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Auf der Suche nach Spiritualität Religion und Mythen

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Alt 19.09.2015, 09:26   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Moin Claudi,

bei solch langen Texten ist ja immer die Gefahr gegeben, dass der Leser während des Lesens einnickt, wenn man nicht für ein wenig Abwechslung in den Strophen sorgt. Deshalb bin ich froh, das du schreibst, dass dieser Text eben nicht ganz so langweilig geworden ist.

Deine Aversion gegen die "Wir-Ansprache" kann ich gut nachvollziehen, aber ich möchte dies kurz aus meiner Sicht erklären.
Ich denke, niemand kann bestreiten, dass sich der Mensch für viele Dinge verantwortlich zeigt, die hier nicht ganz so rund laufen.
Nehmen wir zum einen die ständige Umweltverschmutzung, oder die ständige Ausbreitung des menschlichen Lebensraumes, wodurch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, bzw. schon ausgestorben sind.
Zum anderen zeigt sich die ungeheure Brutalität und Aggressivität in den noch immer andauernden Kriegen gegeneinander oder einfach, dass zugelassen wird, wenn Menschen auf diesem Planeten verhungern und verdursten, wohingegen andere in Saus und Braus leben können.

Das ist ein menschliches Problem und ich gehöre dazu, womit ich mich also auch in Selbsthaftung nehme, denn jedes Mal, wenn ich (z.B.) mein Auto starte, trage ich zur Umweltverschmutzung bei.
Das will ich auch jetzt nicht weiter ausführen, denn ich glaube, du weißt schon, wo ich damit hin will.

Somit zielt dieses "Wir" also auf die gesamte Menschheit.
Und wer nicht seinen kleinen Teil dazu beiträgt, der darf sich meinetwegen gern aus diesem "Wir-Kreis" ausschließen.
Aber ich glaube kaum, dass dies möglich ist.

Meines Erachtens handelt es sich hierbei also nicht um einen wertenden Kommentar, sondern lediglich um Beobachtungen, wie wir alle miteinander und mit diesem kleinen Juwel im Kosmos umgehen.

So war das jedenfalls gemeint.

Vielen Dank für deinen Kommentar...


Hi Chavi,

na ja, im Nachhinein muss ich sagen, dass an der Technik noch einiges zu feilen gewesen wäre, denn ich habe tatsächlich, wie Nachteule schon schrieb, zu wenig Abwechslung in die Endworte gebracht, obwohl sie sicherlich einiges mehr hergegeben hätten.
Aber so ist es nun mal, wenn man einen bestimmten Gedanken verfolgt. Und der war mir in diesem Fall wichtiger.

Prinzipiell hast du die Kernstrophen dieses Textes richtig benannt.
Zum einen die Suche des "seelenlosen Geists" nach einer Heimstätte für das Leben und zum anderen der Umgang des Lebens mit seiner sorgfältig ausgewählten Umwelt.

Es sollte auch keine Anklage im eigentlichen Sinne sein, denn so ist die menschliche Natur nun einmal.
Aber vielleicht sollte man sich ab und zu Gedanken darüber machen, wie die speziellen Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen besser eingesetzt werden könnten, wenn er erst erkennt, welch wunderbare Leistung die Natur vollbracht hat und er selbst ein Bestandteil dessen ist, was er so leichtfertig zu zerstören bereit ist.
Denn die Natur selbst kennt weder Moral noch Erbarmen, sie tut das, was sie tun muss und gibt die Bedingungen vor.
Wenn die Menschen daran kratzen, dann kann die Rechnung nicht aufgehen und sie werden über kurz oder lang den Preis dafür zahlen müssen.

Ich freue mich, dass der Text dir gefallen hat und bedanke mich für deine Gedanken zum Thema...


Vielen Dank für eure Rückmeldungen...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald


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Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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Alt 19.09.2015, 17:39   #2
Claudi
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Moin Faldi,

Zitat:
Somit zielt dieses "Wir" also auf die gesamte Menschheit.
ja, natürlich. Aber das ist doch so offensichtlich, dass jedes Schulkindkind diese Verbindung herstellen kann, ohne dass Du da so penetrant nachhelfen müsstest. Bis hierhin schreibst Du in Gedichtform. Das liest sich wunderbar. Der Erzähler bleibt im Hintergrund und ich kann mich ganz den Bildern und dem Geschehen widmen:


Und plötzlich war ein Wesen aufgewacht
mit einem intellektuellen Geist,
zum ersten Mal erfuhr sich die Natur
durch einen Spiegel selbst in Zeit und Raum,
sie stand inmitten ihrer eignen Welt
und schaute mit Erstaunen in den Tag.

