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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 09.05.2014, 21:35   #1
Chavali
ADäquat
 
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Servus Erich,

es muss schrecklich sein, in so ein Loch zu fallen.
Dass alles, was gut und wichtig ist, plötzlich eine ganz andere Dimension einnimmt
und nichts mehr ist, wie es war.

Deine Zeilen lassen ahnen, wie tief diese psychische Störung geht:
Nichts zu kennen als Niedergeschlagenheit und das permanent.

Wenn es allerdings - wie du im Titel anklingen lässt - nur ein Schub ist,
ist es vielleicht behandelbar und noch heilbar?

Du hast diesen Zustand in gekonnter Manier verdichtet.

LG Chavali

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.
© auf alle meine Texte
Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz

*
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Alt 09.05.2014, 22:00   #2
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi, ihr drei!

Ich kann mich der ungeliebten Tatsache rühmen, zuweilen schon eine Depression mitgemacht zu haben. Natürlich gibt es Abstufungen, und ich denke, erst ein einziges Mal war es wirklich "echt" schlimm!
Aber auch dabei kommt es zu "Schüben", d.h., die Depression klingt ab, schlummert eine Weile, nur um dann umso heftiger wieder einzusetzen! Nicht dass es dir in den Zwischenphasen gut ginge, es fühlt sich nur weniger schrecklich an.
Bei den Schüben aber geht es dir wirklich dreckig: alles erscheint sinnlos, ja, das Leben, das Existieren selbst tut irgendwie weh, ist schmerzhaft und bereitet beständige innere gefühlsmäßige Qual. Weinen wäre da eine Erleichterung, doch das vergönnt dir dieser Zustand nicht - dein Geist ist gefangen in einer antriebslosen, phlegmatischen Hülle, die in einem Kokon der gefühlten Sinnlosigkeit vegetiert und bloß "funktioniert".
Zum Glück für mich konnte ich das Schlimmste intellektuell abfedern, und selbst im schwärzesten Loch glomm doch immer der Funke Hoffnung, es würde auch wieder anders werden.
Letztendlich musst du dich selbst aus diesem Abyss hieven, wie auch immer. Hilfe von außen mag unterstützen, aber die innere Kraft dazu kannst du nur in dir selber finden - oder auch nicht. Zum Glück bleibt so eine Depro eben nicht immer gleich stark, und mit etwas Glück ebbt sie irgendwann sogar von alleine ab.

Vielen Dank für eure prompten Reaktionen und Rückmeldungen! Da scheine ich einen Nerv getroffen zu haben...

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 11.05.2014, 12:22   #3
Narvik
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Hallo Erich Kykal,

depressive Schübe sind etwas Schreckliches für die Betroffenen.
Ich hatte eine alte Tante, die nach dem Tode ihres Mannes in schlimmen Depressionen fast versunken ist. Der einst lebenslustigen Frau kam plötzlich jegliche Lebensfreude abhanden und ich glaube fast, sie ist letztendlich auch daran zugrunde gegangen.
So wie du es beschreibst, muss es wohl auch ihr ergangen sein. Als Außenstehender ist es sehr schwer, sich in einen solchen Menschen hineinzuversetzen. Wir haben damals alles getan, um ihr wieder ein wenig Lebensmut zu vermitteln, doch deine Zeilen sagen aus, warum das schließlich nicht gelingen konnte. Wer in einem solch tiefen Loch steckt, braucht viel eigene Kraft, um sich daraus zu befreien. Diese Kraft hatte sie wohl nicht mehr.
Sehr gelungen ist der Ozean aus ungeweinten Tränen. Dieser Ozean muss auch in ihr getobt haben, denn wir haben sie niemals weinen gesehen.

Herzliche Inselgrüße

Narvik
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Nur der fröhliche Mensch allein ist fähig, Wohlgefallen am Guten zu finden. (Kant)
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Alt 11.05.2014, 17:06   #4
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi, Narvik!

Mein Beileid von wegen der Tante! Ja, man muss sehr intensiv "noch" leben wollen, um da rauszufinden. Das Nicht-weinen-Können ist typisch für Depression: Solch ein Ausdruck von Emotion wäre viel zu lebendig für das innere Sterben, das einen befallen hat. Tragend, überragend und alles andere begrabend ist nur die dumpfe, wesenlose, sinnlose Gegenwart einer undefinierbaren Lebenswunde, durch die einem jegliche Freude und jeglicher Antrieb unweigerlich entrinnt. Wie ein am Sein Erfrierender, der nicht sterben kann, treibt man erstarrt in einer kalten inneren Leere.

Das Gedicht entspricht meiner eigenen Erfahrung, spiegelt wider, wie es mir erging. Ich bin froh, nicht mein ganzes Leben so verbringen zu müssen, aber ich muss immer damit rechnen, dass mich mal wieder so ein Schub heimsucht - umso kostbarer die Momente, in denen man die Süße der Welt zu schmecken vermag...

Vielen Dank für deine Gedanken und Eindrücke!

LG, eKy
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Alt 11.05.2014, 20:00   #5
juli
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Hallo eKy :)

Gestern habe ich Dein Gedicht gelesen und ich war innerlich tief berührt.
Du beschreibst in 3 S. die Depression. Depression geht weit über eine (normale)Traurigkeit hinaus.

Besonders die 2te S. sagt es:

Ein Sog greift nach den schemenhaften Bildern,
die wie geronnen lagen in der Zeit,
verwirbelt ihren Sinn und trägt sie weit
nach jenem Ort, den keine Worte schildern.
<---

Du hast für einen Zustand Worte gefunden. Wenn man in diesem Zustand ist gibt es ja kaum Worte.
Du sagst das auch hier in den Kommentaren. Manchmal ist der Zustand so schlimm, das fremde Hilfe notwendig wird.


Noch nachdenklich
sy
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Alt 11.05.2014, 22:12   #6
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
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Hi, Sy!

Danke für deine Gedanken! Ich denke, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Es gibt eben kein "warum", keinen logischen Grund, keine Erklärung, die den Zustand begreifbar macht oder gar wegargumentiert.

LG, eKy
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