunderbar hast du mit deinem Text den verschiedensten menschlichen und gesellschaftlichen Facetten zugeordnet.

Lieben Gruß,
Chavali
__________________
.
© auf alle meine Texte
Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz

*
Chavali ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2014, 22:25   #4
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
Standard

Hi, Sy, Dana, Chavi!

Vielen Dank für das freundliche Feedback!

Wie gesagt, in meiner Kindheit in den Siebzigern kannte ich noch solche unrenovierten alten "Rückseiten": Teils Gärten, teils Abstellraum, teils Freizeitzone. Das darf man sich aber nicht so wie heute vorstellen: Nix für Sport, Lifestyle oder so - eher was für Taubenzüchter, Hobbytischler, Kakteenfans oder Freizeitmechaniker. Alles oft windschief und sicher ohne Baugenehmigung, verwinkelt, muffig, staubig, verrostet - kurz, ein Kinderparadies!
Ein Schulfreund von mir lebte damals in einem Hinterhaus mit Gärtchen, und von Besuchen kannte ich noch andere. Das oben Beschriebene ist sozusagen die Quintessenz daraus.
Diese besondere Qualität: Keine Gartendesigner, keine Wohnraumoptimierer haben hier zugeschlagen: Dies wuchs aus Bedarf und innerhalb der Begrenzung enger finanzieller Möglichkeiten: das pure, ehrliche Leben und ungekünstelte Dasein im Alltäglichen, das nichts darstellen oder aussagen will: Es entstand eben - und war.
Letztlich haben Bauvorschriften, Hygieneparagraphen und zuviel Geld dafür gesorgt, dass diese kleinen Lebensoasen verschwanden. Das "Slumartige" musste weichen, wurde flurbereinigt. Vielleicht weniger Ratten und weniger Möglichkeiten, sich Schürfwunden zu holen - aber eben auch weniger "Charakter" und Authentizität! Wohnqualität kann man unterschiedlich interpretieren.... Heute will man es eben lieber aufgeräumt und keimfrei!
Ein Pensionist, der sich noch nützlich machen will, alte Möbel repariert und seine Bretter im Hof stapelt? Undenkbar! Ein Bastler, der an der fensterlosen Wand einen Schuppen für sein Werkeln hochzieht? Ohne Genehmigung, die er sicher nie bekommt? Unvorstellbar! Ein Pflanzenfan, der ein Stück der langweiligen Rasenfläche umgräbt und ein Beet mit Gemüse oder Blumen anlegt? Ohne Absprache mit der Mieterversammlung, wo mit Sicherheit immer einer dagegen ist? Aussichtslos!

Tja, das ist der Lauf der Welt. Als man in den Sechzigern und Siebzigern noch ärmer war und die Schutthalden des Krieges noch erlebt hatte, fand niemand etwas dabei. Erst mit der Isolation, dem Zerbrechen der Gemeinschaften mit der vernetzten modernen Mediengesellschaft wurde diese Orte "untragbar".
Heute heißt es ohnehin fast überall: Zutritt für Unbefugte verboten!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (07.04.2014 um 22:29 Uhr)
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 13:37 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, Jelsoft Enterprises Ltd.

http://www.gedichte-eiland.de

Falderwald