Ah, hier kommen wir! Ich selbstredend mittendrin und möchte mehr von unseren Eigenarten entdecken. Aber mit der nächsten Strophe bricht das schöne Gedicht plötzlich ab und wird zu einer Beurteilung in Versform, die meine eigene Bewertung (zu der ich mich durchaus in der Lage fühle) vorweg nimmt:


Nur leider ist an eben diesem Tag
auch Aberglaube mit Moral erwacht,
von Gier verdorben handelte der Geist
in seinem Streben wider die Natur,
er schaffte Krieg und Elend einen Raum
und brachte so das Leiden in die Welt.


Und dabei wäre ich zu exakt der gleichen traurigen Bilanz gekommen, wenn Du mich gelassen hättest. Schade, DAS ist es nicht, was ich von zeitgenössischer Lyrik erwarte. Kannst Du mich jetzt ein bisschen verstehen? Vielleicht ist Dir das "zu viel" an Hilfestellung, die Du dem Leser gibst, ja manchmal gar nicht bewusst? Trau ihm ruhig was zu!

LG Claudi
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Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich
Abgestandenen Quark; darüber verträufele Wermut,
Bis aus dem Rührwerk, Burps! endlich das Bäuerchen kommt.
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Alt 20.09.2015, 20:24   #3
Falderwald
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Ok, Claudi,

ich habe verstanden, was du meintest und dementsprechend die fünfte und sechste Strophe umgearbeitet.

Jetzt bin aber auf eine Antwort gespannt...


Liebe Grüße

Falderwald


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Alt 21.09.2015, 22:43   #4
Claudi
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Hi Faldi,

alle Achtung! Du legst Dich ja wirklich ins Zeug! Ja, ganz so klammernd wirken die beiden neuen Strophen jetzt nicht mehr auf mich. Ich glaube allerdings, dass die feststehenden Endwörter in der Sestine einfach zu einengend sind, um diesem Thema wirklich gerecht werden zu können. Die Schwierigkeit liegt, glaube ich darin, dass es nicht möglich ist, Begriffe wie "Glauben", "Moral" oder "Gefühl" so schön bildhaft darzustellen wie z.B. in S2 das Säen der Sterne.

Dass die erste Strophe nicht die Natur, sondern den Menschen anspricht, wurde mir erst im Nachhinein klar. Jetzt würde ich sagen, sie passt besser an Position 6, gleich nach der Liebe? Ohne diese Strophe wäre vielleicht eine Entwicklung zum Weltuntergang spannend gewesen? Mit der Kurzstrophe als Epilog.

Oder eine wütende Ansprache von Mutter Natur an die undankbare Brut? Das würde Dir garantiert liegen, nur hätte dann "Natur" nicht in der Wortliste vorkommen dürfen. Sie und der "Geist" haben Dich hier, glaube ich, am stärksten geknebelt. Ich weiß, im Nachhinein ist man immer schlauer, aber das hat ja auch sein Gutes. Vielleicht kannst Du ja was fürs nächste Gedicht mitnehmen.

LG Claudi
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Alt 27.09.2015, 08:01   #5
Falderwald
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Moin Claudi,

puh, da bin ich ja froh, dass die Änderung zumindest ein wenig Verbesserung bewirkt hat.

Wahrscheinlich hast du recht damit, dass die Endworte hier ein wenig einengend sind, aber wenn man einmal mit einer solchen Sestine losgelegt hat, ist es sehr schwer, das hinterher noch irgendwie zu ändern.

Die erste Strophe sollte eigentlich nicht direkt den Menschen ansprechen, sondern mehr sich selbst.
Man kennt es ja, wenn man z. B. morgens vor dem Spiegel steht und sagt: "Meine Güte, siehst du heute Morgen wieder zerknautscht aus."
So war das eigentlich gemeint.

Hier also ein reflektierender Protagonist mit philosophischen Anwandlungen, der über die Welt und die Natur sinniert und letztlich zu dem Schluss kommt, dass der Mensch eben doch eine Sonderstellung einnimmt, weil er eben den Geist besitzt, über solche Dinge nachzudenken.

Wahrscheinlich ist das nicht sonderlich gut gelungen, aber dafür, dass es meine erste Sestine war, bin ich eigentlich doch ganz zufrieden.

Alles andere werde ich mir fürs nächste Mal in mein Büchlein schreiben.


Vielen Dank für die erneute Rückmeldung...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald


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